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01-04-2008Generation Doof – Amerikaner immer dümmer Wer war Adolf Hitler? Ein Waffenhändler? Ein deutscher Kaiser? Österreichs Ministerpräsident? Oder Reichskanzler der Nazis? Ein Viertel der US-Amerikaner weiß keine Antwort auf diese Frage, denn sie werden immer dümmer. Und das macht ihnen nicht einmal mehr etwas aus, beklagt eine US-Journalistin. Susan Jacoby stand unter Schock am Dienstag, dem 11.September 2001, wie alle Welt, als sie auf dem Fußweg zu ihrem Apartment in Manhattan in einer Bar Trost bei einem Drink suchte. „Es ist genau wie Pearl Harbor“, stöhnte einer der beiden gut gekleideten Herren am Tresen neben ihr. „Was war noch mal Pearl Harbor?“, fragte der andere. „Das war, als die Vietnamesen einen Hafen bombardierten und den Vietnamkrieg begannen.“ Susan Jacoby leerte ihren Bloody Mary und beschloss, ein Buch zu schreiben: über Dummheit. Über eine Beschränktheit, die nicht mehr als Mangel oder Makel empfunden wird unter vermeintlich Gebildeten in Amerika. Ende Februar dieses Jahres erschien „The Age of American Unreason“ (Das Zeitalter der amerikanischen Unvernunft). Jacobys Befund ist so niederschmetternd wie „9/11“. Der Streit darüber entsprechend heftig. Niemand kann bestreiten, dass laut Umfragen die Hälfte der Amerikaner an Geister und Feen glaubt und ein Fünftel meint, dass sich die Sonne um die Erde dreht. Dieselbe Zahl war 2003 vor Beginn der Invasion im Irak in der Lage, das Land auf beschrifteten Karten zu finden. Bei den Jungen wird Amerikas Weltsicht noch trüber. Weniger als die Hälfte weiß, wann der amerikanische Bürgerkrieg ihr Land ausblutete, jeder Vierte glaubt, Christoph Kolumbus habe die Neue Welt nach 1750 entdeckt. Eine Erhebung des Pädagogenverbands Common Core unter 1200 17-Jährigen, die im Januar aus 33 Multiple-Choice-Fragen zu Geschichte und Literatur den Stand des Gemeinwissens ermittelte, stellte fest, dass ein Viertel sich nicht entsinnen konnte, ob Adolf Hitler ein Waffenhändler, deutscher Kaiser, Österreichs Ministerpräsident oder womöglich doch Reichskanzler Nazi-Deutschlands war. Dieses Ergebnis könnte geschichtsfliehende Deutsche freuen und bestärken. Mit Blick auf Gedeih und Politikfähigkeit mündiger US-Bürger muss es verstören. Was aber Susan Jacoby (62), früher Journalistin bei der „Washington Post“, vor allem umtreibt, ist ein Bündnis von Antiintellektualität und Antirationalismus im öffentlichen Diskurs: Die Haltung, dass „zu viel Wissen gefährlich sein kann“, und die Einstellung, „dass es keine (wissenschaftlichen) Beweise oder Tatsachen gibt, nur Meinungen“, sind nach Jacobys Beobachtung in den vergangenen 20 Jahren verschmolzen zu einem dumpf-wohligen Gemenge von Halbwahrheit, Gerücht und Gefühl. Das Schlimmste und wirklich Neue daran, so die Prämisse der Autorin: Immer weniger Amerikaner wissen noch, was sie nicht wissen. Und immer weniger scheren sich darum. Zumal die Jungen. Zwei Drittel der Studenten, notiert Jacoby, können nicht mehr die drei Gewalten ihrer Republik nennen; bei einem Mathematikwettbewerb rangierten die USA an 24.Stelle von 29 Ländern. Und es stört sie nicht einmal. Anders, im brachialen Jargon des Lifestyles gesagt: „Dumb is the new cool.“ Blöd zu sein wird schick. Natürlich sind die Medien mit ihrem gnadenlosen 24-Stunden-Nachrichten-Zyklus die ersten Verdächtigen, sekundiert von der bildmächtigen neuen Blogwelt von YouTube, MySpace et aliis. Der Triumph der Videokultur mit all ihren digitalen Spielarten über die Druckkultur ist für Jacoby „der erste und wichtigste der Vektoren des neuen Antiintellektualismus“. Mehr als 40 Prozent der Amerikaner unter 44 Jahren lesen kein einziges Buch mehr im Jahr; seit 1984 hat sich der Anteil der 17-Jährigen, die angeben, nichts (außer verlangter Schultexte) zu lesen, mehr als verdoppelt. Susan Jacoby lässt das Surfen im Internet nicht als Lesen gelten, das Konzentration über lange Zeiträume verlangt. Gemeinwissen verkommt. Nun ist es, wie Susan Jacoby wohl weiß, wenig originell, sich über die Verdummung und zunehmende Sittenlosigkeit der Jugend zu erregen. Die ältesten und edelsten Texte des Abend- wie des Morgenlandes sind voll von solchen Klagen alter Männer. Jacobys Buch zeichnet die Geschichte der amerikanischen intellektuellen Aufklärer, von den Gründervätern bis zu Richard Hofstadter („Anti-Intellectualism in American Life“, 1963) nach. Sie kommt zu dem Schluss, dass nie zuvor die Zivilisationstechnik des Lesens und (daran trainiert) des Denkens so bedroht war. Weit älter ist freilich der amerikanische Argwohn gegen den Intellektuellen, den Dwight Eisenhower 1954 als Mann beschrieb, „der mehr Worte als nötig darauf verwendet, mehr zu sagen, als er weiß“. Irving Kristol, Patriarch der Neokonservativen und klassischer jüdischer New Yorker Intellektueller, nannte es 1983 seine vornehmste Aufgabe, „dem amerikanischen Volk zu erklären, warum es recht hat, und den Intellektuellen, warum sie irren“. Es vergeht keine Viertelstunde in Amerikas Alltag, in der nicht wütende Blogger oder Radio-Talker gegen die „intellektuellen“ Eliten hetzen. Das Attribut ist im Begriffskanon der Neuen Rechten seit Ronald Reagan ein Schimpfwort geworden wie „(links)liberal“. Zugleich blüht prächtig der Mythos der einfachen Volksweisheit. George W. Bush gewann seine erste Wahl mit einem geschickt ausgestellten Image des volkstümlichen Kumpels, der unerschütterliche Werte hat und stets weiß, was gut und was böse ist. Ihm fehlte, nach eigenem Eingeständnis, die intellektuelle Neugier, Zeitungen selbst zu lesen. Und eine Mehrheit der Amerikaner, so der Beschluss des Supreme Court, wählte 2000 wohl auch deshalb Bush, weil sie diesen Zug zum Einfältigen, Geraden, Gottesfürchtigen vertrauenswürdig fand. Susan Jacoby hat wichtige, in ihren Analysen vielleicht überlegene Verbündete in Autoren wie Al Gore („The Assault on Reason“, 2007), Andrew Keen („The Cul of the Amateur“) und Mark Bauerlein („The Dumbest Generation: How the Digital Age Stupefies Young Americans and Jeopardizes Our Future“). Alle beklagen den Niedergang der Lesefähigkeit und des Gemeinwissens: „Ihr könnt mich zitieren“, notiert der Englischprofessor der Emory University, Bauerlein, „ihr Typen habt von nichts eine Ahnung.“ In der US-Quizsendung „Are you smarter than a Fithgrader?“ beweisen junge Prominente in unentwegter Realsatire, dass sie weniger als ein Fünftklässler wissen. „Budapest ist die Hauptstadt welchen europäischen Landes?“ – „Was, ich dachte, Europa sei ein Land?“ Und dann: „Hungary?“ – „Was? Ich kannte Turkey, aber dass ein Land ,Hungrig‘ heißt!“ Susan Jacoby verlangt, wie viele andere, einheitliche Schulstandards in den USA, die bisher jedem Staat und jedem Kreis sein Curriculum überlassen. Deshalb wird in Kansas Kreationismus, die zur Wissenschaft erklärte Lehre von Gottes Schöpfung, gleichberechtigt neben der Evolutionstheorie unterrichtet. Susan Jacoby hält den Einfluss des religiösen Fundamentalismus für eine der Wurzeln der Feindseligkeit wider das Wissen. Amerikas Demokratie selbst, stets gefährdet, sieht die Autorin in eine Dämmerung der Ahnungslosigkeit und Gedächtnislosigkeit sinken, wenn nicht Einhalt geboten wird. Andere Kritiker einer Bildungsmisere, welche die Ungebildeten immer weniger störe, rufen Thomas Jefferson an: „Wenn eine Nation erwartet, unwissend und frei zu sein, in einem Zustand der Zivilisation, erwartet sie, was niemals war und niemals sein wird.“ Eine witzige und geistreiche Erwiderung auf Mark Bauerleins Verdammung der „dümmsten Generation“ wagte Ende Februar ein gewisser Eric Betts in der Emory-Studentenzeitung: „Meine Mutter rief an, um mir zu sagen, dass einer meiner ehemaligen Professoren mich im Fernsehen als dumm bezeichnet... nicht nur mich: uns alle, die wir unter 30 sind.“ Betts kam zu dem Schluss: „Ich glaube nicht, dass wir dümmer sind als frühere Generationen. Es geht darum, dass wir, mit Zugriff auf all das Wissen, all die Daten, die Gelegenheit haben, klüger als alle anderen zu sein. Und wir nehmen diese Gelegenheit nicht wahr.“ [Quelle] |
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23-03-2008Roots Germania von Mo Asumang Alles begann mit einem Hetzsong der Neonaziband "White Ayran Rebels", in dem zum Mord an Mo Asumang und anderen Prominenten aufgerufen wurde. Glücklicherweise wirkt das Nazigift bei Mo wie ein Motor, der sie in einem Dokumentarfilm einmal quer durch Deutschland, nach England und bis nach Afrika führt. Getrieben von dem Wunsch, ihre Angst zu verlieren, beginnt Mo sich mit den Neonazis auseinanderzusetzen. Sie will mehr über deren Begründungen für die Ausgrenzung von Migranten erfahren und stellt sich einigen in direkter Konfrontation. Sie spricht mit "kleinen" Nazis im Knast, mit Naziprominenz Jürgen Rieger und landet auf einer NPD-Demonstration. Dabei begegnet sie der Vereinnahmung germanischer Mythologien durch den Nationalsozialismus. Auch die neuen Nazis bemühen germanische Zeichen, Rituale und Kultstätten. Doch was steckt eigentlich dahinter? Mos Herangehensweise ist mal psychologisch, mal träumerisch mit einer kräftigen Prise Komik und dann wieder tiefsinnig. Für die eigene Identitätssuche folgt sie ausnahmsweise dem gemeinen Slogan der Nazis: "Geh doch dahin, wo du hergekommen bist". In Ghana angekommen, stellt sie fest, dass sie dort eine Weiße ist. Bei einem Ahnenritual erspürt Mo, wie sie sich von ihrer Angst und Wurzellosigkeit in Deutschland heilen kann. Zurück in der Heimat reist sie quer durch Deutschland, trifft sich mit Wissenschaftlern, besucht germanische Kultplätze, steigt in die Himmler-Gruft der Wewelsburg hinab und befindet sich plötzlich mitten im Vergangenheitstrauma der Deutschen. Mos eigentümliche "Integrationsreise" führt die schwarze Deutsche in "Roots Germania" nicht weg von den Wurzeln, vielmehr führt sie sie zur weiblichen Seite ihrer germanischen Ahnen. Am Schluss wird sich zeigen, ob die weiblichen Gottheiten, die Matronen, Mo genügend Kraft geben können, um ihr die Angst vor der letzten schwierigen Etappe zu nehmen: dem Treffen mit dem Leader der Neonaziband "White Ayran Rebels".
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14-03-2008Gegentheorien zum Klimawandel Heute-Journal vom 5. April 07: Klima-Abgaben auf Flugtickets und Tempo-Limit auf der Autobahn – Der Klimaschutz ist ein heißes Thema in der Politik. Doch nun melden Forscher Zweifel an dem klimatischen Horrorszenario an. Mit Geophysiker Georg Delisle von der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe. |
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14-03-2008Martin Luther King "I have a dream" Martin Luther King Jr. [* 15. Januar 1929 in Atlanta, Georgia; † 4. April 1968 in Memphis, Tennessee] war ein US-amerikanischer Baptistenpastor und Bürgerrechtler. Er zählt weltweit zu den wichtigsten Vertretern im Kampf gegen die Unterdrückung der Afroamerikaner und Schwarzafrikaner und für soziale Gerechtigkeit. King, der immer die Gewaltlosigkeit predigte, wurde dreimal tätlich angegriffen, überlebte mindestens ein Bombenattentat und wurde zwischen 1955 und 1968 mehr als 30 Mal inhaftiert. Am 4. April 1968 – vor 40 Jahren - wurde er in Memphis, Tennessee, erschossen. Hier die wohl bekannteste Rede von Martin Luther King zum Marsch auf Washington am 28. August 1963 vor 250.000 Menschen am Lincoln Memorial: „Ich freue mich, heute mit euch zusammen an einem Ereignis teilzunehmen, das als die größte Demonstration für die Freiheit in die Geschichte unserer Nation eingehen wird. Vor hundert Jahren unterzeichnete ein großer Amerikaner, in dessen symbolischen Schatten wir heute stehen, die Emanzipationsproklamation. Er kam wie ein freudiger Tagesanbruch nach der langen Nacht ihrer Gefangenschaft. Aber hundert Jahre später ist der Neger immer noch nicht frei. Hundert Jahre später ist das Leben des Negers immer noch verkrüppelt durch die Fesseln der Rassentrennung und die Ketten der Diskriminierung. Hundert Jahre später schmachtet der Neger immer noch am Rande der amerikanischen Gesellschaft und befindet sich im eigenen Land im Exil. Deshalb sind wir heute hierher gekommen, um eine schändliche Situation zu dramatisieren. In gewissem Sinne sind wir in die Hauptstadt unseres Landes gekommen, um einen Scheck einzulösen. Als die Architekten unserer Republik die großartigen Worte der Verfassung und der Unabhängigkeitserklärung schrieben, unterzeichneten sie einen Schuldschein, zu dessen Einlösung alle Amerikaner berechtigt sein sollten. Dieser Schein enthielt das Versprechen, dass allen Menschen — ja, schwarzen Menschen ebenso wie weißen — die unveräußerlichen Rechte auf Leben, Freiheit und der Anspruch Glück garantiert würden. Es ist heute offenbar, dass Amerika seinen Verbindlichkeiten nicht nachgekommen ist, soweit es die schwarzen Bürger betrifft. Statt seine heiligen Verpflichtungen zu erfüllen, hat Amerika den Negern einen Scheck gegeben, der mit dem Vermerk zurückgekommen ist: "Keine Deckung vorhanden". Aber wir weigern uns zu glauben, dass die Bank der Gerechtigkeit bankrott ist. Wir weigern uns zu glauben, dass es nicht genügend Gelder in den großen Stahlkammern der Gelegenheiten in diesem Land gibt. So sind wir gekommen, diesen Scheck einzulösen, einen Scheck, der uns auf Verlangen die Reichtümer der Freiheit und die Sicherheit der Gerechtigkeit geben wird. Wir sind auch zu dieser merkwürdigen Stätte gekommen, um Amerika an die grimmige Notwendigkeit des Jetzt zu erinnern. Jetzt ist nicht die Zeit, in der man sich den Luxus einer "Abkühlungsperiode" leisten oder die Beruhigungsmittel langsamen, schrittweisen Fortschritts einnehmen kann. Jetzt ist die Zeit, die Versprechungen der Demokratie Wirklichkeit werden zu lassen. Jetzt ist die Zeit, aus dem dunklen und trostlosen Tal der Rassentrennung aufzubrechen und den hellen Weg der Gerechtigkeit für alle Rassen zu beschreiten. Jetzt ist die Zeit, unsere Nation aus dem Treibsand rassischer Ungerechtigkeit zu dem festen Felsen der Brüderlichkeit emporzuheben. Jetzt ist die Zeit, Gerechtigkeit für alle Kinder Gottes Wirklichkeit werden zu lassen. Es wäre verhängnisvoll für diese Nation, wenn sie nicht die Dringlichkeit der gegenwärtigen Lage wahrnehmen würde. Dieser heiße Sommer berechtigter Unzufriedenheit des Negers wird nicht zu Ende gehen, solange nicht ein belebender Herbst der Freiheit und Gerechtigkeit begonnen hat. 1963 ist kein Ende, sondern ein Anfang. Wer hofft, der Neger werde jetzt zufrieden sein, nachdem er Dampf abgelassen hat, wird ein böses Erwachen haben, wenn die Nation wieder weitermacht wie vorher. Es wird weder Ruhe noch Rast in Amerika geben, bis dem Neger die vollen Bürgerrechte zugebilligt werden. Die Stürme des Aufruhrs werden weiterhin die Grundfesten unserer Nation erschüttern, bis der helle Tag der Gerechtigkeit anbricht. Und das muss ich meinem Volk sagen, das an der abgenutzten Schwelle der Tür steht, die in den Palast der Gerechtigkeit führt: Während wir versuchen, unseren rechtmäßigen Platz zu gewinnen, dürfen wir uns keiner unrechten Handlung schuldig machen. Lasst uns nicht aus dem Kelch der Bitterkeit und des Hasses trinken, um unseren Durst nach Freiheit zu stillen. Wir müssen unseren Kampf stets auf der hohen Ebene der Würde und Disziplin führen. Wir dürfen unseren schöpferischen Protest nicht zu physischer Gewalt herabsinken lassen. Immer wieder müssen wir uns zu jener majestätischen Höhe erheben, auf der wir physischer Gewalt mit der Kraft der Seele entgegentreten. Der wunderbare, neue kämpferische Geist, der die Gemeinschaft der Neger erfasst hat, darf uns nicht verleiten, allen Weißen zu misstrauen. Denn viele unserer weißen Brüder — das beweist ihre Anwesenheit heute — sind zu der Einsicht gekommen, dass ihre Zukunft mit der unseren untrennbar verbunden ist. Sie sind zu der Einsicht gelangt, dass ihre Freiheit von unserer Freiheit nicht zu lösen ist. Wir können nicht allein marschieren. Und wenn wir marschieren, müssen wir uns verpflichten, stets weiter zu marschieren. Wir können nicht umkehren. Es gibt Leute, die fragen diejenigen, die sich selbst der Bürgerrechte verpflichtet fühlen: "Wann werdet ihr endlich zufriedengestellt sein?" Wir können niemals zufriedengestellt sein, solange der Neger das Opfer der unaussprechlichen Schrecken polizeilicher Brutalität ist. Wir können nicht zufriedengestellt sein, solange unsere müden Leiber nach langer Reise in den Motels an den Landstraßen und den Hotels der großen Städte keine Unterkunft finden. Wir können nicht zufriedengestellt sein, solange die Bewegungsfreiheit der Neger in erster Linie darin besteht, von einem kleinen Ghetto in ein größeres zu gehen. Wir können nicht zufriedengestellt sein, solange unsere Kinder ihrer Freiheit und Würde beraubt werden durch Zeichen, auf denen steht: "Nur für Weiße". Wir können nicht zufriedengestellt sein, solange der Neger in Mississippi nicht das Stimmrecht hat und der Neger in New York niemand hat, den er wirklich wählen möchte. Nein, wir werden nicht zufriedengestellt sein, bis das Recht strömt wie Wasser und die Gerechtigkeit wie ein mächtiger Strom. Ich weiß wohl, dass manche unter euch hierher gekommen sind aus großer Bedrängnis und Trübsal. Einige von euch sind direkt aus engen Gefängniszellen gekommen. Einige von euch sind aus Gegenden gekommen, in denen ihr aufgrund eures Verlangens nach Freiheit mitgenommen und erschüttert wurdet von den Stürmen der Verfolgung und polizeilicher Brutalität. Ihr seid die Veteranen schöpferischen Leidens. Macht weiter und vertraut darauf, dass unverdientes Leiden erlösende Qualität hat. Geht zurück nach Mississippi, geht zurück nach Georgia, geht zurück nach Louisiana, geht zurück in die Slums und Ghettos der Großstädte im Norden in dem Wissen, dass die jetzige Situation geändert werden kann und wird. Lasst uns nicht Gefallen finden am Tal der Verzweiflung. Heute sage ich euch, meine Freunde, trotz der Schwierigkeiten von heute und morgen habe ich einen Traum. Es ist ein Traum, der tief verwurzelt ist im amerikanischen Traum. Ich habe einen Traum, dass eines Tages diese Nation sich erheben wird und der wahren Bedeutung ihres Credos gemäß leben wird: "Wir halten diese Wahrheit für selbstverständlich: dass alle Menschen gleich erschaffen sind." Ich habe einen Traum, dass eines Tages auf den roten Hügeln von Georgia die Söhne früherer Sklaven und die Söhne früherer Sklavenhalter miteinander am Tisch der Brüderlichkeit sitzen können. Ich habe einen Traum, dass sich eines Tages selbst der Staat Mississippi, ein Staat, der in der Hitze der Ungerechtigkeit und Unterdrückung verschmachtet, in eine Oase der Gerechtigkeit verwandelt. Ich habe einen Traum, dass meine vier kleinen Kinder eines Tages in einer Nation leben werden, in der man sie nicht nach ihrer Hautfarbe, sondern nach ihrem Charakter beurteilen wird. Ich habe einen Traum heute... Ich habe einen Traum, dass eines Tages in Alabama mit seinen bösartigen Rassisten, mit seinem Gouverneur, von dessen Lippen Worte wie "Intervention" und "Annullierung der Rassenintegration" triefen ..., dass eines Tages genau dort in Alabama kleine schwarze Jungen und Mädchen die Hände schütteln mit kleinen weißen Jungen und Mädchen als Brüdern und Schwestern. Ich habe einen Traum, dass eines Tages jedes Tal erhöht und jeder Hügel und Berg erniedrigt wird. Die rauhen Orte werden geglättet und die unebenen Orte begradigt werden. Und die Herrlichkeit des Herrn wird offenbar werden, und alles Fleisch wird es sehen. Das ist unsere Hoffnung. Mit diesem Glauben kehre ich in den Süden zurück. Mit diesem Glauben werde ich fähig sein, aus dem Berg der Verzweiflung einen Stein der Hoffnung zu hauen. Mit diesem Glauben werden wir fähig sein, die schrillen Missklänge in unserer Nation in eine wunderbare Symphonie der Brüderlichkeit zu verwandeln. Mit diesem Glauben werden wir fähig sein, zusammen zu arbeiten, zusammen zu beten, zusammen zu kämpfen, zusammen ins Gefängnis zu gehen, zusammen für die Freiheit aufzustehen, in dem Wissen, dass wir eines Tages frei sein werden. Das wird der Tag sein, an dem alle Kinder Gottes diesem Lied eine neue Bedeutung geben können: "Mein Land von dir, du Land der Freiheit singe ich. Land, wo meine Väter starben, Stolz der Pilger, von allen Bergen lasst die Freiheit erschallen." Soll Amerika eine große Nation werden, dann muss dies wahr werden. So lasst die Freiheit erschallen von den gewaltigen Gipfeln New Hampshires. Lasst die Freiheit erschallen von den mächtigen Bergen New Yorks, lasst die Freiheit erschallen von den hohen Alleghenies in Pennsylvania. Lasst die Freiheit erschallen von den schneebedeckten Rocky Mountains in Colorado. Lasst die Freiheit erschallen von den geschwungenen Hängen Kaliforniens. Aber nicht nur das, lasst die Freiheit erschallen von Georgias Stone Montain. Lasst die Freiheit erschallen von Tennesees Lookout Mountain. Lasst die Freiheit erschallen von jedem Hügel und Maulwurfshügel in Mississippi, von jeder Erhebung lasst die Freiheit erschallen. Wenn wir die Freiheit erschallen lassen — wenn wir sie erschallen lassen von jeder Stadt und jedem Weiler, von jedem Staat und jeder Großstadt, dann werden wir den Tag beschleunigen können, an dem alle Kinder Gottes — schwarze und weiße Menschen, Juden und Heiden, Protestanten und Katholiken — sich die Hände reichen und die Worte des alten Negro Spiritual singen können: ‚Endlich frei! Endlich frei! Großer allmächtiger Gott, wir sind endlich frei!’“ |
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13-03-2008Waterboarding Bush Die umstrittene Verhörmethode «Waterboarding» ist in den USA weiter nicht verboten. Die Demokraten verfehlten im Repräsentantenhaus am Dienstag die notwendige Zwei-Drittel-Mehrheit, um ein Veto von Präsident George W. Bush gegen ein von beiden Kammern beschlossenes Gesetz zu überstimmen, das das «Waterboarding» verboten und den Geheimdienst CIA weiter auf die 19 Verhörmethoden verpflichtet, die vom US-Militär genehmigt sind. Bush hatte sein Veto gegen das Gesetz am Samstag eingelegt. «Das mir vom Kongress übermittelte Gesetz nimmt uns eines der nützlichsten Werkzeuge im Kampf gegen den Terror», begründete Bush am Samstag seinen Einspruch. Beim «Waterboarding» haben Gefangene das Gefühl zu ertrinken. CIA-Direktor Michael Heyden hatte bestätigt, dass der Geheimdienst diese Verhörmethode bei drei mutmaßlichen Terroristen 2002 und 2003 angewandt hatte.
Im Repräsentantenhaus fehlten am Dienstag 51 Stimmen, um das Veto des Präsidenten gegen das Verbot zu überstimmen. 225 Abgeordnete votierten für das Verbot, 188 lehnten es ab. Es gehe in dieser Abstimmung um die Menschenrechte hatte der demokratische Vorsitzende des Geheimdienstausschusses, Silvestre Reyes, vor der Abstimmung erklärt. «Hier geht es um Folter.» Die Republikaner sprachen von einem schlecht erarbeiteten Gesetz, dass zum Beispiel unnötigerweise eine Studie fordere zu den Auswirkung der Klimaerwärmung auf die Sicherheit der USA. Bush hat in seiner Amtszeit bereits gegen sieben Gesetze sein Veto eingelegt, nur in einem Fall wurde er überstimmt. [Quelle] |
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13-03-2008Warum tötest Du, Zaid? „Großartig, unser Land ist zerstört, über eine Million Mitbürger sind tot, viereinhalb Millionen sind auf der Flucht, die Kindersterblichkeit ist eine der höchsten der Welt, es gibt kaum Strom, Wasser und Medikamente, Arbeitslosigkeit und Inflation sind auf über 50 Prozent gestiegen, auf die Straße kann man kaum noch, in Bagdad sind die Menschen in Ghettos eingemauert, denn laut US-General David Petraeus ‚machen gute Mauern gute Nachbarn’ – aber es hat sich richtig gelohnt, Saddam ist weg“. [Jürgen Todenhöfer, Warum tötest Du, Zaid?, Bertelsmann Verlag] Über den Irak-Krieg ist schon vieles geschrieben und berichtet worden. Da die Sicherheitslage im Lande katastrophal ist [bisher 200 getötete Journalisten] verlassen wir uns im Wesentlichen auf die Reporte militärisch ‚eingebetteter’ Journalisten und die Presseerklärungen der amerikanischen Militärs. Das führt natürlich dazu dass wir ein völlig verschobenes – von Washington diktiertes - Bild von den wahren Vorgängen im Lande haben. Der deutsche Journalist und Autor Jürgen Todenhöfer wollte nun wissen was sich dort wirklich ereignet und fuhr – auf eigene Faust und eigenes Risiko – in den Irak um sich mit Freiheitskämpfern auszutauschen und veröffentlichte seine Erkenntnisse in dem Buch ‚Warum tötest Du, Zaid?’. Dabei stellte sich heraus dass viele der rund 100.000 Kämpfer [Al-Qaida und vom Iran gesteuerte schiitische Milizen repräsentieren nur eine Minderheit im Widerstand gegen die Amerikaner], die von 70% der irakischen Zivilbevölkerung unterstützt werden, nicht etwa politische oder religiöse Gründe für ihren Kampf haben, sondern persönliche. Ganz offensichtlich scheint es so zu sein das amerikanische Truppen unbewaffnete Zivilisten gezielt töten. Unabhängig davon ob sie von amerikanischen Stellungen aus beschossen oder aber mit schwerem Gerät angegangen werden. So berichtet der Autor etwa über einen Fall in dem ein US-Kampfhubschrauber grundlos ein Haus mit Raketen beschossen habe, in anderen Fällen erschossen US-Scharfschützen unbewaffnete Passanten auf der Strasse. Der im Buchtitel genannte Zaid verlor zwei seiner Brüder bei solchen ‚Schiessübungen’ der US-Truppen. Daneben gab es alleine im Jahre 2006 65 Vergewaltigungen in den von Amerikanern und ihren Vasallen geführten Frauengefängnissen. Das alles führt dazu dass die Angehörigen der Opfer sich dem Widerstand anschließen, der übrigens konfessions- und geschlechterübergreifend organisiert ist. Ein großer Teil der Anschläge auf die Zivilbevölkerung werden von Ausländern verübt. Bei 139 untersuchten Selbstmordanschlägen waren die Täter 18 Iraker, 53 Saudis, 8 Italiener, je 2 Belgier, Franzosen und Spanier und 1 Engländer. Besonders bizarr ist der Fall eines irakischen Übersetzers der für die Amerikaner gearbeitet hatte. Er wurde von seinem Mittelsmann angewiesen zu einem Marktplatz in Kirkuk zu fahren und sich von dort telefonisch zu melden. Da dem Iraker dieser Befehl etwas merkwürdig vorkam steuerte er sein Fahrzeug in eine abgelegene Gegend, verließ den Wagen und rief wie befohlen an. Kurz darauf wurde sein Auto von einer im Inneren versteckten Bombe zerrissen. Wie viele unfreiwillige ‚Attentäter’ standen | stehen wohl im amerikanischen Sold? Seit der ‚Befreiung’ durch die Amerikaner verloren 1,2 Millionen Iraker ihr Leben, 1,1 Million wurden verwundet oder bei Kampfhandlungen verletzt. Dabei stellt sich die Frage nach der Dunkelziffer, da der amerikanischen Soldateska niemand auf die Finger schaut. Das eigentlich erschreckende an diesen mörderischen Taten gegenüber der Zivilbevölkerung ist, dass sie oftmals von einfachen Soldaten begangen werden, nicht jeder Mord wurde ‚von Oben’ befohlen. Der Autor Jürgen Todenhöfer erklärt sich diese Einstellung in der weit verbreiteten ‚Prägung’ der westlichen Welt gegenüber Moslems, die von vielen als ‚minderwertig’ oder ‚rückständig’ angesehen werden, ein denken das sich seit der verheerenden Kolonialzeit [mit rund 50 Millionen toten ‚Schutzbefohlenen’ in aller Welt] nicht geändert hat. Erst wenn das Gegenüber mittels Propaganda ‚entmenschlicht’ wurde, werden brutale und perverse Übergriffe, Morde und Folterungen erst möglich. Das wird sich nur dann ändern wenn wir Moslems | muslimische Staaten als gleichwertige Partner akzeptieren und so behandeln wie wir behandelt werden wollen, dann wird auch eine Lösung der vom Westen verursachten Konflikte möglich sein. [Besprechung: Nostromo]. |
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12-03-2008Nordkorea hat besseres Image als die USA Streben nach militärischer Macht kommt bei den Bürgern weltweit nicht gut an. Da wundert es kaum, dass in einer Umfrage dem Iran ein schlechtes Image bescheinigt wird - andere Einschätzungen überraschen da schon mehr. Israel, der Iran und die USA haben nach einer BBC-Umfrage in weltweit 27 Staaten das schlechteste Image. Kanada, Japan und Frankreich kommen dagegen unter den zwölf zur Auswahl stehenden Ländern am besten weg, wie aus der am Dienstag veröffentlichten Studie hervorgeht. Nach der Einschätzung Deutschlands wurde nicht gefragt. Israel hat nach Meinung von 56 Prozent der gut 28.000 befragten Menschen einen schlechten Einfluss auf die Welt - und nur für 17 Prozent einen positiven. Den Iran sehen 54 Prozent negativ, die Vereinigten Staaten 51 Prozent. Damit liegen die USA noch hinter Nordkorea, denen 48 Prozent der Befragten Böses unterstellen. Kanada mit gutem Image Dagegen hat Kanada für 54 Prozent ein gutes Image. Auch der Einfluss der Europäischen Union wurde von 53 Prozent der Befragten als positiv eingestuft. «Es sieht so aus, als ob die Menschen weltweit dazu neigen, Länder negativ zu sehen, deren Profil vom Streben nach militärischer Macht geprägt ist», sagte Steven Kull von der University of Maryland, die die Untersuchung gemeinsam mit dem Meinungsforschungsinstitut Globescan durchführte. Bewertet wurden die Länder China, Frankreich, Großbritannien, Indien, Iran, Israel, Kanada, Japan, Nordkorea, Russland, die USA und Venezuela. Gefragt wurden jeweils 1000 Personen in Argentinien, Australien, Ägypten, Brasilien, Chile, China, Deutschland, Frankreich, Griechenland, Großbritannien, Indien, Indonesien, Italien, Kanada, Kenia, Libanon, Mexiko, Nigeria, Philippinen, Polen, Portugal, Russland, Südkorea, Türkei, Ungarn, USA und den Vereinigten Arabischen Emiraten. [Quelle] |
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11-03-2008Zahl der Menschen mit Migrationshintergrund gestiegen Die Zahl der Menschen in Deutschland mit Migrationshintergrund ist zwischen 2005 und 2006 auf über 15 Millionen gestiegen. Wie das Statistische Bundesamt in Wiesbaden mitteilte, habe damit ihr Anteil an der Gesamtbevölkerung auf 18,4 Prozent zugenommen. Gut die Hälfte hat den Angaben zufolge einen deutschen Pass. Die Bevölkerung mit Migrationshintergrund umfasst die seit 1950 nach Deutschland zugewanderten Menschen und deren Nachkommen. [Quelle] |
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11-03-2008Gladio Gladio [ital. vom Lateinischen gladius für Schwert] oder auch Stay-Behind-Organisation war der Name einer Geheimorganisation von NATO, CIA und des britischen MI6 während des Kalten Kriegs. Sie existierte von etwa 1950 bis mindestens 1990 und erstreckte sich über das damalige Westeuropa, Griechenland und die Türkei. Im Zuge der Aufdeckung von Gladio wurde 1990 bekannt, dass Teile der Organisation unter Mitwirkung von staatlichen Organen systematisch und zielgerichtet an gravierenden Terrorakten in mehreren europäischen Ländern beteiligt waren. Allgemein Ab Anfang der 1950er Jahre wurden besonders in Italien, aber auch in fast allen anderen westeuropäischen Ländern Agenten ausgebildet, die im Fall einer Besetzung des jeweiligen Landes durch Truppen des Warschauer Pakts Guerillaoperationen und Sabotage durchführen sollten [sogenannte „stay-behind”-Operationen]. Zu diesem Zweck wurden europaweit geheime, illegale Waffendepots angelegt. Die Mitglieder von Gladio rekrutierten sich unter anderem aus militärischen Spezialeinheiten, Geheimdienstkreisen und Rechtsextremisten, letztere teilweise mit kriminellem, in der Bundesrepublik Deutschland auch nationalsozialistischem Hintergrund. Die Einheiten wurden vermutlich nach Bekanntwerden der Operation und dem Zerfall der Sowjetunion 1990 aufgelöst, mangels präziser offizieller Stellungnahmen gilt dies aber nicht als gesichert. Die Existenz der Untergrund-Armeen wurde vor der Bevölkerung und den Parlamenten geheim gehalten und war in den einzelnen Ländern jeweils nur einem kleinen Kreis von Regierungsmitgliedern bekannt. In den einzelnen Ländern wurde die Anwerbung und Führung der Agenten meist von Unterabteilungen der jeweiligen nationalen Geheimdienste übernommen, in der Bundesrepublik Deutschland von einer eigenen Dienststelle des Bundesnachrichtendienstes. Die militärische Befehlsgewalt hatte die geheime Kommandostelle Allied Clandestine Committee im NATO-Hauptquartier SHAPE in Mons. Struktur Gladio war in voneinander unabhängige Zellen aufgeteilt, damit die Organisation während einer sowjetischen Besetzung nicht mit einem Schlag liquidiert werden konnte. Über weitere Details der Struktur existieren nur Spekulationen. Einer dieser Annahmen zufolge waren die jeweiligen Zellen einem bestimmten operativen Aufgabengebiet zugeordnet: zwölf dem Guerillakrieg, zehn der Sabotage und jeweils sechs Zellen der Spionage, der Propaganda sowie der Verbringung von Personen aus dem Besatzungsgebiet. Die Organisation bestand unklaren Quellen zufolge aus 622 Mitgliedern, 83% davon waren vor 1945 geboren. Im Umfeld der eigentlichen Mitglieder gab es einen größeren Kreis von möglichen Unterstützern für den Fall, dass Gladio hätte aktiv werden müssen. Ein großer Teil dieser möglichen Unterstützer rekrutierte sich aus rechtsgerichteten Bewegungen. Schätzungen gehen von bis zu 15.000 Personen aus. Ebenfalls nicht überprüfbar sind Angaben über die Anzahl der geheimen, meist unterirdischen Waffenlager. Eine dieser Angaben spricht von 138 Lagern mit meist umfangreichem Sortiment. Bei zwischen 1973 und 1990 vollzogenen Überprüfungen stellte sich heraus, dass aus zwei Lagern in der Nähe von Udine Schusswaffen und Sprengstoffe entwendet worden waren. Die verschwundenen Waffen wurden bislang nicht ausfindig gemacht und werden mit Anschlägen in Italien in Verbindung gebracht. Terror als politisches Instrument 1990 deckte der italienische Untersuchungsrichter Felice Casson nach Recherchen in den Archiven des Militärgeheimdienstes SISMI die Existenz von Gladio auf. Er konnte beweisen, dass Mitglieder des italienischen Militärgeheimdienstes SISMI, Neofaschisten und Teile des Gladio-Netzwerks von den 1960ern bis in die 1980er Jahre zahlreiche politisch motivierte Terroranschläge und Morde in Italien begangen hatten. Dabei hatte ein Netzwerk geheimdienstlicher Stellen durch Verbreitung von Falschinformationen und Fälschung von Beweisen dafür gesorgt, dass die Verbrechen linksextremen Terroristen zugeordnet wurden, vor allem den Roten Brigaden. Die Vorgehensweise zielte auf die Diskreditierung der in Italien traditionell starken Kommunistischen Partei [KPI] und wurde als Strategie der Spannung bekannt. Eine bis heute nicht vollständig aufgeklärte Rolle spielte dabei auch die Geheimloge Propaganda Due unter Licio Gelli. Der italienische Ministerpräsident Giulio Andreotti gab unter dem Druck der nachfolgenden parlamentarischen Untersuchung an, dass Gladio auch in zahlreichen anderen europäischen Ländern existierte, was einen europaweiten politischen Skandal auslöste. Dies führte zu parlamentarischen Anfragen in mehreren Ländern. In Italien, Belgien und der Schweiz kam es zu Untersuchungskommissionen. Das Europaparlament drückte nach einer Debatte am 22. November 1990 seinen scharfen Protest gegenüber der NATO und den beteiligten Geheimdiensten aus. Unabhängige Untersuchungen und Quellen Eine dreiteilige Fernsehdokumentation der BBC von 1992 ist eine der umfangreichsten Quellen für Informationen und Zeugenaussagen zu Gladio. Videomitschnitte der Sendungen sind auch im Internet verfügbar. Die bisher einzige länderübergreifende, unabhängige Untersuchung zu Gladio war ein Forschungsprojekt an der ETH Zürich. Der Historiker Dr. Daniele Ganser schrieb über die Ergebnisse: „Die Stay-behind-Armeen waren dem Volk, dem Parlament und den meisten Regierungsmitgliedern unbekannt und bildeten in ganz Westeuropa ein unsichtbares, koordiniertes, geheimes Sicherheitsnetz. In einigen Ländern, aber nicht in allen, mutierten die Sicherheitsnetze jedoch auch zu Terrorzellen. (...) Washington, London und der italienische militärische Geheimdienst befürchteten, dass der Einzug der Kommunisten in die [italienische] Regierung die Nato von innen heraus schwächen könnte. Um dies zu verhindern, wurde das Volk manipuliert: Rechtsextreme Terroristen führten Anschläge aus, diese wurden durch gefälschte Spuren dem politischen Gegner angelastet, worauf das Volk selber nach mehr Polizei, weniger Freiheitsrechten und mehr Überwachung durch die Nachrichtendienste verlangte.” Auf der Webseite des Forschungsprojekts sind eine Vielzahl von Dokumenten im Original einsehbar, darunter die Berichte der Untersuchungskommission. Die Forschungsergebnisse flossen in das Buch „NATO's Secret Armies: Operation Gladio and Terrorism in Western Europe” ein, das als einzige umfassende schriftliche Dokumentation zu Gladio gelten kann [2005]. Eine Kurzversion der Ergebnisse findet sich in dem Artikel „Nato-Geheimarmeen und ihr Terror” der Schweizer Tageszeitung „Der Bund”, eine ausführlichere Darstellung liefert der 28-seitige Artikel „Terrorism in Western Europe: An Approach to NATO’s Secret Stay-Behind Armies” aus der Zeitschrift „The Whitehead Journal of Diplomacy and International Relations”. Die Veröffentlichung der Forschungsergebnisse im Jahr 2004 war Anlass für zahlreiche Presseartikel, unter anderem in der „Neuen Zürcher Zeitung” [NZZ] und in „Der Spiegel”. Verurteilung durch das Europäische Parlament Das Europäische Parlament drückte nach einer Debatte am 22. November 1990 seinen "entschiedenen Protest" gegenüber der NATO und den beteiligten Geheimdiensten aus. Während die nationalen Regierungen der europäischen Länder sich überwiegend sehr zurückhaltend verhielten, war der Wortlaut der Entschließung ungewöhnlich direkt. Die Forderungen nach Aufklärung durch staatliche Untersuchungsausschüsse sind bis heute [2007] in der großen Mehrzahl der EU-Länder nicht umgesetzt worden, mit Ausnahme von Belgien, Italien und dem Nicht-EU-Mitglied Schweiz. Das Europäische Parlament A. in der Erwägung der Eröffnung mehrerer europäischer Regierungen, daß seit vierzig Jahren in mehreren Mitgliedstaaten der Gemeinschaft eine geheime Organisation für Nachrichtenübermittlung und bewaffnete Aktionen existiert, B. in der Erwägung, daß diese Organisation sich seit mehr als vierzig Jahren jeglicher demokratischer Kontrolle entziehen konnte und daß sie von den Geheimdiensten der betreffenden Staaten in Zusammenarbeit mit der NATO geleitet wurde, C. besorgt über die Gefahr, daß diese Geheimnetze illegal in das politische Leben der Mitgliedstaaten eingreifen konnten bzw. heute noch eingreifen können, D. unter Hinweis ferner darauf, daß militärische Geheimdienste (oder von den Diensten nicht kontrollierte Geheimdienstzweige) in bestimmten Mitgliedsländern mit schwerwiegenden Terrorakten und Verbrechen in Verbindung gebracht werden, wie in mehreren gerichtlichen Ermittlungen erwiesen werden konnte, E. in der Erwägung, daß derartige Organisationen außerhalb jeglicher Legalität operiert haben und operieren, da keinerlei parlamentarische Kontrolle über sie ausgeübt werden kann, und daß ferner die höchsten Regierungs- und Verfassungspersönlichkeiten der verschiedenen Länder mehrfach behauptet haben, sie seien über diese Vorgänge nicht informiert, F. in der Erwägung, daß sich die verschiedenen Abteilungen von „GLADIO” aus militärischen Arsenalen und Strukturen versorgen, die autonom sind und somit eine unbekannte und für die demokratischen Strukturen der Länder, in denen sie operieren oder operiert haben, gefährliche Angriffskapazität beinhalten, G. höchst beunruhigt darüber, daß zu einem Zeitpunkt, an dem nachdrücklich eine Verstärkung der Gemeinschaftszusammenarbeit im Sicherheitsbereich befürwortet wird, Entscheidungszentren und Einsatzgruppen auftauchen, die jeglicher demokratischer Kontrolle entzogen und darüber hinaus noch geheim sind, 1. verurteilt die Einrichtung von geheimen Organisationen zwecks Einflußnahme und Durchführung von Aktionen, und fordert daß Charakter, Organisation, Zweck und sonstige Aspekte dieser Geheimstrukturen, sowie eventuelle Mißbräuche, und ihre Nutzung für illegale Eingriffe in das innenpolitische Leben der betroffenen Länder voll aufgeklärt werden, was auch für die Terroraktivität in Europa und die eventuelle Komplizenschaft der Geheimdienste der Mitgliedstaaten oder dritter Länder gilt; 2. protestiert entschieden dagegen, daß sich bestimmte amerikanische Militärkreise des SHAPE und der NATO das Recht angemaßt haben, in Europa eine geheime Infrastruktur zur Übermittlung von Nachrichten und Durchführung von Aktionen zu schaffen; 3. fordert von den Regierungen der Mitgliedstaaten die Auflösung aller militärischen und paramilitärischen Geheimstrukturen; 4. fordert die Justizbehörden der Länder, in denen solche militärischen Einheiten existieren, auf, deren reale Existenz und Tätigkeit aufzuklären, und fordert die Richter auf, insbesondere zu prüfen, welche Rolle sie gegebenenfalls bei der Destabilisierung der demokratischen Strukturen der Mitgliedstaaten gespielt haben; 5. fordert die Mitgliedstaaten auf, die erforderlichen Maßnahmen zu ergreifen, gegebenenfalls im Rahmen eines parlamentarischen Untersuchungsausschusses, um eine komplette Bestandsaufnahme der auf diesem Gebiet tätigen Organisationen zu erstellen, gleichzeitig ihre Verbindung zu den jeweiligen Geheimdiensten und zu den terroristischen Aktionsgruppen und/oder ihre Affinität mit anderen illegalen Praktiken zu überprüfen; 6. fordert den Ministerrat auf, ausführlich Informationen über die Arbeitsweise dieser geheimen Nachrichtendienste und Aktionsgruppen zu erteilen; 7. fordert seinen Politischen Ausschuß auf, die Zweckmäßigkeit von Abhörungen zur Klärung der Rolle und der Tragweite des Unternehmens „Gladio” und etwaiger ähnlicher Strukturen zu prüfen; 8. beauftragt seinen Präsidenten, diese Entschließung der Kommission, dem Rat, dem Generalsekretär der NATO sowie den Regierungen der Mitgliedstaaten und der Vereinigten Staaten zu übermitteln. Gladio-Operationen in den verschiedenen Staaten Italien: In Italien wurde Gladio zwecks Verhinderung einer Regierungsteilnahme der Kommunistischen Partei Italiens aktiv, die zeitweilig die stärkste Partei im italienischen Parlament war. Mitglieder des italienischen Militärgeheimdienstes SISMI, Neofaschisten und Teile des Gladio-Netzwerks waren Urheber zahlreicher Terroranschläge, die zwischen 1967 und 1985 verübt wurden. Behörden betrieben die Diffamierung linksradikaler Personen und Gruppierungen als Verantwortliche für die Taten, indem Beweismittel gefälscht wurden. Durch die Empörung der Öffentlichkeit über die Anschläge sollte die in Italien traditionell starke Kommunistische Partei geschwächt werden. Dies stellte den Höhepunkt einer bereits in den 1950er Jahren mit der Verdeckten Operation Demagnetize der CIA begonnenen Strategie dar. In diesem Zusammenhang ist auch die in Gerichtsverfahren festgestellte Verbindung zu der Geheimloge Propaganda Due [P2] relevant. Das wegen Mordes verurteilte Gladio- und Ordine Nuovo-Mitglied Vincenzo Vinciguerra prägte für die gemeinsame Strategie hinter den Verbrechen den Begriff Strategie der Spannung. Einer der schlimmsten Terroranschläge war der Bombenanschlag auf den Hauptbahnhof von Bologna mit 85 Toten und 200 Verletzten im Jahr 1980. Die rechtsextremistischen Nuclei Armati Rivoluzionari-Mitglieder Valerio Fioravanti und Francesca Mambro wurden 1995 für diese Tat vor Gericht gestellt und verurteilt. Im gleichen Prozess wurden der Propaganda Due-Gründer Licio Gelli und zwei Mitarbeiter des Militärgeheimdienstes SISMI wegen Behinderung der Ermittlungen zu langjährigen Haftstrafen verurteilt. Die Roten Brigaden waren laut einer Untersuchung des italienischen Parlaments von Gladio-Mitgliedern unterwandert, unter anderem in Person des Fallschirmjägers Francesco Marra. Es gibt in diesem Zusammenhang Hinweise auf eine Beteiligung von Gladio-Mitgliedern an der Entführung und Ermordung des italienischen Spitzenpolitikers Aldo Moro, siehe dazu ebenfalls Rote Brigaden. Deutschland: Eine Verbindung von Gladio-Mitgliedern zum Bombenanschlag auf das Münchener Oktoberfest 1980 ist nicht bewiesen, wird aber nach neueren Forschungsergebnissen durch die damaligen Ermittlungen der Staatsanwaltschaft zumindest nahegelegt. Tod zweier Zeugen Raymund Hörnle und Sibylle Vorderbrügge waren Mitglieder der rechtsextremen terroristischen Vereinigung Deutsche Aktionsgruppen. Sie hatten bereits einen Tag nach dem Oktoberfestattentat ausgesagt, dass der Rechtsextremist Heinz Lembke ihnen Waffen, Sprengstoff und Munition angeboten und von umfangreichen Waffendepots erzählt habe. Diesem Hinweis ging die Staatsanwaltschaft jedoch erst nach, als Waldarbeiter ein knappes Jahr später durch Zufall eines der Depots entdeckten. Lembke offenbarte im Untersuchungsgefängnis die Lage seiner 33 illegalen Waffen- und Sprengstoffdepots, deren Entdeckung bei Uelzen in der Lüneburger Heide 1981 ein breites Medienecho fand: Sie enthielten unter anderem automatische Waffen, 14.000 Schuss Munition, 50 Panzerfäuste, 156 kg Sprengstoff und 258 Handgranaten. Die Menge und Qualität der gefundenen militärischen Ausrüstung deuten laut Daniele Ganser auf eine Verbindung Lembkes zu Gladio hin. Dies wurde jedoch nicht geklärt, da Lembke am 1. November 1981, einen Tag vor seiner Vernehmung durch einen Staatsanwalt, erhängt in seiner Gefängniszelle aufgefunden wurde. Er hatte zuvor angekündigt, umfangreiche Erklärungen über seine Hintermänner abzugeben. Die Ermittlungen in dieser Richtung wurden bald nach seinem Tod eingestellt und Lembke als Einzelgänger dargestellt, der die Waffendepots aufgrund seiner Furcht vor einer sowjetischen Invasion angelegt habe. Die Verbindungen zum Oktoberfestattentat wurden nach seinem Tod nicht weiter verfolgt. Die SPD-Bundestagsabgeordnete und Vorsitzende des Rechtsausschusses Herta Däubler-Gmelin stellte 1981 eine parlamentarische Anfrage über die Zusammenhänge zwischen dem Fall Lembke und dem Oktoberfest-Attentat. Die Antwort von Andreas von Schoeler, damals Staatssekretär im Bundesinnenministerium, war: „Es besteht keine Verbindung”. Einen der Hinweise auf die Beteiligung weiterer Personen, neben dem später als Einzeltäter bezeichneten Gundolf Köhler, lieferte der Zeuge Frank Lauterjung. Er hatte bei seiner Vernehmung angegeben, dass Köhler kurz vor der Explosion gegenüber dem Haupteingang mit zwei Männern diskutiert habe. Lauterjung wurde anfangs von den Ermittlern als sehr glaubwürdig eingestuft, weil er zahlreiche weitere nachprüfbare Details genau beschrieb. Kurz nach dieser Aussage sagte der spätere Hauptzeuge aus, der aus Köhlers Heimatort Donaueschingen kam. Seine Aussage stützte maßgeblich die Version, nach der Köhler als Einzeltäter gehandelt habe. Nachdem die Ermittler in der Folge mehrfach versucht hatten, Lauterjung zu einer Änderung seiner Aussage zu bewegen, starb er einige Wochen später im Alter von 36 Jahren an Herzversagen. Eine Untersuchung, ob sein Tod mit dem Attentat in Verbindung stehen könnte, verlief ergebnislos. Das offizielle Ermittlungsergebnis nannte Gundolf Köhler als Einzeltäter, der aus sozialer Vereinsamung und Verbitterung gehandelt habe. Der ehemalige BND-Mitarbeiter Norbert Juretzko beschreibt in seinem 2004 erschienenen Buch „Bedingt dienstbereit” detailliert seine Arbeit beim Aufbau und Erhalt des deutschen Stay-Behind-Netzwerks. Schweiz In der Schweiz bestand bis mindestens 1990 eine Geheimarmee. Sie hatte den Tarnnamen P-26 [Projekt 26], unterhielt geheime Waffenlager und bildete Schweizer Militärangehörige zu Guerrillakämpfern aus. Es ist ungeklärt, ob sie in das Gladio-Netzwerk eingebunden war, diese Vermutung wurde allerdings häufig geäußert. Die Existenz der P-26 wurde 1990 von der parlamentarischen Untersuchungskommission [PUK-EMD] zur Fichenaffäre aufgedeckt. Der selbsternannte Zeuge Oberstleutnant Herbert Alboth, ein früheres Mitglied des Spezialdienstes, eines geheimen Armeestabsteils der Untergruppe Nachrichtendienst und Abwehr [UNA], bot der Kommission an, die "ganze Wahrheit" aufzudecken. Er wurde kurz vor seiner Aussage tot in seiner Berner Wohnung gefunden, erstochen mit dem eigenen Armee-Bajonett. Die sichergestellten geheimen Unterlagen [alte Schulungs- und Kursunterlagen, Adresslisten von Ehemaligen des Spezialdienstes etc.], für die die unbekannten Täter keinerlei Interesse gezeigt hatte, sowie weitere Tatbestände sprachen gegen die Annahme eines Zusammenhanges zwischen der Tat und der ehemaligen Tätigkeit des Opfers. Die Untersuchungsbehörde vermutete ein Beziehungsdelikt. Alboth war kein Mitglied der P-26. Der Bericht der Kommission [Cornu-Bericht] ist bis heute als geheim eingestuft und wurde nur gekürzt veröffentlicht, da befürchtet wird, dass die Veröffentlichung des gesamten Berichtes „die guten Beziehungen der Schweiz zu anderen Staaten gefährden würde”. Viele Einzelheiten über P-26 sind daher bis heute unbekannt oder sehr fraglich. Türkei In der Türkei wird seit langem darüber spekuliert, ob Gladio Mitglieder aus dem Umfeld der Grauen Wölfe hatte. Dabei wird die Möglichkeit diskutiert, ob die einflussreichen Rechtsextremisten Abdullah Catli und Mehmet Ali Agca, der 1981 auf den Papst geschossen hat, Gladio in der Türkei vertreten haben. Der Journalist Soner Yalçın schreibt in seiner Biographie über Abdullah Catli [Reis: Gladyo'nun Tetikçisi], dass Catli Befehle von Gladio ausgeführt und aktiv Straßenkämpfe sowie die Ausbildung von jungen Anhängern für den Kampf gegen Linksradikale organisiert habe. Offizielle Darstellung und Untersuchungen Der Bevölkerung wurde Gladio erstmals bekannt, als der damalige italienische Ministerpräsident Giulio Andreotti am 3. August 1990 im Rahmen einer Parlamentsanfrage öffentlich die Existenz auch einer „Operation Gladio” des militärischen Geheimdienstes SISMI bestätigte. Im Oktober desselben Jahres gab er unter dem Druck der an die Öffentlichkeit gekommenen Briefe des von den Roten Brigaden entführten und ermordeten Politikers Aldo Moro zu, dass die Operation Gladio, entgegen seiner ursprünglichen Aussagen, noch bis in die späten 70er Jahre lief und dass die NATO maßgeblich an der illegalen Operation beteiligt war. Es folgte eine Reihe von Dementis der Regierungen anderer europäischer Länder. In der Schweiz, Belgien und Italien fanden Anfang der 1990er Jahre parlamentarische Untersuchungen zu Gladio statt. Deutschland: In Deutschland zeigte die SPD anfänglich reges Interesse an einer Aufklärung. Dieses ebbte rasch ab, als klar wurde, dass bei einer gründlichen Aufarbeitung der Affäre auch ehemalige SPD-Regierungsmitglieder unter Druck geraten wären. Daher stellten nur die Grünen eine parlamentarische Anfrage. Die Bundesregierung antwortete sinngemäß mehrdeutig, dass ihr keinerlei Kenntnisse über aktuelle Aktivitäten von Gladio in Deutschland vorlägen bzw. dass diese spätestens 1972 eingestellt worden seien. Schweiz: In der Schweiz wurde im November 1990 eine umfangreiche Untersuchung über die stay-behind Geheimarmee P-26 veröffentlicht. Anschließend wollten Schweizer Parlamentarier wissen, ob die Schweizer stay-behind Geheimarmee P-26 so wie die italienische Geheimarmee Gladio ein Teil des NATO-Netzwerks war. Der Untersuchungsbericht über die Beziehungen der P26 zum Ausland ["Cornu-Bericht"] wurde nur in gekürzter Fassung veröffentlicht. Die komplette Version ist bis heute geheim, weil die Veröffentlichung "die guten Beziehungen der Schweiz zu anderen Staaten gefährden würde". Der Schweizer Oberstleutnant Herbert Alboth, Mitglied der Geheimarmee, hatte 1990 vor der parlamentarischen Untersuchungskommission angekündigt, dass er alle seine Unterlagen und Informationen über die P-26, die Schweizer Gladio-Gruppe, übergeben wolle. Kurz vor seiner Aussage wurde er ermordet in seiner Berner Wohnung gefunden, erstochen mit seinem eigenen Armee-Bajonett. Es ist bis heute nicht bekannt, ob Gladio nach dem Ende des Kalten Kriegs vollständig eingestellt wurde und was mit der gelagerten Ausrüstung passiert ist. Zitate Man musste Zivilisten angreifen, Männer, Frauen, Kinder, unschuldige Menschen, unbekannte Menschen, die weit weg vom politischen Spiel waren. Der Grund dafür war einfach. Die Anschläge sollten das italienische Volk dazu bringen, den Staat um größere Sicherheit zu bitten. (...) Diese politische Logik liegt all den Massakern und Terroranschlägen zu Grunde, welche ohne richterliches Urteil bleiben, weil der Staat sich ja nicht selber verurteilen kann. [Vincenzo Vinciguerra, 1990 wegen Mordes an drei Carabinieri verurteilter Rechtsextremist und Gladio-Mitglied] Lange habe ich darum gekämpft, um endlich zu erfahren, wer oder welche [Attentäter] es wirklich waren. Ich musste jedoch lernen, dass man mir darauf nie eine ehrliche Antwort geben wird. (...) Ich habe die Erfahrung gemacht, dass man sich nur Ärger einhandelt, wenn man insistiert. [Ignaz Platzer, Vater von zwei kleinen Kindern, die zusammen mit elf weiteren Menschen beim Bombenattentat auf das Münchener Oktoberfest 1980 starben] Ich bin ins Gefängnis gegangen, weil ich die Existenz dieser supergeheimen Organisation nicht enthüllen wollte. Und jetzt kommt Andreotti und erzählt es dem Parlament! [General Vito Miceli, ehemaliger Chef des italienischen Militärgeheimdienstes Servizio Informazioni Difesa und NATO-Funktionär, nachdem der italienische Ministerpräsident Giulio Andreotti öffentlich die Existenz von Gladio bestätigt hatte] Terror eignet sich mehr als irgendeine andere militärische Strategie dazu, die Bevölkerung zu manipulieren. [Daniele Ganser, 2005] [Quelle] |
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10-03-2008136 Todesopfer rechtsextremer Gewalt [1990-2005] Mindestens 136 Menschen mussten seit dem Mauerfall ihr Leben lassen, weil Rechtsextreme sie oft auf brutalste Weise getötet haben. Nachfolgend eine Dokumentation ihrer Schicksale, die 135 dokumentierte Fälle bis Ende 2005 aufzählt. Angfügt sind die Ergänzungen der Mut-Redaktion seitdem. Das Foto zeigt Amadeu Antonio Kiowa, der 1990 in Eberswalde von Neonazis ermordet wurde. Diese Zusammenstellung der Todesopfer rechtesextremer Gewalt von 1990 bis Januar 2004 entstand zu der Wanderausstellung "Opfer rechter Gewalt seit 1990" der Künstlerin Rebecca Forner und der Opferperspektive e.V. und wurde uns freundlicherweise zur Verfügung gestellt. Mehr zu den Quellen und Kriterien der Zusammenstellung unter den Fällen. Mahmud Azhar, 40 Jahre: Am 7. Januar 1990 wurde er auf dem Heimweg von der Freien Universität Berlin von einem Mann mit ausländerfeindlichen Parolen beschimpft und bedroht. Als er sich in ein Gebäude der Universität flüchtete, um Hilfe zu rufen, schlug ihm der Angreifer einen Feuerlöscher auf den Kopf. Am 6. März 1990 erlag er seinen Verletzungen. Andrzej Fratczak: Am 7. Oktober 1990 wurde er bei einem Überfall durch drei Jugendliche vor einem Nachtclub in Lübbenau (Brandenburg) totgeschlagen und -getreten. Amadeu Antonio Kiowa, 28 Jahre: Am 25. November 1990 wurde er in Eberswalde (Brandenburg) bei einem Angriff von 60 Rechtsextremisten auf Afrikaner vor einem Gasthof mit Knüppeln ins Koma geprügelt. Er starb elf Tage später. Klaus-Dieter Reichert, 24 Jahre: Am 11. Dezember 1990 wurde er in seiner Wohnung in Berlin-Lichtenberg von drei Skinheads, die beauftragt waren, Schulden einzutreiben, zusammengeschlagen. In Panik sprang er aus dem Fenster, fiel zehn Stockwerke tief und starb. Nihad Yusufoglu, 17 Jahre: Er wurde am 28. Dezember 1990 in Hachenburg (Rheinland-Pfalz) von einem gleichaltrigen Skinhead mit einem Messerstich ins Herz getötet. Obdachloser, 31 Jahre: Er wurde am 31. Dezember 1990 in Flensburg (Schleswig-Holstein) von jugendlichen Skinheads zusammengeschlagen und -getreten. Er starb sechs Tage später an seinen Verletzungen. Alexander Selchow, 21 Jahre, Bundeswehrsoldat: Am 31. Dezember 1990 wurde er in Rosdorf (Niedersachsen) von zwei 18-jährigen Skinheads, die der FAP (Freiheitliche Deutsche Arbeiterpartei) angehören, mit mehreren Messerstichen erstochen. Jorge Gomondai, 28 Jahre: Am 31. März 1991 wurde er in Dresden (Sachsen) während einer Auseinandersetzung mit Skinheads aus einer fahrenden Straßenbahn gestoßen oder aus Angst dazu gezwungen, aus der Bahn zu springen. Er starb an seinen schweren Kopfverletzungen. Matthias Knabe, 23 Jahre: Am 8. Mai 1991 wurde der Punk in Gifhorn (Niedersachsen) von 15 Skinheads angegriffen, zur Bundesstraße 4 getrieben und von einem Auto angefahren. Er starb am 4. März 1992 an seinen Hirnverletzungen. Helmut Leja, 39 Jahre, Obdachloser: Am 4. Juni 1991 wurde er in einem Waldstück bei Käsdorf (Niedersachsen) von einem jugendlichen Skinhead, der ihn als »Abschaum« bezeichnet hatte, erstochen. Agostinho Comboio, 34 Jahre: Am 16. Juni 1991 wurde er in Friedrichshafen (Baden-Württemberg) von einem Rechtsextremisten verprügelt und erstochen. Samuel Kofi Yeboah, 27 Jahre: Am 19. September 1991 verbrannte er in einem Asylbewerberheim in Saarlouis (Saarland), auf das ein Brandanschlag verübt worden war. Gerd Himmstädt, 30 Jahre: Am 1. Dezember 1991 wurde er von sieben Jugendlichen in Hohenselchow (Brandenburg) mit Baseballschlägern so schwer verprügelt, dass er drei Tage später an seinen Verletzungen starb. Timo Kählke, 29 Jahre: Er wurde am 12. Dezember 1991 in Meuro (Brandenburg) von Mitgliedern einer Wehrsportgruppe erschossen, als diese sein Auto für einen geplanten Überfall stehlen wollten. Dreiköpfige Familie aus Sri Lanka: Sie starben am 31. Januar 1992 bei einem Brandanschlag auf ihre Flüchtlingsunterkunft in Lampertheim (Hessen). Dragomir Christinel, 18 Jahre, Asylbewerber: Er wurde am 15. März 1992 bei einem Überfall von 25 Skinheads auf ein Asylbewerberheim in Saal (Mecklenburg-Vorpommern) aus Rache für eine Auseinandersetzung zwischen Deutschen und Rumänen zu Tode geprügelt. Gustav Schneeclaus, 52 Jahre, Seemann: Weil er Hitler als »großen Verbrecher« bezeichnet hatte, wurde er am 18. März 1992 in Buxtehude (Niedersachsen) von Skinheads so schwer misshandelt, dass er an den Folgen seiner Verletzungen starb. Ingo Finnern, 31 Jahre, Obdachloser: Nachdem er sich gegenüber einem Skinhead als Sinto zu erkennen gegeben hatte, wurde er am 19. März 1992 in Flensburg (Schleswig-Holstein) von diesem ins Hafenbecken gestoßen und ertrank. Erich Bosse: Er kam am 4. April 1992 bei einem Brandanschlag auf ein Asylbewerberheim in Hörstel (Nordrhein-Westfalen) ums Leben. Nguyen Van Tu, 24 Jahre: Am 24. April 1992 wollte er zwei vietnamesischen Freunden helfen, die in Berlin-Marzahn von einer Gruppe rechter Jugendlicher verprügelt wurden. Er wollte mit den Jugendlichen diskutieren und wurde dabei von einem von ihnen mit einem Messer erstochen. Thorsten Lamprecht, 23 Jahre: Am 9. Mai 1992 wurde er in Magdeburg (Sachsen-Anhalt) bei einem Überfall von 60 Skinheads auf eine Punk-Fete mit Baseballschlägern getötet. Emil Wendtland, 50 Jahre, Obdachloser: Er wurde am 1. Juli 1992 von drei Skinheads, die sich zum »Penner klatschen« verabredet hatten, im Rosengarten von Neuruppin (Brandenburg) zusammengeschlagen und anschließend erstochen. Sadri Berisha, 56 Jahre: Am 8. Juli 1992 wurde der Kosovo-Albaner von sieben Skinheads, die »Polacken klatschen« wollten, bei einem Angriff auf seine Unterkunft in Ostfildern-Kemnat (Baden-Württemberg) mit einem Baseballschläger ermordet. Dieter Klaus Klein, 49 Jahre, Obdachloser: Weil er sich über den Lärm und die »Sieg Heil«-Rufe beschwert hatte, wurde er am 1. August 1992 im Stadtpark von Bad Breisig (Rheinland-Pfalz) von zwei Skinheads zusammengetreten und danach mit einem Kampfmesser erstochen. Ireneusz Szyderski, 24 Jahre, Erntehelfer: Nach dem Besuch eines Diskozeltes am 3. August 1992 in Stotternheim (Thüringen) wurde er beim Versuch, das Gelände über den Zaun zu verlassen, von drei Ordnern, die der Skinheadszene angehörten, so schwer verprügelt, dass er an den Verletzungen an Kopf und Rücken starb. Frank Bönisch, 35 Jahre, Obdachloser: Er starb am 24. August 1992, als ein 23-jähriger Skinhead auf dem Zentralplatz in Koblenz (Rheinland-Pfalz) die gesamte Munition seiner Smith&Wesson auf eine Gruppe Obdachloser, Punks und Drogenabhängiger abfeuerte. Günter Schwannecke, 58 Jahre, Obdachloser: Am 29. August 1992 wurden er und ein weiterer Obdachloser auf einer Parkbank in Berlin-Charlottenburg von einem Mitglied des Ku-Klux-Klan mit einem Baseballschläger zusammengeschlagen. Er erlag am 5. September 1992 seinen Verletzungen. Waltraud Scheffler, Aushilfskellnerin: Sie versuchte, bei einem Überfall von Neonazis auf ein Lokal in Geierswalde (Sachsen) am 11. Oktober 1992 auf die mit »Sieg Heil«-Rufen Eindringenden einzureden und wurde dabei mit einer Holzlatte auf den Kopf geschlagen. An ihren schweren Verletzungen starb sie 13 Tage später. Rolf Schulze, 52 Jahre, Obdachloser: Am 7. November 1992 wurde er bei Lehnin (Brandenburg) von zwei Skinheads getreten, geschlagen, mit einer Propangasflasche verprügelt und mehrmals im Kölpinsee untergetaucht. Seine Leiche wurde mit Benzin übergossen und angezündet. Karl-Hans Rohn, 53 Jahre, Metzger: Am 13. November 1992 wurde er in Wuppertal (Nordrhein-Westfalen) in einem Lokal von zwei Rechtsextremisten geschlagen, angezündet und erstickt, nachdem er sich als Jude ausgegeben hatte. Silvio Meier, 27 Jahre, Drucker: Er gehörte zu einer Gruppe von vier Linken, die am 21. November 1992 in Berlin in eine Auseinandersetzung mit fünf Neonazis gerieten, als sie einen von ihnen aufforderten, den Aufnäher »Ich bin stolz, ein Deutscher zu sein« abzunehmen. Zwei der Begleiter Silvio Meiers wurden schwer verletzt, er selbst mit Stichen in die Lunge getötet. Bahide Arslan, 51 Jahre: Am 22. November 1992 verbrannte sie in Mölln (Schleswig-Holstein) bei einem durch Neonazis verübten Brandanschlag auf ein Haus, das von aus der Türkei stammenden Familien bewohnt wurde. Ayse Yilmaz, 14 Jahre: Am 22. November 1992 verbrannte sie in Mölln (Schleswig-Holstein) bei einem durch Neonazis verübten Brandanschlag auf ein Haus, das von aus der Türkei stammenden Familien bewohnt wurde. Yeliz Arslan, 10 Jahre: Am 22. November 1992 verbrannte sie in Mölln (Schleswig-Holstein) bei einem durch Neonazis verübten Brandanschlag auf ein Haus, das von aus der Türkei stammenden Familien bewohnt wurde. Hans-Jochen Lommatsch, 51 Jahre, Baumaschinist: Er wollte am 18. Dezember 1992 in Oranienburg (Brandenburg) nach seinem Auto sehen, als er von zwei Skinheads angegriffen und von einem der beiden mit Tritten und Faustschlägen getötet wurde. Sahin Calisir, 20 Jahre: Er wurde am 27. Dezember 1992 auf der Autobahn 57 bei Meersbusch (Nordrhein-Westfalen) von einem Rechtsradikalen mit dem Auto verfolgt und gerammt. Aus Angst verließ Sahin Calisir seinen Wagen, wurde von einem vorbeifahrenden Auto überfahren und starb. Karl Sidon, 45 Jahre, Parkwächter: Am 18. Januar 1993 geriet er in Arnstadt (Thüringen) mit rechten Jugendlichen, mit denen er schon mehrfach Auseinandersetzungen gehabt hatte, in Streit und wurde bewusstlos geschlagen. Danach zogen ihn die Jugendlichen auf die Straße, wo er von vorbeifahrenden Autos überfahren wurde. Er starb im Krankenhaus. Mario Jödecke, 23 Jahre: Am 24. Januar 1993 kam es in Schlotheim (Thüringen) vor einer Pizzeria während eines »Heavy-Metal-Abends« zu einer Schlägerei zwischen einer Gruppe linker Punks und einer Gruppe rechter Heavy Metals. Im Verlauf der Schlägerei vor dem Haus wurde Mario Jödecke, der mit einem Baseballschläger bewaffnet war, von einem 17-jährigen Skin durch einen Messerstich ins Herz getötet. Mike Zerna, 22 Jahre: Er wurde am 19. Februar 1993 in Hoyerswerda (Sachsen) bei einem Überfall von rechten Skinheads auf linke Jugendliche zusammengeschlagen. Danach kippten die Skinheads einen Wagen auf den am Boden liegenden Mike Zerna. Er starb sechs Tage später an seinen Verletzungen. Mustafa Demiral, 56 Jahre: Am 9. März 1993 wurde der Herzkranke in Mülheim/Ruhr (Nordrhein-Westfalen) von zwei Deutschen angepöbelt. Als er sich zur Wehr setzte, zielten sie mit einer Gaspistole auf seinen Kopf. Mustafa Demiral brach zusammen und starb kurz darauf an einem Herzanfall. Matthias Lüders, 23 Jahre, Wehrpflichtiger: Bei einem Überfall von 40 rechten Skinheads auf eine Diskothek in Obhausen (Sachsen-Anhalt) am 24. April 1993 erhielt er zwei Schläge auf den Kopf und erlag zwei Tage später seinen Verletzungen. Belaid Baylal 42 Jahre, Asylbewerber: Am 4. November 2000 starb er an den Spätfolgen eines Angriffs zweier Skinheads am 8. Mai 1993 in einer Gaststätte in Belzig (Brandenburg). Er wurde beschimpft, geprügelt und musste mit lebensgefährlichen Verletzungen am Dünndarm ins Krankenhaus eingeliefert werden. Er starb am dritten Darmverschluss. Gürsün Inçe, 27 Jahre: Sie starb am 29. Mai 1993 bei einem Brandanschlag auf das von der Familie Genç bewohnte Haus in Solingen (Nordrhein-Westfalen). Hatice Genç, 18 Jahre: Sie starb am 29. Mai 1993 bei einem Brandanschlag auf das von der Familie Genç bewohnte Haus in Solingen (Nordrhein-Westfalen). Hülya Genç, 9 Jahre: Sie starb am 29. Mai 1993 bei einem Brandanschlag auf das von der Familie Genç bewohnte Haus in Solingen (Nordrhein-Westfalen). Saime Genç, 4 Jahre: Sie starb am 29. Mai 1993 bei einem Brandanschlag auf das von der Familie Genç bewohnte Haus in Solingen Nordrhein-Westfalen). Gülüstan Öztürk, 12 Jahre: Sie starb am 29. Mai 1993 bei einem Brandanschlag auf das von der Familie Genç bewohnte Haus in Solingen Nordrhein-Westfalen). Horst Hennersdorf, 37 Jahre, Obdachloser: Am 5. Juni 1993 wurde er in Fürstenwalde (Brandenburg) von zwei jungen Rechtsextremisten zu Tode gequält. Mehrere Zeugen beobachteten die Tat ohne einzuschreiten. Obdachloser, 33 Jahre: Der Schlafende wurde am 16. Juli 1993 in Marl (Nordrhein-Westfalen) als »Judensau« beschimpft und von einem rechten Skinhead mit Schlägen und Tritten bewusstlos geschlagen. Er starb drei Monate später, ohne das Bewusstsein wieder zu erlangen. Hans-Georg Jakobson, 35 Jahre: Am 28. Juli 1993 wurde der Schlafende von drei rechten Skinheads in einer S-Bahn nahe Strausberg (Brandenburg) geschlagen und getreten. Anschließend warfen sie ihn aus der fahrenden S-Bahn. Er starb an seinen Verletzungen. Michael Gäbler, 18 Jahre: Am 19. November 1993 kam es in einem Zittauer Jugendklub (Sachsen) während einer Party zu einem Streit mit einem Gast, der auf Grund nationalistischer Sprüche Hausverbot erteilt bekam. Gäbler und ein Begleiter führten danach eine verbale Auseinandersetzung mit ihm, 150 Meter vom Klubhaus entfernt. Als sich der Begleiter zum Gehen abwandte, stach der bekennende Nazi mehrmals auf Gäbler ein, der an den schweren Verletzungen starb. Kolong Jamba, 19 Jahre, Asylbewerber: Er wurde am 7. Dezember 1993 im Eilzug von Hamburg nach Buchholz (Niedersachsen) von einem 54-jährigen Deutschen durch einen Messerstich in den Bauch tödlich verletzt, weil sich dieser durch den Asylbewerber gestört fühlte. Klaus R., 43 Jahre: Er geriet am 28. Mai 1994 mit einer Gruppe von sechs Skinheads, die eine Wohnung in einem Leipziger Mietshaus (Sachsen) besetzt hatten, in Streit und wurde von diesen zu Tode geprügelt. Beate Fischer, 32 Jahre, Prostituierte: Am 23. Juli 1994 wurde sie von drei Skinheads getötet und vor die Mülltonnen eines Hauses in Berlin-Reinickendorf gelegt. Sie war den Tätern zunächst freiwillig gefolgt, wollte nach einer Misshandlung jedoch gehen. Daraufhin wurde sie mehrfach vergewaltigt und anschließend erwürgt. Jan W., 45 Jahre, Bauarbeiter: Am 26. Juli 1994 wurde der Pole von einer Gruppe junger Deutscher in die Berliner Spree getrieben, gewaltsam daran gehindert, ans Ufer zurückzuschwimmen, und ertrank. Gunter Marx, 42 Jahre: Am 6. August 1994 wurde er in Velten (Brandenburg) von einer Gruppe von Rechten, die ihn ausrauben wollten, vom Fahrrad getreten. Als er ihnen sagte, dass er kein Geld bei sich habe, wurde er von einem der Rechten mit einem schweren Schraubenschlüssel erschlagen. Piotr Kania, 18 Jahre: Am 6. November 1994 geriet er auf dem Bahnhof von Rotenburg/Fulda (Hessen) in eine Auseinandersetzung mit fünf Bundeswehrrekruten. Nach Zeugenaussagen war einer der Soldaten eindeutig als Rechter erkennbar, weswegen ihn Kania als »Nazischwein« bezeichnete. Er verfolgte ihn bis zum Bahnhofsvorplatz, wo dieser sich plötzlich umdrehte und Kania einen Stoßdolch gezielt ins Herz rammte. Horst Pulter, 65 Jahre, Obdachloser: Am 5. Februar 1995 wurde der auf einer Parkbank im Stadtpark von Velbert (Nordrhein-Westfalen) Schlafende von sieben rechtsextremistischen Jugendlichen durch Tritte verletzt. Einer der Jugendlichen versetzte ihm zum Schluss einen tödlichen Messerstich. Peter T., 24 Jahre, Bundeswehrsoldat: Am 25. Mai 1995 wurde er bei einem Ausflug an einen Stausee bei Hohenstein/Ernstthal (Sachsen) von etwa 20 Skinheads, die zuvor Pakistanis angegriffen hatten, zusammengeschlagen. Er starb neun Tage später. Dagmar Kohlmann, 25 Jahre: Im Juli 1995 wurde sie von dem Neonazi Thomas Lemke und seiner Freundin getötet. Der zu diesem Zeitpunkt schon mit Haftbefehl gesuchte Neonazi wollte seine Freundin in den Mord verwickeln, um sich vor belastenden Aussagen zu schützen. Klaus-Peter Beer, 48 Jahre: In der Nacht zum 7. September 1995 wurde der Homosexuelle von zwei Skinheads in Amberg (Bayern) in die Vils geworfen und ertrank. Maiamba Bunga | Nsuzana Bunga | Françoise Makodila | Christine Makodila | Miya Makodila | Christelle Makodila | Legrand Makodila | Jean-Daniel Makodila: Sie verbrannten in der Nacht zum 18. Januar 1996 bei einem Brandanschlag auf ein Flüchtlingsheim in Lübeck (Schleswig-Holstein). Rabia El Omari: Er verbrannte in der Nacht zum 18. Januar 1996 bei einem Brandanschlag auf ein Flüchtlingsheim in Lübeck (Schleswig-Holstein). Sylvio Amoussou: Er verbrannte in der Nacht zum 18. Januar 1996 bei einem Brandanschlag auf ein Flüchtlingsheim in Lübeck (Schleswig-Holstein). Sven Beuter, 23 Jahre: Am 15. Februar 1996 wurde er in Brandenburg/Havel (Brandenburg) von einem Skinhead so schwer verprügelt, dass er fünf Tage später starb. Der Täter wollte an ihm seinen Hass auf »Zecken«, wie Linke und Punks von der rechten Szene genannt werden, ablassen. Patricia Wright, 23 Jahre: Im Februar 1996 wurde sie in Bergisch Gladbach (Nordrhein-Westfalen) von dem Neonazi Thomas Lemke erstochen, weil sie einen »Nazis Raus«- Aufnäher auf der Jacke hatte. Martin Kemming, 26 Jahre: Am 15. März 1996 wurde der Aussteiger aus der rechten Szene in Dorsten Rade (Nordrhein-Westfalen) von dem Neonazi Thomas Lemke erschossen. Er hielt Kemming für einen Verräter, da er ihn angezeigt und belastet hatte. Bernd G., 43 Jahre, Geschäftsmann: Am 8. Mai 1996 wurde er in Leipzig-Wahren (Sachsen) nach einer Sauftour mit drei Rechtsextremisten von ihnen zusammengeschlagen und erstochen. Die Leiche versenkten die drei Täter im Ammelshainer See, wo sie eine Woche später gefunden wurde. Boris Morawek, 26 Jahre: Am 11. Juli 1996 wurde er auf einem Platz in Wolgast (Mecklenburg-Vorpommern) von zwei Skinheads mit Tritten und Schlägen traktiert, weil er als »Kinderschänder keine Rechte mehr habe«. Von Zeugen gerufene Polizisten verhinderten nicht, dass weiterhin auf ihn eingetreten wurde. Zwei Tage später starb er an seinen schweren Kopfverletzungen. Werner Weickum, 44 Jahre, Elektriker: Er wurde am 19. Juli 1996 am Bahnhof von Eppingen (Baden-Württemberg) von einer rechtsgerichteten Jugendbande überfallen, ausgeraubt und zu Tode geprügelt. Andreas Götz, 34 Jahre: Er starb an den Folgen eines Überfalls durch sechs rechte Jugendliche am 1. August 1996 in Eisenhüttenstadt (Brandenburg). Sie erbeuteten 90 DM und Erpressten die Geheimnummer seiner EC-Karte, indem sie auf ihn einschlugen und ihm auf den Kopf sprangen. Achmed Bachir, 30 Jahre, Asylbewerber: Er wurde am 23. November 1996 in Leipzig (Sachsen) vor einem Gemüseladen mit einem Messerstich ins Herz getötet, als er zwei deutschen Kolleginnen zu Hilfe kommen wollte, die von zwei Skinheads attackiert und als »Türkenschlampen« bezeichnet worden waren. Phan Van Toau, 42 Jahre: Er wurde am 31. Januar 1997 am Bahnhof von Fredersdorf (Brandenburg) von einem Deutschen hochgehoben und mit dem Kopf auf den Betonboden geworfen. Er starb drei Monate später in einer Rehabilitationsklinik. Frank Böttcher, 17 Jahre: Er wurde am 8. Februar 1997 in Magdeburg (Sachsen-Anhalt) von einem Gleichaltrigen mit Springerstiefeln getreten. Am Boden liegend stach dieser ihm mit einem Butterfly-Messer mehrmals in den Rücken. Frank Böttcher starb kurz darauf im Krankenhaus. Antonio Melis, 37 Jahre: Er wurde am 13. Februar 1997 in Caputh (Brandenburg) von einem 18-Jährigen und einem 25-Jährigen mit Schlägen und Tritten schwer misshandelt und anschließend von dem 18-Jährigen in der Havel ertränkt. Stefan Grage, Polizist: Am 23. Februar 1997 wurde er auf dem Autobahn-Parkplatz Roseburg (Schleswig-Holstein) vom flüchtigen Rechtsextremisten Kai Diesner erschossen. Horst Gens, 50 Jahre, Arbeitsloser: Am 22. April 1997 wurde er in Sassnitz (Mecklenburg-Vorpommern) von vier jungen Männern entführt, geschlagen und in einen Straßengraben geworfen. Die Täter kamen später nochmals zurück und erschlugen ihn mit einem 30 Kilogramm schweren Stein. Augustin Blotzki, 59 Jahre, Arbeitsloser: Am 8. Mai 1997 wurde er in Königs-Wusterhausen (Brandenburg) von einer Gruppe junger Rechtsextremisten zweimal innerhalb weniger Stunden in seiner Wohnung überfallen und zu Tode geprügelt. Matthias S., 39 Jahre: Am 23. September 1997 wurde er in Cottbus (Brandenburg) von einem 19-jährigen Skinhead erstochen, nachdem er diesen als »Nazisau« beschimpft hatte. |
