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Gruselfilm
Der Gruselfilm ist ein Film-Genre, dessen Vertreter beim Zuschauer ein Gefühl des Grusels, das heißt ein Gefühl der Angst und des Schauderns erzeugen wollen. Der Gruselfilm ist eng mit dem Horrorfilm verwandt, gilt jedoch als abgeschwächtere Variante („Soft-Horror“). Während der Horrorfilm bisweilen mit expliziter Darstellung von Gewalt einen traumatisierenden Schockeffekt erzeugen will, arbeitet der Gruselfilm meist mit subtileren Mitteln, insbesondere Stimmung und Atmosphäre. Typische Themen von Gruselfilmen sind Geister und Spuk. Seine "klassische" Phase erlebte das Genre in den 30ern, als Schwarzweiß-Film. Auch ältere Horrorfilme, die heute nicht mehr so schockierend wirken wie zur Zeit ihrer Veröffentlichung, werden zu Gruselfilmen „herabgestuft“, etwa der zu seiner Zeit als zutiefst schockierend empfundene Frankenstein von 1931. Weitere Beispiele für typische Gruselfilme sind Nosferatu – Eine Symphonie des Grauens von 1922, Dracula (1931), Bis das Blut gefriert (1963), Die Mumie und Der Unsichtbare. Sehr erfolgreich waren zudem die englischen Hammer-Filme aus England, die in den 50ern viele der erfolgreichen Stoffe sanft und ironisch aktualisierten. Gerade im Bereich von Kinder- und Jugendfilmen, in denen wegen der Beschränkungen des Jugendschutzes der Horrorfilm nicht vorkommen darf, ist die Gruselgeschichte häufig anzutreffen. Filme wie Ghostbusters oder Gremlins sind moderne Gruselgeschichten, die ihre effektvolle Stories mit viel schwarzem Humor auflockern. Ein Beispiel dafür ist der skandinavische Film Der Fakir von 2004. Im amerikanischen Fernsehen besteht seit langem die Tradition, an Halloween für Fernsehserien Specials zu produzieren. Großer Beliebtheit erfreut sich dabei vor allem die alljährliche Simpsons Halloween-Folge, die jeweils in Kurzgeschichten- Format drei eher witzige als gruselige Schauergeschichten erzählt. Gruselige Kinderserien der früheren DDR waren Spuk unterm Riesenrad und sein Nachfolger Spuk im Hochhaus. Seit den 1990er Jahren wurde der Begriff Grusel in der Umgangssprache immer mehr durch das englische Mystery ersetzt, ausgelöst durch eine Anzahl von Fernsehserien wie etwa Akte X oder Lost.
Horrorfilm
Der Horrorfilm ist ein Filmgenre, das beim Zuschauer Gefühle der Angst, des Schreckens und Verstörung auszulösen versucht. Oftmals, aber nicht zwangsläufig, treten dabei übernatürliche Akteure oder Phänomene auf, von denen eine zumeist lebensbedrohliche und traumatische Wirkung auf die Protagonisten ausgeht. Eine abgeschwächte Variante des Horrorfilms stellt der Gruselfilm dar. Eine besonders auf den Schrecken der Gewalt setzende Form ist der Splatterfilm. Zwar kann es auch bei anderen Filmen zu Reaktionen wie Angst, Schrecken oder Verstörung kommen – etwa bei einem Dokumentarfilm über medizinische Operationen. Doch erst, wenn die Erzeugung derartiger Affekte zum eigentlichen Ziel des Films wird, handelt es sich um einen Horrorfilm. Ein häufig anzutreffendes Merkmal des Horrorfilms ist die oftmals übernatürliche bzw. nicht immer wissenschaftlich erklärbare Bedrohung der Protagonisten. Dadurch unterscheidet sich der Horrorfilm vom Thriller, dem er allerdings nahesteht. Typische übernatürliche Gegenspieler des Horrorfilms sind Vampire, Werwölfe, Gespenster, Zombies, Außerirdische, Monster, Mutanten oder außer Kontrolle geratene Geschöpfe (z.B. Golems). Es existieren jedoch auch zahlreiche Horrorfilme, die ganz ohne übernatürliche Akteure und Phänomene auskommen, etwa der „Slasherfilm“, bei dem die Bedrohung zumeist von menschlichen, aber psychopathischen Mördern ausgeht. Trotz ihrer größtenteils unrealistischen Bösewichterpalette gelten für die im Horrorfilm kreierte, fiktive Welt dennoch die Gesetze und der Rationalismus unseres Alltags. So sind anders als in Märchen- und Fantasyfilmen die Dämonen im Horrorfilm kein normaler, selbstverständlicher Bestandteil der Handlung, kommen aber trotzdem darin vor. Hans D. Baumann definiert das Genre wie folgt: „Horror ist eine Gattung der Phantastik, in deren Fiktionen das Unmögliche in einer Welt möglich und real wird, die der unseren weitgehend gleicht, und wo Menschen, die uns ebenfalls gleichen, auf diese Anzeichen der Brüchigkeit ihrer Welt mit Grauen reagieren.“ Damit der Effekt des Grauens entstehen kann, versucht der Horrorfilm in der Regel, eine starke emotionale Identifikation des Zuschauers mit den bedrohten Protagonisten zu erzeugen. Noch stärker als andere fiktive Filmgenres ist der Horrorfilm darauf angewiesen, dass der Zuschauer das Filmgeschehen mit den Augen der Filmpersonen betrachtet. Dies kann, muss sich aber nicht zwangsläufig in entsprechender Kameraführung – etwa in Form von Point-of-View-Shots – widerspiegeln. Dramaturgisch lebt der Horrorfilm von der paradoxen Gegenüberstellung von Ausnahme und Regel. Wenn die Regel erwartet wird, regiert die Ausnahme, und umgekehrt: Das Sicherheit verheißende Naturgesetz wird vom grauenvollen Wunder unterbrochen, oder das unbarmherzige Naturgesetz stellt sich gegen das erhoffte Wunder. In der getäuschten Erwartung, dass etwas „mit rechten Dingen“ vor sich geht, überschneiden sich die Vorstellungen von Naturgesetzlichkeit und sozialer Normalität. Eine Spielart des Horrorfilms ist der Psycho-Horror. Im Gegensatz zum klassischen Horrorfilm, in dem die Schreckwirkung mit der beschriebenen, v.a. übernatürlichen Rollenpalette erzielt wird, arbeitet der Psycho-Horror mit einer allgegenwärtigen, eher diffusen Bedrohung. Diese äußert sich immer wieder durch unerwartete Gefahrensituationen, deren Ursache jedoch vorerst oder gar dauerhaft im Dunkeln bleibt (Beispiel: The Blair Witch Project, 1999). Das Entsetzen basiert hier, wie allgemein im Horrorfilm, auf der Angst vor dem Unbekannten. Zum Beispiel fühlt sich der Zuschauer ausgeliefert, wenn die meisten Einstellungen so subjektiv gehalten sind, dass ihm der objektive, distanzierte Überblick verweigert wird. Die Erwartung des Unheimlichen wird durch verschiedenste filmische Stilmittel bedient. Nicht in jedem erfolgreichen Horrorfilm müssen Blutfontänen spritzen und Menschenfresser wüten. Viel eher fürchten sich die Zuschauer, wenn Drehbuch und Interpretation, Bildgestaltung, Kameraführung und Filmschnitt, Klangeffekte und Musikuntermalung, Gezeigtes und Weggelassenes so im Einklang zueinander stehen, dass auch Alltäglichkeiten einen unheimlichen Touch bekommen. Historisch stammt der Horrorfilm vom Bühnen-Melodrama des 19. Jahrhunderts ab. Eine deutsche Variante war das Schicksalsdrama der Romantik, zum Beispiel Der vierundzwanzigste Februar (1808) von Zacharias Werner. An frühen Verfilmungen solcher Stücke wie Der Müller und sein Kind (1911) oder Jacob Flecks Verfilmung von Grillparzers Die Ahnfrau (1910) lässt sich dies belegen. Diese Herkunft zeigt sich einerseits in traditionellen Vanitas-Symbolen wie der Gleichsetzung von Leichen mit „toten“ Bildern und Schriften, andererseits in stereotypen Rollen wie dem Wissenschaftler, der die Übertretung physikalischer Gesetze bestätigt, wodurch das volle Ausmaß der Bedrohung erst deutlich wird. Typischerweise gibt es im Horrorfilm die klassischen Figuren der „jungfräulichen Braut“, des „Helden und Bräutigams“, dazu meist eine vaterähnliche Figur, sowie natürlich den bösen Antagonisten. Am Beispiel der Dracula-Verfilmungen zeigt sich dieses Muster deutlich: Minna wird von Jonathan Harker, ihrem Verlobten, mit Hilfe von Dr. van Helsing, einem Gelehrten, aus den Klauen des Vampirs Dracula befreit. Die Kontinuität des gotischen Baustils im angelsächsischen Raum ließ ihn zum Sinnbild des Konservativismus werden, was sich in Horrorbildern und -geschichten ebenso wie im Horrorfilm niederschlägt. Im Rahmen der Vanitas-Symbole gehört das Haus zum Typus der „leeren Form“. Es überdauert seine Bewohner. Zahlreiche Horrorfilme spielen in einem gotischen Haus, das mit seinen vertikalen Linien, Treppenfluchten und Fluren schaurige Attraktivität behält, wie bereits Sigmund Freud in seinem Aufsatz Über das Unheimliche 1919 feststellte. Beispiele für Filme, in denen das Haus eine wichtige Rolle spielt, sind Das Haus auf dem Geisterhügel (House On Haunted Hill, 1958), Psycho (1960), Bis das Blut gefriert (The Haunting, 1963) oder The Shining (1980). Die Geschichte des Horrorfilms reicht fast so weit zurück wie die Geschichte der Filmkunst überhaupt. Mary Shelleys Roman Frankenstein wurde bereits 1910 als Stummfilm das erste Mal verfilmt – siehe Frankenstein (1910). Im Jahr 1922 wurde mit Nosferatu, eine Symphonie des Grauens von Friedrich Murnau erstmals Bram Stokers Roman Dracula verfilmt, obwohl der berühmte Vampir wegen Streitigkeiten über die Rechte an dem Stoff in Graf Orlok umbenannt werden musste. Murnaus Nosferatu gilt nicht zuletzt aufgrund seiner expressionistischen Atmosphäre als Meilenstein und Meisterwerk des Horrorgenres. Andere wichtige und stilbildende Horrorfilme der Stummfilmzeit waren der von Robert Wiene gedrehte Das Cabinet des Dr. Caligari (1920) und Der Golem, wie er in die Welt kam (1920) von Paul Wegener und Carl Boese. Auch Das Phantom der Oper (1925) gilt als wichtiger Film des Genres. Der in den 1930er Jahren sich rasch durchsetzende Tonfilm brachte die Möglichkeit, Horrorfilme noch realistischer zu inszenieren, als es bis dahin möglich war. Als wichtigste Werke dieser Zeit gelten Dracula (1931) mit Bela Lugosi in der Rolle des Blutsaugers sowie Frankenstein (1931) mit Boris Karloff als Monster – beide Interpretationen wurden fortan zum klassischen Bild, das man mit den Figuren „Dracula“ und „Frankenstein“ verband (obwohl Frankenstein ja eigentlich nur der Wissenschaftler war, nicht das Monster selbst). Insbesondere letzterer Film galt damals, obwohl er nach heutigen Maßstäben keine Gewaltdarstellungen beinhaltet, beim Publikum als außerordentlich brutal und verstörend. Nicht weniger gelungen als die Inszenierung von 1931 erscheint den meisten Kritikern der 1935 erschienene Nachfolgefilm Frankensteins Braut (The Bride of Frankenstein), ebenfalls mit Boris Karloff in der Hauptrolle. Einen anderen, letztlich nicht weniger einflussreichen Strang des Horrorfilms initiierte der 1932 erschienene White Zombie von Victor Halperin, der erstmals die durch Voodoo-Zauber behexten Zombies als Akteure inszenierte. Auch dieser Film regte, von den späteren Zombiefilmen der 70er und 80er Jahre ganz abgesehen, bereits in den 30er und 40er Jahren zu einer ganzen Reihe von Fortsetzungen mit Titeln wie Revolt of the Zombies (1936, ebenfalls von Halperin), King of the Zombies (1941), I Walked With a Zombie (1942) oder Dead Men Walk (1943) an, die jedoch weder dem Stoff noch dem Genre – und noch weniger dem Gruselbedürfnis des Publikums – etwas Neues hinzufügen konnten. Sowohl im Falle des meist in Haiti oder ähnlichen Gebieten situierten Zombiefilms wie auch im Fall Draculas, der sein Schloss im rumänischen Transsilvanien hatte, oder im Fall der in den 30ern ebenfalls populären Mumienfilme, die meist in Ägypten spielten (etwa Die Mumie, 1932) – die Bedrohung, das „Andere“, kam im klassischen Horrorfilm meist aus exotischen Ländern. Nicht selten bedrohte dieses Böse nicht so sehr den Helden selbst, sondern seine Braut – die darum mit allen Mitteln gerettet werden musste. Fast immer musste das Böse dabei restlos zerstört werden, damit die Ordnung der Gesellschaft mit ihren klassischen, konservativen Rollen- und Moralvorstellungen wiederhergestellt werden konnte. Einer der einflussreichsten Horrorfilme der 1940er Jahre war Der Wolfsmensch (The Wolf Man, 1941), der die Thematik des Werwolfs populär machte. Im Anschluss hieran prägte der Produzent Val Lewton beginnend mit dem Film Katzenmenschen (Cat People, 1942) den so genannten „denkenden“ Horrorfilm, der den Schrecken vorrangig in der Vorstellung des Zuschauers entstehen lässt und ihn nicht in platter Form direkt auf der Leinwand zeigt. Generell wurden während des Zweiten Weltkrieges nur wenige Horrorfilme veröffentlicht. Einer der wenigen größeren Erfolge dieser Zeit war der unmittelbar nach Kriegsende veröffentlichte Traum ohne Ende (1945), ein surrealistischer Episodenfilm, in dem Alptraum und Wirklichkeit zunehmend ineinander verschwimmen. Die Themen des klassischen Horrorfilms erfuhren in den 1950er Jahren, außer ihrer neuen optischen Aufbereitung durch den Farbfilm, keine substanziellen Umbrüche. Im Mittelpunkt standen überlieferte Stoffe wie Dracula (so etwa in Horror of Dracula, 1958) oder Frankenstein, die sich jedoch immer weiter von ihren Vorlagen entfernten und oft nur noch einzelne Figuren und Motive übernahmen (The Curse of Frankenstein, dt.: Frankensteins Fluch, 1957; The Revenge of Frankenstein, dt.: Frankensteins Rache, 1959). Aber auch Mumien (The Mummy, dt.: Die Rache der Pharaonen, 1959) waren zu sehen, außerdem kamen Werwölfe nun zunehmend in Mode – Beispiele hierfür sind The Werewolf (1956), I was a Teenage Werewolf (1957) oder The Curse of the Werewolf (dt.: Der Fluch von Siniestro, 1959). Ansonsten waren Horrorfilme in dieser Zeit oftmals eine etwas gruseligere Variante des Science-Fiction-Films. Insbesondere außerirdische Monster (The Quatermass Experiment, 1955) und durch radioaktive Strahlung entstandene Mutanten kamen in der Nachkriegszeit zum Zuge. Ein unfreiwillig komisches Beispiel für derartige Monster-Streifen ist ein B-Movie von 1956 mit dem Titel It Conquered the World, dessen außerirdischer Protagonist, eine Art Softeis-Kegel mit buschigen Augenbrauen, in einer Höhle in Kalifornien lebt, um von dort aus die Herrschaft über den Planeten Erde anzutreten. Wesentlich breiter als die für das Genre eher unbedeutenden 50er waren die 1960er Jahre gefächert. Klassische Gruselfilme wie Bis das Blut gefriert (The Haunting, 1963), der sich um ein Spukhaus dreht, oder der stimmungsvoll inszenierte (damals aber gänzlich unbekannt gebliebene) Low-Budget-Film Tanz der toten Seelen (Carnival of Souls, 1962) zeigten das Genre vor allem von seiner im ersten Fall zwar recht klassischen, beide Male aber außerordentlich cineastischen Seite. Das Bild des Mainstream-Horrorfilms der 60er war zudem von den britischen Hammer-Filmen geprägt, die bereits seit den 50ern einige stimmungsvolle, atmosphärisch inszenierte „Gothic-Horror“-Streifen produzierten, so etwa den Zombiefilm Nächte des Grauens (The Plague of the Zombies, 1966). Oft spielten Christopher Lee und/oder Peter Cushing die Hauptrollen in den bis in die 70er Jahre hinein produzierten Hammer-Filmen, die später zunehmend in Klamauk ausarteten (Dracula jagt Minimädchen, 1972). Roman Polański parodierte die meist recht klassischen Sujets dieser Mainstream-Filme mit seiner 1967 gedrehten Horrorkomödie Tanz der Vampire. Roger Corman brachte einen Zyklus von Edgar-Allan-Poe-Verfilmungen in die Kinos (z.B. Der Rabe – Duell der Zauberer, 1963), im Zuge derer sich Vincent Price als einer der weiteren Stars des Genres etablieren konnte. Auf der anderen Seite brachten die 60er Jahre aber auch einige bedeutende Erneuerungen des Genres. Alfred Hitchcock drehte in den 60ern gleich zwei Filme, die – obgleich sie als untypische Vertreter des Horrorfilms angesehen werden müssen – zugleich als zwei seiner Meisterwerke gelten können: Die psychologisch dichte, düstere Charakterstudie um den schizophrenen Serienmörder Norman Bates mit dem Titel Psycho, sowie der mit zahlreichen Schockeffekten aufwartende, äußerst wirkungsvoll inszenierte Klassiker Die Vögel von 1963. Der vielleicht wichtigste Meilenstein des Horrorfilms der 60er Jahre war jedoch Die Nacht der lebenden Toten (Night of the Living Dead, 1968) des damals noch gänzlich unbekannten Regisseurs George A. Romero, der das Genre des Zombiefilms zwar nicht erfand, jedoch entscheidend veränderte: Zombies waren nun nicht mehr willenlose, durch schwarze Magie erweckte Voodoo-Geschöpfe, sondern eigenständig agierende Untote, die sich von Menschenfleisch ernähren und die Zivilisation als Ganzes bedrohten. So kam der Antagonist nun nicht mehr aus einer anderen Zeit oder einer anderen Welt, sondern war in der normalen Lebenswelt situiert, die er jedoch fundamental ins Wanken brachte. Die Grenzen zwischen den Bösen und den vermeintlichen Helden verschwammen, auch Happy Ends sind seit den Filmen der 60er immer seltener anzutreffen. Häufig ist die Bedrohung derart übermächtig, dass den Protagonisten nur die Wahl zwischen Flucht und Tod bleibt. Das Maß der gezeigten Brutalität erreichte in den 60er Jahren, insbesondere bei Romero, einen (wenn auch nur vorläufigen) Höhepunkt: Ausführlich zeigte Romero seine Zombies, wie sie sich rohes menschliches Fleisch in den Mund stopfen. Aber bereits der 1963 erschienene, heute als Kultfilm geltende Blood Feast von Herschell Gordon Lewis deutete früh die zunehmende Brutalität an, die dann vor allem in den späten 70er sowie vor allem in den 80er Jahren zum Hauptmerkmal des Horrorfilms werden sollte. Diese Entwicklung des amerikanischen Horrorfilms in Richtung Gewaltdarstellung wurde im von Mario Bava begründeten italienischen Horrorfilm bereits vorweggenommen. Es war vor allem „Bavas Bereitschaft, in der Darstellung von Sexualität und Gewalt effektbetont zu Werke zu gehen“[2], die nicht nur zahlreiche Nachahmer im eigenen Land, sondern auch im internationalem Horrorfilm fand. Bava setzte den Grundstein seiner Popularität mit dem Überraschungserfolg Die Stunde, wenn Dracula kommt (1960) mit Barbara Steele, die später einer der wenigen weiblichen Stars des Genres wurde. Obwohl der Film in der Tradition des „Gothic-Horror“ als Kostümfilm über Wiederauferstandene gedreht wurde, erzeugte er durch seine Inszeneriung „ein für die damaligen Verhaltnisse ungewöhnlich intensives Klima der Verunsicherung und Bedrohung“[2]. Mit stilbildenden Filmen wie Blutige Seide (1964), in denen er Kriminalgeschichten mit intensiver Gewaltdarstellung, freizügiger Sexualität und einer stark ästhetisierten Inszenierung verband, begründete Bava nicht nur ein eigenes italienisches Horrorsubgenre, den Giallo, sondern setzte auch einen Grundstein für die erfolgreichen amerikanischen Slasher-Filme der 1970er- und 1980er-Jahre. Typisch für den Horrorfilm der frühen 1970er Jahre ist die Beschäftigung mit dem Okkultismus, etwa dem Phänomen des Exorzismus (Der Exorzist, 1973) oder der Wiedergeburt Satans, die sowohl in Roman Polańskis bereits 1967 gedrehtem Meisterwerk Rosemaries Baby wie auch in dem 1976 erschienenen Klassiker Das Omen im Zentrum der Handlung steht. Dario Argentos 1977 erschienener Suspiria, der sich durch eine besonders künstlerische Bildkomposition auszeichnet, handelt von Hexen, die sich dem Satan verschrieben haben. Wenig beachtet, da im selben Jahr veröffentlicht wie der Kassenschlager Der Exorzist, ist Nicolas Roegs psychologisch tiefes, surrealistisches Horror-Drama Wenn die Gondeln Trauer tragen (1973) mit Donald Sutherland und Julie Christie in den Hauptrollen, verfilmt nach der Erzählung Don't Look Now (Dreh dich nicht um) von Daphne du Maurier. Mit Der weiße Hai begann 1975 auch der „Tierhorror“ populär zu werden. Inzwischen gibt es kaum ein Tier, das noch nicht in einem Horrorfilm zu einer gefährlichen Bestie wurde – von Hunden (Cujo, 1983) über Wölfe, Krokodile und Schlangen (Anaconda, 1997) bis hin zu Taranteln (Tarantula, 1955), Ameisen (Formicula, 1953; Phase IV, 1974), Nacktschnecken (Slugs, 1988) und Spinnen (Arachnophobia, 1990) war nahezu jede Tierart schon einmal als Bösewicht in einem Horrorfilmen vertreten. 1976 entstand mit dem Film Carrie – Des Satans jüngste Tochter eine weitere Nische innerhalb des Genres. Wurden bis in die 70er Jahre hinein meist Klassiker der Horrorliteratur verfilmt, so war Carrie die Verfilmung eines zeitgenössischen Schriftstellers. Stephen Kings Bücher waren seitdem immer wieder Quelle für zahlreiche Horrorfilme (z.B. The Shining, 1980 oder Es, 1990), in den nächsten Jahren wurden auch andere Horrorbücher verfilmt (etwa Clive Barkers Buch Cabal, 1990). Meist scheiterten diese Filme jedoch an dem hohen Anspruch und der Detailfreudigkeit der Vorlage. Bereits 1974 begründete Tobe Hooper mit dem brutal und wirkungsvoll inszenierten, obgleich auf sichtbare Bluteffekte verzichtenden Blutgericht in Texas (The Texas Chainsaw Massacre, auch: Das Kettensägenmassaker) einen ersten Vorläufer des Slasherfilms. Der (in Deutschland indizierte) Film handelt von einer Gruppe Jugendlicher, die in die Fänge einiger degenerierter, sadistischer und kannibalistisch veranlagter Rednecks gerät und der Reihe nach abgeschlachtet wird. Hoopers Werk zeichnet sich vor allem durch eine rasante und extrem subjektiv geprägte Kameraführung aus – sowie durch das minutenlange, markerschütternde Schreien der weiblichen Hauptdarstellerin auf der Flucht vor ihrem mit einer Motorsäge bewaffneten Mörder. Die Figur des psychopathischen Schlächters wurde 1977 von Wes Craven in Hügel der blutigen Augen (The Hills Have Eyes) aufgegriffen – auch hier war die Handlung in der Wüste des amerikanischen Hinterlandes situiert. Anders als bei Texas Chainsaw Massacre ging die Gefahr hier jedoch nicht von einer einzelnen Psychopathen-Familie aus, sondern von der Bevölkerung eines ganzen Dorfes, die – arbeitslos und von den Behörden im Stich gelassen, womöglich noch radioaktiv verseucht – von grenzenlosem Hass auf die restliche Welt beseelt ist. Das Subgenre des Slasher- oder Schlächter-Films wurde dann vor allem von John Carpenter 1978 erschienenem Halloween – Die Nacht des Grauens geprägt. Das Muster des psychopathischen, sadistischen Serienmörders diente als Vorlage für eine ganze Reihe von Filmen und Filmserien wie Freitag der 13. (1980) oder A Nightmare on Elm Street (1984). Die Bösewichter dieser Slasherfilme, etwa der mit einer Krallenhand und einem rot-blauen Ringelpulli bewaffnete Freddy Krueger aus der Nightmare-Reihe, das psychopathische Heimkind Michael Myers mit seiner berühmten Gesichtsmaske aus der Halloween-Reihe oder der ebenfalls maskierte Jason Voorhees aus Freitag der 13. haben sich mittlerweile tief ins kollektive Gedächtnis der westlichen Kultur eingeraben. Insbesondere im Umfeld des Halloween-Festes sind entsprechende Verkleidungen im Handel und werden von „Fans“ zu diesem Anlass getragen. Als eines der wichtigsten oder zumindest einflussreichsten Werke der an Horrorfilmen ohnehin reichen 70er gilt erneut ein Film von George A. Romero mit der Fortsetzung seines ersten Zombiefilms Nacht der lebenden Toten, dem 1978 erschienenen Dawn of the Dead (dt.: Zombie, auch Zombies im Kaufhaus). Die Handlung dreht sich um eine Gruppe von Überlebenden einer umfassenden Zombie-Epidemie, die sich in einem mit Waren angefüllten Einkaufszentrum verschanzen, um den menschenfressenden Zombies zu entkommen. Ließ sich bereits der Vorgänger, in dem Lynchjustiz und Rassismus thematisiert werden, als politisch engagiertes Werk interpretieren, so zeigt sich hier noch deutlicher der gesellschaftskritische Kontext der links geprägten 70er Jahre. Romero zeigt Zombies wie Menschen gleichermaßen als von Konsumwahn und blindem Materialismus getriebene Halbtote, wobei hier die Lage der Menschen gegenüber der Zombie-Epidemie bereits völlig ausssichtslos ist, während in Nacht der lebenden Toten die Menschen am Ende noch die Oberhand behielten. Das Projekt der kapitalistischen Zivilisisation erscheint letztendlich nicht mehr rettbar, was durch die Übernahme des Kaufhauses durch die Zombies am Ende symbolisiert wird. Im Bereich der eher kommerziell orientierten Horrorfilme dominierten in den Kinos und im Fernsehen der 1980er Jahre vor allem Fortsetzungsreihen – sowohl von erfolgreichen Filmen der späten 70er wie Halloween oder Freitag der 13., als auch von neuen Filmen wie Tobe Hoopers 1982 gedrehtem Poltergeist, Wes Cravens rasch populär gewordenem Nightmare – Mörderische Träume (A Nightmare on Elm Street, 1984) oder Chucky – Die Mörderpuppe (1988). Besonders durch die Etablierung des Heimvideo-Marktes wuchs parallel zum Mainstream des Unterhaltungskinos ein immer größer werdender Underground-Markt für Horrorfilme an, der im B-Movie-Bereich seit dem überraschenden Erfolg von Romeros Dawn of the Dead zu einer geradezu überwältigenden Schwemme von mitunter äußerst brutalen, oft ausschließlich an Ekeleffekten orientierten Splatterfilmen führte. Unzählige, meist mit wenig Aufwand und Einfallsreichtum gedrehte Filme etablierten die an der Ästhetik der Zombiefilme Romeros orientierte Genre-Abart des Gore-Films, der sich vor allem durch explizite und ausgedehnte Zurschaustellung körperlicher Gewalt, zerstörter Körper und hervorquellender Gedärme auszeichnet. Beispiele für den Zombiefilm der 80er Jahre sind Bruno Matteis Die Hölle der lebenden Toten (Hell of the Living Dead, auch: Virus, 1980) oder Umberto Lenzis Großangriff der Zombies (Nightmare City, 1980). Oft verband sich das Horrorgenre auch mit den in den 60er und 70er Jahren aufgekommenen Stilmitteln des Exploitation-Films, der sich unter anderem durch eine oft reißerische Inszenierung von brutaler Gewalt, Folterungen und anderer Grausamkeiten auszeichnet. Dies zeigt sich insbesondere am Genre des Kannibalenfilms, das sich aus den Settings und Stilmitteln der Mondofilme der 60er Jahre entwickelt hatte und durch eine besonders extreme Darstellung von Splatter- und Gore-Effekten auszeichnete. Ihre an den Abenteuerfilm angelehnte Dramaturgie bezogen die Filme dieses Genres in der Regel aus dem Aufeinandertreffen von kannibalistischen Ureinwohnern und weißen Touristen, gelegentlich auch vermischt mit Elementen des Softpornos. Zwei der bekanntesten Filme dieses insgesamt recht kurzlebigen Genres, das nach einem Popularitätshöhepunkt um 1980 herum fast vollständig wieder von der Bildfläche verschwand, sind Ruggero Deodatos 1980 gedrehter Cannibal Holocaust (Nackt und zerfleischt) und Umberto Lenzis Cannibal Ferox (Die Rache der Kannibalen, 1981). Unter anderem die extremen Gewaltdarstellungen und oftmals realen Tiertötungen brachten die Kannibalenfilme sowohl in die Mediengewaltdebatten der 80er Jahre als auch auf die Indizierungsliste der FSK. Aus der Masse der unzähligen relativ unoriginell und meist aus kommerziellen Motiven heraus produzierten Splatter- und Gore-Filme der 80er Jahre ragte – neben ohnehin ernsthafteren Produktionen wie Romeros Day of the Dead (1985) oder Filmen wie Hellraiser (1987) – vor allem Sam Raimis Splatterfilm Tanz der Teufel (engl.: The Evil Dead, 1981) heraus, der trotz seines niedrigen Budgets zu einem Kultfilm des Genres avancierte. Verantwortlich dafür war nicht zuletzt die innovative und experimentelle, extrem subjektivierte Kameraführung, die teilweise sogar die Perspektive des bösen Antagonisten einnahm, den man gerade deshalb nicht zu Gesicht bekam. Zudem bestach der Film durch einen eigentümlichen selbstironischen Charme, ohne deshalb bereits zur Komödie zu werden. Der Erfolg von Tanz der Teufel brachte mehrere Fortsetzungen hervor, die jedoch trotz des erhöhten Budgets an den Erfolg des ersten Teils nicht mehr heranreichen konnten. Während der reine Splatter- und Gorefilm in den Videotheken weiterlebte, wurde der Kinoerfolg dieser Filme mit Splatter-Parodien wie Peter Jacksons Braindead (Neuseeland 1992) oder der dritte Teil der „Tanz der Teufel“-Reihe, Armee der Finsternis (USA 1993), zum Anfang der 1990er Jahre zunächst beendet. Dafür übernahm der erfolgreiche Psychothriller Elemente der Inszenierung von expliziter Gewalt und schaurigen Settings. Erfolgsfilmen wie Das Schweigen der Lämmer (USA 1991) und Sieben (Film) (USA 1995), die die Aufklärung von besonders abscheulichen Serienmorden zeigen, setzten dabei jedoch nicht ausschließlich auf Goreelemente sondern vor allem auf eine effektive Inszenierung, die die meisten Schrecken allein in den Gedanken der Zuschauer entstehen ließen. Mit Bram Stoker’s Dracula (USA 1992) von Francis Ford Coppola und Mary Shelleys Frankenstein (UK, J & USA 1994) wurden in den 1990er auch erfolgreich die Kreaturen der Gothik Novel wiederbelebt. Wie bereits die Titel andeuten bezogen sich diese Verfilmungen jedoch nicht alleine auf die filmische Tradition dieser Figuren sondern sie versuchten sich in einer werkgetreuen Umsetzung der Orginalstoffe, die mit Starschauspielern und umfangreicher Ausstattung verfilmt wurden. Weitere Variationen der klassischen Figuren folgten in Filmen wie Interview mit einem Vampir (USA 1994) und Mary Reilly (USA 1996). Mit Scream (USA 1996) fand das Subgenre des Slasherfilms erneut ein großes Publikum in den Kinosälen. Wes Cravens Film spielte vor allem mit der Kenntnis dieses Subgenres beim Zuschauer: Er lässt die Protagonisten über die Genreklassiker diskutieren und stellt die Regeln des Slasherfilms vor, um sie im Verlauf des Filmes immer wieder zu bestätigen aber auch zu brechen. Zwei Erfolgreiche Fortsetzungen und auch Serien wie Ich weiß, was du letzten Sommer getan hast (USA 1997), Düstere Legenden (USA 1998) und Final Destination (USA 2000) folgten, die oftmals ebenso Rückbezüge die Klassiker des Genres enthielten. Ein großer Teil des im neuen Jahrhundert kommerziell wieder recht erfolgreichen Horrorfilms war von Hommagen und Remakes sowohl amerikanischer als auch asiatischer Filme geprägt. An amerikanischen Horrorfilmen wurden dabei vor allem die Filme der 70er und 80er Jahre wiederverwertet – Beispiele dafür sind Michael Bay’s Texas Chainsaw Massacre (2003) und The Hills Have Eyes (2006) von Alexandre Aja, der zuvor bereits durch den Slasherfilm High Tension (Haute Tension, 2001) bekannt wurde. George Romeros Dawn of the Dead von 1978 erfuhr gleich zwei Neufassungen: einmal in dem rasant inszenierten Remake von Zack Snyder, Dawn of the Dead (2004), das andere Mal in der Horror-Parodie Shaun of the Dead aus demselben Jahr. Mit dem Zusammentreffen der beiden Figuren Freddy Krueger aus der Nightmare-Reihe und Jason Voorhees aus der Freitag der 13.-Reihe in dem Film Freddy vs. Jason (2003) wurden zudem auch Filmreihen der 80er Jahre fortgesetzt. Auch die Halloween-Reihe wurde mit Halloween: Resurrection (2002) weiter am Leben erhalten. Fortgesetzt wurde auch die Tradition des Slasherfilms: Nachdem die für die Wiederbelebung des Genres verantwortliche Scream-Reihe mit Scream 3 (2000) abgeschlossen wurde, versetzten zahlreiche Filme, etwa Wrong Turn (2003), wieder Teenager in Todesgefahr. Am Stil der 70er und 80er orientierten sich Filmemacher wie Rob Zombie, James Wan, Eli Roth und unter anderem auch Leigh Whannell, die mit Filmen wie Haus der 1000 Leichen (2003), Saw (2004) oder Hostel (2005). Mit dem bereits 1999 gedrehten The Sixth Sense und The Others (2001) wurde aber auch der Geisterfilm neu belebt. Breitere Bekanntheit erlangte unter anderem der asiatische Horrorfilm, der in mehreren US-Filmen Remakes erfuhr: Ring (2002, nach dem japanischen Film Ringu von 1998), The Grudge (2004) und Dark Water (2005). Neben dem vielbeachteten Remake von Dawn of the Dead ging das neue Jahrtausend außerdem mit einigen weiteren Zombiefilmen einher: 28 Days Later (2002) und die Videospielverfilmung Resident Evil (2002) brachten den Zombiefilm wieder an die Spitzen der Kinocharts. „Altmeister“ George A. Romero setzte 2005 seine Zombie-Reihe mit dem Film Land of the Dead fort, der die Untoten hier als intelligente und mit Bewusstsein begabte Akteure inszeniert, die als Ausgestoßene einen revolutionären Kreuzzug in eine der Metropolen der überlebenden, hinter Stacheldraht verbarrikadierten Menschen unternehmen. Horrorfilme rufen wie kaum ein anderes Filmgenre (ausgenommen vielleicht die Pornografie) zwiespältige Reaktionen und zum Teil deutliche Ablehnung hervor. So gelten Horrorfilme, vor allem in den blutigen Varianten des Splatter- und Gore-Films, vielen Rezipienten als geschmacklos, wenn nicht pervers oder „krank“. Unabhängig von einer ästhetisch-künstlerischen, moralisch-sittlichen oder psychologischen Bewertung des Phänomens lässt sich allerdings feststellen, dass die Gewaltdarstellung ohne didaktische Komponente eine lange kulturelle Tradition besitzt. König Ödipus, der seinen Vater umbringt, mit seiner Mutter schläft und darauf mit selbst ausgestochenen Augen auf der Bühne erscheint, wäre heute ein Horror-Sujet. Deshalb betrachtete der Philosoph Platon die Tragödie als staatsgefährdend (Politeia). Platons Schüler Aristoteles versuchte sie daraufhin in Schutz zu nehmen, indem er argumentierte, dass der Nachvollzug starker Emotionen eine Art Reinigung (Katharsis) bewirken könne (Poetik). Viele Wirkungstheorien gehen entweder davon aus, dass der Zuschauer von bereits vorhandenen Aggressionen befreit wird („Katharsis-Hypothese“), oder dass er sich umgekehrt an Gewalt gewöhnt oder gar zu Gewalttaten angeregt werde („Konditionierungs-Hypothese“). Die Beurteilung des Zusammenhangs von medialer und realer Gewalt ist jedoch in der Wissenschaft sehr umstritten, wie sich gegenwärtig auch an der ähnlich gelagerten Diskussion um sogenannte „Killerspiele“ beobachten lässt. Als gesellschaftlicher Konsens gilt, dass insbesondere jüngere Kinder Probleme haben, die Konfrontation mit medialer Gewalt adäquat emotional zu verarbeiten, auch wenn über die genauen Folgen diesbezüglich Uneinigkeit herrscht. Weil sie an tief verankerte soziale Normen und Tabus rührt, wird die Darstellung von Gewalt im Film in nahezu allen Gesellschaften – jedoch mit recht unterschiedlicher Ausprägung – politisch reglementiert und gegebenenfalls zensiert. Deshalb werden einige Horrorfilme dem Publikum nur in gekürzten Fassungen und/oder unter bestimmten Altersbeschränkungen gezeigt. Hierbei hat sich über die Freiwillige Selbstkontrolle der Filmwirtschaft (FSK) sowie die ähnlich funktionierende SPIO ein allgemeiner Kodex zur Abstufung von Altersfreigaben herausgebildet. Die meisten Horrorfilme sind in Deutschland erst ab 16 oder, in härteren Fällen, ab 18 Jahren freigegeben, um Minderjährige vor der emotional verstörenden und psychisch traumatisierenden Wirkung allzu brutaler filmischer Gewalt zu schützen. Wenn ein Film als jugendgefährdendes Medium eingestuft wird, darf er nicht mehr offen vertrieben oder beworben werden und gilt dann als indiziert, d.h er darf Kindern und Jugendlichen unter 18 Jahren nicht mehr zugänglich gemacht werden. Der einschlägige Gesetzesparagraf, der in solchen Fällen zur Anwendung kommt, ist in Deutschland §131 des Strafgesetzbuches, der den Straftatbestand der „Gewaltdarstellung“ bzw. genauer der Gewaltverherrlichung oder Gewaltverharmlosung regelt. Vertrieb und Weitergabe indizierter Filme an Minderjährige können strafrechtlich verfolgt und mit Freiheitsstrafen von bis zu einem Jahr belegt werden. Die gelegentlich kritisierte Praxis der Zensur bzw. Kürzung, Indizierung und gegebenenfalls Beschlagnahmung von Horrorfilmen – in Deutschland über die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien organisiert – dient vor allem dem Jugendschutz, ist jedoch naturgemäß stark umstritten.
Mondo & die Kannibalen
Unter dem Begriff Mondo (ital. für Welt) oder Mondo-Film wird eine Reihe von reißerischen Dokumentarfilmen zusammengefasst, die hauptsächlich in Italien in den 60ern und 70ern produziert wurden. Mondos führen den Zuschauer zumeist an exotische Schauplätze, wo er über fremde Sitten und Gebräuche staunen und sich über den harten Lebenskampf der dortigen Bevölkerung gruseln kann. Viele Mondo-Filme vermischen authentische mit gestellten Szenen. Ein Mondo-Film ist oft von äußerst gewalttätigen und brutalen Szenen durchzogen: meist Folterungen, Vergewaltigungen, Hinrichtungen, Schlachtungen oder Tierquälereien. Die gefilmten Einheimischen treten nach Landessitte auf, also vorzugsweise halbnackt bis ganz nackt. Das förderte den Erfolg dieser Filme zusätzlich, da in den 60er Jahren, besonders in Italien, an eine Präsentation nackter weißer Frauen noch gar nicht zu denken war. Deshalb dürfen auch die schwarzen Stripperinnen in den zahlreichen Reportagen aus den Nachtclubs und Bordellen dieser Welt etwas mehr Haut als ihre weißen Kolleginnen zeigen. Der Begriff Mondo kommt aus dem Italienischen und bedeutet „Welt“. In einigen Filmen sollte ein Verhalten von Menschen dargestellt werden, das so negativ wie nur möglich ist. In Deutschland sind einige dieser Filme wegen ihrer expliziten Gewaltdarstellungen durch Beschlagnahmungsbeschlüsse nach §131 StGB verboten, während sie in der Schweiz und in Österreich häufig erhältlich sind. Als einer der ersten Mondo-Filmer gilt Gualtiero Jacopetti. Sein Werk Mondo Cane war sowohl bei der Kritik als auch beim Publikum sehr erfolgreich. Danach hingen sich etliche Nachahmer ans Zugpferd Jacopetti an und begründeten auf diese Weise ein neues, eigenes Genre. Was bei Jacopetti aber noch einen anklägerischen und aufrüttelnden Impetus hatte, verflachte bei einigen seiner Nachahmer zunehmend zu blutrünstigen Ekelschauen. Auch entstanden später einige Spielfilme, die die Bezeichnung „Mondo“ im deutschen Titel führten; sie sind oft dem Genre des Kannibalenfilms zuzuordnen. Ein bekanntes Beispiel für ist der 1972 erschienene Mondo Cannibale von Umberto Lenzi, der zahlreiche Nachahmer hervorbrachte, etwa Cannibal Holocaust von 1980.
Hammer-Filme
Hammer-Filme wurden von der britischen Hammer-Filmproduktion überwiegend in den 1950er- bis frühen 1970er-Jahren herausgegeben, zumeist angesiedelt im Horror- oder Science-Fiction-Sujet und oft nur mit einem geringen Budget ausgestattet. Dazu gehören mittlerweile zahlreiche Filmklassiker, wie die Dracula-Verfilmungen mit Christopher Lee, der, neben Peter Cushing, einer der Stammschauspieler der Produktionsfirma war. Hammer Films verknüpften als erste Filmgesellschaft die britische Gothic-Tradition mit den blutigen Grausamkeiten des französischen Théâtre du Grand-Guignol. Mit dieser expliziten Darstellung blutiger Details führte Hammer die erste große Genre-Innovation seit den Horror-Filmen der 1930er-Jahre ein, bei denen, im Gegensatz zu den Hammer-Filmen, wenig blutige Details gezeigt wurden. Einer der frühesten Filme der Firma war die 1935 von Regisseur Denison Clift gedrehte Version einer Geschichte um das Geisterschiff „Mary Celeste“ unter dem Titel The Mystery of the Marie Celeste. Unter den Mitwirkenden war Dracula-Darsteller Bela Lugosi, der die Rolle des Anton Lorenzen spielte und dessen Rolle damit anspielt auf das tatsächliche Besatzungsmitglied Volkert Lorenson. Der Film erhielt miserable Kritiken. Seinen Ruf als Spezialist für Horror-Filme begründete Hammer 1957 mit der farbigen Neuverfilmung des Frankenstein-Stoffes nach Mary Shelley. Auf der Suche nach neuen Stoffen bemerkte die Firma, dass seit fast 15 Jahren keine klassische Horrorverfilmung mehr erfolgt war und das alle bisherigen Horrorfilme nur in schwarzweiß vorlagen. Man verlegte die Frankenstein-Handlung in das Viktorianische Zeitalter, verpflichtete einen relativ unbekannten Schauspieler für die Darstellung von Frankensteins Monster (Christopher Lee), der aus rechtlichen Gründen jedoch die Darstellung von Boris Karloff in der bekanntesten Frankenstein-Verfilmung aus dem Jahr 1931 nicht übernehmen durfte (mit seiner neuen Maske jedoch der Buchvorlage mehr entsprach als Karloff) und konzentrierte sich in der Handlung mehr auf die Person des „verrückten Wissenschaftlers“ Frankenstein (Peter Cushing) selbst. Das Konzept von „Frankensteins Fluch“ (The Curse of Frankenstein, 1957) war erfolgreich, sodass schon ein Jahr später „Frankensteins Rache“ (The Revenge of Frankenstein, 1958) in die Kinos gebracht wurde und über die Jahre fünf weitere Epigonen erhielt. Die Firma wird oft fälschlicherweise als Hammer-Studios bezeichnet, doch Hammer ist nur der Name der Produktionsfirma. Die kleine, bis 1970 Hammer-eigene Atelieranlage, in der die meisten Filme entstanden, heißt Bray-Studios in London in der Nähe des Themse-Ufers, bei Windsor. Gedreht wurde aber auch in den größeren Elstree-Studios und Pinewood-Studios. Zahlreiche Filme liegen auf Video oder DVD vor. Von der Filmmusik der Hammer-Filme ist einiges auch auf CD erschienen.
Snuff
Snuff-Film (v. engl. to snuff out = jemanden auslöschen) bezeichnet die filmische Aufzeichnung eines Mordes, der zum Zweck der Unterhaltung des Zuschauers und mit kommerzieller Absicht begangen wurde. Der Zweck des Mordes selbst ist seine Aufzeichnung. Die Aufzeichnungen der Ausführung eines Mordes, die jedoch keine unterhaltende und kommerziellen Absichten verfolgen, bezeichnet man hingegen nicht als Snuff. So sind Hinrichtungsvideos (z. B. die Enthauptung von Nicholas Berg, politische Absicht), zufällige Aufnahmen (z. B. das Attentat auf John F. Kennedy) oder die Aufzeichnung von selbst begangenen Straftaten (z. B. Video vom Fall des „Kannibalen“ Armin Meiwes, ohne kommerzielle Absichten) nicht zu den Snuff-Filmen zu zählen. Das Gleiche gilt für den reißerischen Dokumentarfilm Gesichter des Todes (1978). Auch wenn oft verbreitet wird, es sei noch nie ein echter Snuff-Film sichergestellt worden, gibt es zumindest einen nachgewiesenen Fall. Ein 30-jähriger Russe vertrieb kinderpornographische Videos über das Internet, in denen teilweise auch Kinder vor laufender Kamera zu Tode gefoltert wurden.[1] Ebenfalls im Verdacht, der Produktion von Snuff-Filmen zu dienen, steht die seit Jahren andauernde Mordserie an Frauen und Mädchen in Guatemala. Nachgewiesen werden konnte dies aber bisher nicht. Der Name dieses angeblichen Genres stammt von El Ángel de la muerte, einem argentinischen Horrorfilm, der 1976 in den USA mit dem Titel Snuff auf den Markt kam. In einer der Szenen sollen angeblich die Macher des Films eine der Darstellerinnen brutal umgebracht haben. Dies war aber eine rein fingierte Marketingaussage.
Slasher
Der Slasher-Film oder Slasherfilm (von Englisch to slash = (zer)schneiden, schlitzen) ist ein Subgenre des Horrorfilms. Der Slasherfilm funktioniert oft nach dem selben Muster: Ein Mörder dezimiert eine Gruppe von Personen, bevorzugt Teenager, Highschool-Schüler und Babysitter, mit einem Messer oder anderen Hieb- oder Stichwaffen. Vielfach wird der Slasher interpretiert als ein Genre, das reaktionäre Moralvorstellungen propagiert, da der Killer oft ein „Fehlverhalten“ der Teenager (Drogenmissbrauch, vorehelicher Sex etc.) mit dem Tode ahndet. Genauso lässt sich das Genre lesen als eine dystopische Erzählung vom Ende der Kindheit, in dem auf das Erwachen der Sexualität und damit den Eintritt ins Erwachsenenalter nur noch der Tod folgt. Die Wurzeln des Slasher-Genres liegen in Filmen wie Peeping Tom (1960), Psycho (1960) oder Bay of Blood (1971). Als Begründer des Genres im engeren Sinn gilt John Carpenters Film Halloween (1978), dessen Erfolg eine Vielzahl von Nachahmern hervorrief, die die Handlungsmuster von Halloween imitierten und so erst den Genre-Zyklus schufen. Zu den bekanntesten Slashern in der Tradition von Halloween zählen die Filme der Freitag-der-13.-Reihe. Während frühe Slasher auf eine Identifikation mit den Opfern ausgelegt sind, verschiebt sich dieser Fokus während der 80er Jahre zugunsten der Killerfiguren. Diese werden durch ihre comichafte Überzeichnung zu den eigentlichen Protagonisten, ihre Opfer dagegen durch die schablonenhafte Charakterisierung zu Statisten für möglichst phantasievolle Morde. In den 1990ern erlebte das Genre eine Renaissance durch Filme wie Scream und Ich weiß, was du letzten Sommer getan hast, die das Genre und seine Konventionen zum Teil der Handlung machten.
Splatter & Gore
Splatter: Als Splatter bezeichnet man eine Art des Horrorfilms, bei der die Darstellung von exzessiver Gewalt und Blut im Vordergrund steht. Der Begriff Splatter ist eine Amalgamierung, die sich aus den englischen Wörtern to splash und to spatter zusammensetzt, welche beide „spritzen“ bedeuten. Vom Splatter, welcher auf die konkreten Akte der Gewalt wie Verletzung oder Zerstückelung fixiert ist, unterscheidet sich der sogenannte Gore (englisch für „geronnenes Blut“ und „durchbohren, aufspießen“), der sein Augenmerk mehr auf das fertige Ergebnis dieser Akte, sowie auf detailliert inszenierte Ausweidungen legt. Eine genaue Differenzierung fällt allerdings in den meisten Fällen schwer, da beide Formen oft ineinander über gehen. Splatter oder Gore sind zudem nicht auf den Horrorfilm beschränkt, vielmehr finden sich entsprechende Elemente in den verschiedensten Genres. „Splatterfilme“ bilden daher nicht so sehr ein eigenes Genre, sondern bezeichnen eine allgemeine Strategie affektorientierter filmischer Körperdarstellung. Explizite Gewaltdarstellungen wie im Splatterfilm galten lange Zeit als Schund und waren verpönt. In der Filmgeschichte tauchen sie zuerst in den Avantgarde-Filmen des Surrealismus auf. Beim Surrealisten Luis Buñuel gibt es im Kurzfilm Un Chien Andalou (Ein andalusischer Hund) von 1928 eine berühmte Szene, in der ein Auge mit einer Rasierklinge zerschnitten wird. In den ersten Gruselfilmen der britischen Hammer Studios wird in den späten 1950er Jahren erstmals explizit rotes Blut auf der Leinwand vergossen. Filme wie The Curse of Frankenstein (1957) und Dracula (1958) (beide mit den Horror-Ikonen Peter Cushing und Christopher Lee) präsentieren abgetrennte Körperteile und schmelzende Körper. Wenngleich die Filme dieses Produktionszusammenhangs kaum als Splatterfilme im Sinne des Wortes bezeichnet werden können, sind sie als Wegbereiter und Ahnen des Splatterfilms unmittelbar von Belang. Als erster Splatterfilm der Geschichte wird Blood Feast (1963) von Herschell Gordon Lewis angesehen. Die Handlung dreht sich um einen Mann, der unter dem Bann der babylonischen Gottheit Ishtar steht und für ein religiöses Festmahl (engl.: „feast“) allerlei menschliche Körperteile beschaffen muss – durch blutige Morde an attraktiven Frauen, die er mit seinem Fleischermesser in Stücke schneidet. Die Morde werden ausgesprochen explizit dargestellt (so z.B. das Herausreißen einer Zunge bei vollem Bewusstsein des Opfers oder das Abtrennen eines Beines), doch wirken die Szenen aufgrund der budgetbedingt schlechten Special- und Make-up-Effects eher amüsant und naiv. Das Genre fristet noch lange ein Schattendasein. In Japan, wo Darstellungen von Gewalt und Blut schon aus kunsthistorischen Gründen weit weniger problematisch sind, gab es jedoch schon zuvor Filme, die extreme Gewalteinwirkung explizit und quasi-naturalistisch zeigten. Im Westen sind diese Filme jedoch weitgehend unbekannt. Für die Tradition und Geschichte des westlichen Splatterfilms sind diese deshalb kaum von Bedeutung. Den Prototypen des modernen Horror- und Splatterfilms schuf 1968 George A. Romero mit seinem einflussreichen und stilbildenden Werk Night of the Living Dead (dt: Die Nacht der lebenden Toten). Aus unerklärlichen Gründen erheben sich die Toten aus ihren Gräbern und fallen als Zombies über die Menschen her. In einem abgelegenen Landhaus verschanzt sich eine Gruppe wild zusammengewürfelter Überlebender, um sich gegen die lebenden Toten zur Wehr zu setzen. Doch die Gruppe scheitert am Misstrauen untereinander: Jeder Versuch, dem Tod zu entkommen, bringt die Gruppe ihm nur näher. Der Film zeichnet sich durch eine düstere, apokalyptische Atmosphäre aus, die bis heute ihre Wirkung nicht verfehlt. Der gesellschaftskritische Subtext tritt vor allem zum Ende hin deutlich in den Vordergrund. Der seinerzeit verrissene Film gilt heute als einflussreicher Meilenstein des Genres und ist aus der Filmgeschichte nicht wegzudenken. Die 1970er Jahre brachten unter anderem die Genese des „Terrorfilms“ mit sich. Filme wie The Texas Chain Saw Massacre (1974, Tobe Hooper) und The Last House on the Left (1972, Wes Craven) brachen endgültig mit Wesen aus der Welt der Phantastik und verorteten den Horror direkt in der Nachbarschaft. Dracula, Frankenstein und die Mumie hatten ihren Reiz schon lange verloren, an ihre Stellen traten blutrünstige Psychopathen und Kannibalen, die mit Motorsägen und Metzgerswerkzeug meist jugendlichen Opfern auf den Leib rückten. Wie die Welle der politischen Paranoiafilme im offiziellen Kinobetrieb passten diese kleinen Filme zum sozialen Klima der USA in den frühen 70er Jahren: Unter den Eindrücken von Vietnam, der Niederschlagung der Studenten- und Bürgerrechtsbewegung auf den Straßen, zahlreichen politischen Attentaten und Korruptionsskandalen in den oberen Rängen der Regierung wuchs die Unzufriedenheit unter den Menschen. Eine junge Generation zorniger Filmemacher verlieh ihrem latent apokalyptischen Grundgefühl in ihren Filmen primären Ausdruck. Adam Simons Dokumentarfilm The American Nightmare (2000) arbeitet diesen Aspekt der Splatterfilme der 70er-Jahre anschaulich heraus. In Italien geht der Splatterfilm eigene Wege. Nach dem international großen Erfolg von Romeros zweitem Zombiefilm Dawn of the Dead (dt.: Zombie, auch Zombies im Kaufhaus, 1978), dessen europäische Fassung von Dario Argento geschnitten wurde, schneidert der italienische Regisseur Lucio Fulci kurzerhand ein inoffizielles Sequel unter dem Titel Zombi 2 (dt.: Woodoo – Die Schreckensinsel der Zombies, 1979), der jedoch inhaltlich und narrativ nichts mit Romeros Film gemein hat. Zuvor hatte bereits Argento mit seinem gotischen Hexenfilm Suspiria (1977) das Körperinnere des Menschen in überdeutlicher Optik ins Bild gerückt. Das Genre des Zombiefilms erweist sich in Italien als veritables Geschäft: Unzählige Plagiate und Variationen, die sich gegenseitig im Härtegrad der Darstellung zu übertrumpfen suchen, folgen. Als zweiter Arm des italienischen Splatterfilms entwickelt sich bald der Mondo- bzw. Kannibalenfilm: Mit oft vorgeheucheltem ethnologischen Interesse begibt man sich in die Dschungel der noch unerforschten Welt, um die Grausamkeiten der unzivilisierten Völker auf Zelluloid zu bannen, die für gewöhnlich jedoch vor allem in den Büros der Produzenten und Drehbuchschreiber ersonnen wurden. Als wegen seiner Tiertötungs-Szenen bekanntestes Werk dieser Art gilt Ruggero Deodatos 1979 erschienener Cannibal Holocaust, der sich trotz seiner eigenen Blutrünstigkeit zur moralischen Kritik an der Sensationslust der Massenmedien aufschwingt. Allgemein herrscht im Kannibalenfilm vor allem inszenatorische und ästhetische Armut und stumpfe Brutalität vor; oft wurden ganze Sequenzen aus anderen Kannibalenfilmen eingefügt, um Geld zu sparen. Bis heute ist das Subgenre aufgrund seiner realen Tierschlachtungen vor laufender Kamera auch unter Splatterfans höchst umstritten. In den 80er Jahren verkommt der italienische Splatterfilm, analog zur sonstigen, einst so vitalen italienischen Filmproduktion, zum Billigprodukt für Videotheken. Eine zentrale Rolle im US-Splatterfilm nimmt Sam Raimis The Evil Dead (1982, deutscher Titel: Tanz der Teufel) ein. Nach den ernsten, apokalyptischen Splatterfilmen der 70er Jahre, lässt dieser Film bereits den Weg zum zukünftigen „Funsplatter“ erkennen, bleibt dabei aber düster genug, um noch nicht als Komödie durchzugehen. Wirkungsvoll inszeniert, erweist sich Tanz der Teufel vor allem auch durch seine experimentelle Kameraführung als Meisterwerk des Genres und genießt seit langer Zeit Kultstatus. In Deutschland erlangte der Film als Reizgegenstand einer langjährigen Zensurdebatte Prominenz und entwickelt sich aufgrund zahlreicher Verbote für lange Zeit zum gesuchtesten und vermutlich auch meist gesehenen Splatterfilm. Vor allem in der provinziellen Videoszene galten verrauschte Kopien x-ter Generation lange Zeit als begehrte Statussymbole, unzensierte Importe aus dem Ausland erzielten Höchstpreise. Seit einem Gerichtsurteil in den frühen 90er Jahren ist der Film in Deutschland in einer um etwa 40 Sekunden geschnittenen Fassung wieder zugänglich. Die 1980er Jahre, geprägt auch von der Entwicklung des Heimvideo-Marktes, waren von einer unübersehbaren Schwemme äußerst brutaler und blutrünstiger Splatter- und Gore-Filme geprägt, die insbesondere in Italien Hochkonjunktur hatten. Regisseure wie Lucio Fulci reizten in filmisch eher anspruchslosen Billigproduktionen die Grenzen des Darstellbaren aus und zeigten ausführlich und detailliert Zerstückelungen, Ausweidungen und andere Ekeleffekte. Insbesondere in Deutschland führten derartige Werke nicht selten zu Indizierungen und Beschlagnahmungen nach §131 StGB. In den späten 80er Jahren schlug die Blutrünstigkeit und Brutalität der Gore-Filme schließlich ins Parodistische um und führte zu einer Abkehr von der düsteren Schwere der Zombiefilme. Filme wie Re-Animator (1985), The Texas Chainsaw Massacre Part 2 (1986) oder die Nightmare on Elm Street-Saga um Freddy Krueger (1984) machten den Splatterfilm auch für das „Popcornkino“ wieder genießbar(er). Im Jahr 1987 kamen in Neuseeland schließlich die Dreharbeiten von Bad Taste zum Abschluss: Peter Jackson etablierte hier unter Rückgriff auf das Alien-Invasionskino vollends den Begriff des „Funsplatters“, der den Splatter in die Nähe des Slapsticks brachte und auch den Begriff des „Splatsticks“ prägte. Der Splatstick schafft die perfekte Vereinigung von Slapstickeinlagen gepaart mit exzessivem Einsatz von Bluteffekten. Bad Taste (1987) und vor allem der spätere Braindead (1992) sind hierfür klassische Beispiele. Der mit ein paar Freunden privat an Wochenenden gedrehte Bad Taste wurde auf internationalen Festivals zum absoluten Kultfilm. Mit Day of the Dead drehte George A. Romero 1985 den dritten Teil und düstersten Teil seiner Zombiefilm-Reihe, der jedoch nicht an den Erfolg der ersten beiden Teile heranreichen konnte. Ebenfalls 1985 erschien mit Guinea Pig – Devil's Experiment von Hideshi Hino einer der brutalsten Splatterfilme überhaupt. Der Film, der im Stil eines Amateurfilms die Folterung einer wehrlosen Frau durch einige Jugendliche zeigt, sowie sein noch brutalerer Nachfolger Guinea Pig 2 – Flowers of Flesh and Blood (1985) gilt in vielen Foren noch heute als brutalster, heftigster und „krankester“ Horrorfilm aller Zeiten. In beiden Filmen wird dem Zuschauer suggeriert, es handle sich um einen Snuff-Film (also eine reale und nicht nur fiktive Tötung im Film), was jedoch nicht den Tatsachen entspricht. 1992 inszenierte Peter Jackson, wie bereits erwähnt, mit Braindead den Höhepunkt des „Funsplatters“. Bis heute trägt der Film den Titel „blutigster Film aller Zeiten“, wobei die Zombie-Revue in erster Linie als eine Art Tom & Jerry für Erwachsene angelegt ist und durch eine Vielzahl von hyperbolischen Gags eher zum Lachen als zum Ekeln anregt. In Deutschland ist er aufgrund seiner dennoch äußerst expliziten Gewaltdarstellung trotzdem Gegenstand zahlreicher zensierender Beschlüsse: Selbst stark gekürzte Fassungen werden regelmäßig von Amtsgerichten beschlagnahmt. Auf internationalem Parkett sicherte der ungemeine Erfolg von Braindead seinem Regisseur hinreichend Renommée, um auch ernstere Filme (u. a. Heavenly Creatures) und letzten Endes auch die Verfilmung von Tolkiens Herr der Ringe anzugehen. In den 90er Jahren erreichte Splatter als ästhetische Strategie schließlich auch das Mainstreamkino jenseits genuiner Horrorfilmproduktionen. Filme wie Natural Born Killers (1994), From Dusk Till Dawn (1996) oder Starship Troopers (1997) sowie in gewissem Sinne auch Mel Gibsons umstrittener Jesusfilm Die Passion Christi wären ohne die Vorarbeiten des Splatterkinos in dieser Form kaum denkbar. Postmoderne TV-Serien wie die Simpsons adeln das Genre durch zitierende Verweise und Gastauftritte von Protagonisten (u. a. Tom Savini, der für zahlreiche Splatterklassiker die Make-up-Effects erstellte); zahlreiche der frühen Splatterpioniere sind mittlerweile in Hollywood als seriöse Filmschaffende etabliert. In jüngster Zeit feierte das Splatterkino mit zahlreichen Remakes „klassischer Splatterfilme“ ein Revival. Nach der blut- und spannungsarmen Produktion Wrong Turn, die an den Hinterland-Horror à la The Texas Chain Saw Massacre anzuschließen versuchte, erfuhren Dawn of the Dead und The Texas Chain Saw Massacre in zeitlicher Nähe zueinander Neuauflagen, die auch beim kritischen Fanpublikum Anerkennung fanden: Dawn of the Dead (2004) und Michael Bay’s Texas Chainsaw Massacre (2003). Ebenfalls auf teilweise positive Kritiken stieß Alexandre Ajas Remake des Films The Hills Have Eyes (1977) von Wes Craven, The Hills Have Eyes (2006). Aja drehte 2003 auch den vielbeachteten (jedoch in Deutschland indizierten) Splatterfilm Haute Tension, der von Rezensenten recht positiv aufgenommen wurde. Rob Zombies Splatter-Revue Haus der 1000 Leichen (2003) fiel bei der Kritik dagegen zwar durch, ist aber für die Fans als verweisreiche, liebevoll gestaltete Hommage decodierbar. 2005 drehte Rob Zombie das Sequel The Devil's Rejects, welches allerdings nicht an de Erfolge seines Vorgängers anknüpfen konnte. 2006 kam schließlich der Film Hostel in die Kinos, der in seiner Gewaltdarstellung an japanische Produktionen wie Ichi The Killer erinnert. Jenseits dieser großen A-Produktionen fristet der Splatter- und Horrorfilm auch weiterhin ein Nischendasein: Weltweit wurden und werden zahlreiche kleine Horror- und Splatterfilme produziert, die abseits der Filmöffentlichkeit auf Events wie dem jährlichen Fantasy Filmfest einem Fanpublikum präsentiert werden. Splatter- und Gorefilme rufen wie kaum eine andere Art von Filmen (ausgenommen vielleicht Pornografie) zwiespältige Reaktionen und zum Teil deutliche Ablehnung hervor. So gelten die blutrünstigen, agressionsgeladenen und oft mit dem Gefühl des Ekels spielenden Werke vielen Rezipienten als geschmacklos, wenn nicht pervers oder „krank“. Meist besitzen einzelne Splatterfilme, vor allem im B-Movie-Bereich, eine kleine, aber umso enthusiastischere Fangemeinde, während sie vom Mainstream-Publikum oft gar nicht zur Kenntnis genommen werden. Die Wirkung von Splatterfilmen auf die Rezipienten ist umstritten. Viele Wirkungstheorien gehen entweder davon aus, dass der Zuschauer von bereits vorhandenen Aggressionen befreit wird („Katharsis-Hypothese“), oder dass er sich umgekehrt an Gewalt gewöhnt oder gar zu Gewalttaten angeregt werde („Konditionierungs-Hypothese“). Die Beurteilung des Zusammenhangs von medialer und realer Gewalt ist jedoch in der Wissenschaft sehr umstritten, wie sich gegenwärtig auch an der ähnlich gelagerten Diskussion um die von einigen Politikern so genannten „Killerspiele“ beobachten lässt. Als gesellschaftlicher Konsens gilt, dass insbesondere jüngere Kinder Probleme haben, die Konfrontation mit medialer Gewalt adäquat emotional zu verarbeiten, auch wenn über die genauen Folgen diesbezüglich Uneinigkeit herrscht. Weil sie an tief verankerte soziale Normen und Tabus rührt, wird die Darstellung von Gewalt im Film in nahezu allen Gesellschaften – jedoch mit recht unterschiedlicher Ausprägung – politisch reglementiert und gegebenenfalls zensiert. Deshalb werden die meisten Splatterfilme, die ja wesentlich auf dem Stilmerkmal expliziter Gewaltdarstellung beruhen, dem Publikum nur in gekürzten Fassungen und/oder unter bestimmten Altersbeschränkungen gezeigt. Hierbei hat sich über die Freiwillige Selbstkontrolle der Filmwirtschaft (FSK) sowie die ähnlich funktionierende SPIO ein allgemeiner Kodex zur Abstufung von Altersfreigaben herausgebildet. Die meisten Splatterfilme sind in Deutschland erst ab 18 (seltener bereits ab 16) Jahren freigegeben, um Minderjährige vor der emotional verstörenden und psychisch traumatisierenden Wirkung allzu brutaler filmischer Gewalt zu schützen. Wenn ein (geschnittener oder ungeschnittener) Film selbst für über 18-Jährige nicht mehr freigegeben wird – bei Splatterfilmen durchaus keine Seltenheit –, darf er nicht mehr offen vertrieben oder beworben werden und gilt dann als indiziert. Der einschlägige Gesetzesparagraf, der in solchen Fällen zur Anwendung kommt, ist in Deutschland §131 des Strafgesetzbuches, der den Straftatbestand der „Gewaltdarstellung“ bzw. genauer der Gewaltverherrlichung oder Gewaltverharmlosung regelt. Vertrieb und Weitergabe indizierter Filme an Minderjährige können strafrechtlich verfolgt und mit Freiheitsstrafen von bis zu einem Jahr belegt werden. Die gelegentlich kritisierte Praxis der Zensur bzw. Kürzung, Indizierung und gegebenenfalls Beschlagnahmung von Filmen – in Deutschland über die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien organisiert – dient vor allem dem Jugendschutz, ist jedoch nicht unumstritten. Gore: Ähnlich wie beim Splatter, eine visuelle und affektorientierte Strategie der filmischen Körperdarstellung bezeichnet, die jedoch im Gegensatz zum Splatter ihr Hauptaugenmerk weniger auf das Zeigen von Gewalt richtet, sondern mehr auf deren Ergebnis. Während der Akt des Verletzens im Mittelpunkt des Splatters steht, wird beim Gore das Ergebnis in farbigen, klinisch detaillierten Groß-, Nah- und Detailaufnahmen präsentiert. Totale Zerstückelungen, Ausweidungen, das Herausquellen von Organen sowie das Waten in den Eingeweiden der Filmopfer finden hier ihren Platz. Beim Gore wird mehr erwartet als einfach nur spritzendes Blut. Eine genaue Differenzierung zwischen Splatter und Gore fällt allerdings in den meisten Fällen schwer, oft werden die Begriffe synonym verwendet. Da eine genaue Differenzierung zwischen Splatter und Gore kaum stattfindet, fällt die Geschichte des Gore mit der des Splatters zusammen. „Erfunden“ wurde der Gorefilm von Herschell Gordon Lewis. Die Idee kam ihm, als er sich einen Gangsterfilm ansah, in dem ein Mann durch eine Maschinengewehrsalve zu Boden gestreckt wurde, was jedoch recht unspektakulär in Szene gesetzt war, da sich der Mann nur an die Brust fasste und kurz darauf tot umfiel. Lewis erkannte, wie unrealistisch dies nur sein konnte. Mit dem Produzenten David F. Friedman entwickelte Lewis früher während der Dreharbeiten zu Bell, Bare and Beautyful (1963) die Idee zu Blood Feast, der wenig später als erster Gorefilm in die Filmgeschichte eingehen sollte. Er handelt von dem irren Mörder Fuad Ramses, der jungen Mädchen auflauert und diese um ihre Körperteile erleichtert, um die ägyptische Göttin Ishtar zu erwecken. Blood Feast (1963) ist kein inszenatorisches Meisterwerk: die Darsteller sind schlecht und die Gore-Effekte auf dem niedrigsten technischen Niveau, sie wirken extrem billig und sind schlecht gemacht. Trotzdem wurde Blood Feast ein Hit und erwirtschaftete bei 24.000 US-Dollar Produktionskosten in den letzten Jahren mehr als 6,5 Millionen Dollar. Der Film war so erfolgreich, dass Friedman und Lewis die Gorefilme Two Thousand Maniacs (1964) und Color Me Blood Red (1964) hinterherschoben, welche zusammen mit Blood Feast die heute legendäre Blut-Trilogie ergeben. Es folgten noch weitere Filme wie Moonshine Mountain (1964, enthielt jedoch recht wenig Gore), A Taste of Blood (1967), The Gruesome Twosome (1967), She-Devils on Wheels (1968), Just for the Hell of It (1968), The Wizard of Gore (1970), This Stuff 'll Kill Ya (1971), The Gore-Gore Girls (1972) u.v.m., bis sich Lewis für lange Zeit zur Ruhe setzte und sich erst 2002 als Produzent von Blood Feast 2: All U Can Eat und 2001 Maniacs erfolgreich zurückmeldete. Die 70er und frühen 80er waren indes geprägt vom berüchtigten Kannibalenfilm. Den Startschuss gab Umberto Lenzi mit seinem Film Mondo Cannibale (1972), dem 1978 Ruggero Deodatos Mondo Cannibale 2 – Der Vogelmensch folgte. Wie in unzählig anderen Kannibalenfilmen der damaligen Zeit (Die weiße Göttin der Kannibalen, R.: Sergio Martino, 1977; Lebendig gefressen, R.: Lenzi, 1980; Cannibal Ferox (Die Rache der Kannibalen), ebenfalls von Lenzi, 1981) ließen auch hier die Regisseure vor der Kamera Tiere abschlachten, um eine Art „Hyperrealismus“ und die Wildheit der Natur darzustellen. 1979 schließlich folgte Cannibal Holocaust (Nackt und zerfleischt) von Ruggero Deodato, der als „Höhepunkt“ des Kannibalengenres gilt: Eine Arbeitsgemeinschaft aus Dokumentarfilmern untersucht den südamerikanischen Dschungel, um die Existenz von Kannibalen zu beweisen. Bei ihren Ermittlungen gehen sie jedoch zu weit und werden schließlich selbst Opfer der gefräßigen Eingeborenen. Ein Anthropologe findet die Leichen der Fernsehfilmer und deren Aufzeichnungen. Bei der Betrachtung des Filmmaterials entpuppen sich diese als Sadisten, die die Ureinwohner grausam misshandelten. Cannibal Holocaust ist ein kontroverser Film, nicht zuletzt aufgrund seiner vielen real stattgefundenen Tiertötungen. So ließ Deodato z.B. eine Schildkröte köpfen und ausweiden, was auf Film gebannt wurde und minutenlang zu sehen ist. Die Tiertötungen führten anschließend in Italien zu einem Prozess wegen Tierquälerei gegen ihn, in dessen Verlauf auch der Verdacht aufkam, Deodato habe für Cannibal Holocaust nicht nur Tiere, sondern auch Menschen getötet. So wurde ihm bei der Premiere seines Filmes vorgeworfen, Indios abgeschlachtet zu haben. Tatsächlich wurde bis auf die Tiere in Cannibal Holocaust niemand getötet und der Regisseur wurde vom Gericht freigesprochen, allerdings kostete ihn der Prozess um die 50.000 US-Dollar. Cannibal Holocaust wird auch heute noch kontrovers diskutiert, Austragungsort sind meist Filmforen. Seine Befürworter loben ihn seiner (angeblich) vorhandenen Gesellschaftskritik wegen. Er biete, anders als die meisten anderen Vertreter seiner Art, eine durchdachte Story und würde aufgrund dieser (Dokumentarfilmer, die für eine Story die sadistischen Taten vollbringen würden) gekonnt Sensationsjournalismus und allgemein Gewalt in den Medien anprangern. Die Gegner dieses Films führen jedoch immer wieder die vielen Tiertötungen an, mit denen Deodato die eigene Aussage seines Films, nämlich die, dass Gewalt in den Medien überpräsent sei, selbst bestätigt habe und die weitere Aussage, dass Gewalt medial nicht so überpräsent sein sollte, zerstört habe. Befürworter wiederum führen an, dass die Gegner des Films aufgrund ihrer Argumentation in letzter Konsequenz auch kein Fleisch mehr essen dürften, dass es mit dem Film nichts anderes sei, als wenn man eine Dokumentation in einer Metzgerei drehen würde und dass die Schildkröte nicht habe leiden müssen, da im Film eine professionelle Schlachtung gezeigt werde. Außerdem habe man die Schildkröte nach ihrer Tötung verzehrt. Das Kannibalengenre hielt sich nur von Ende der 70er bis Mitte der 80er und starb schließlich aus. Gründe hierfür waren die ewig gleichen Handlungen, die schlecht gespielten Charaktere und die vielen Tiertötungen. Einen weiteren Eckpfeiler in der Geschichte des Gore stellt der Zombiefilm dar. Angefangen mit Die Nacht der lebenden Toten (Originaltitel: Night of the Living Dead, George A. Romero, USA, 1968), Dawn of the Dead (George A. Romero, Italien/USA, 1978) und Day of the Dead (George A. Romero, USA, 1985) wurde eine regelrechte Zombie-Welle losgetreten. Italien produzierte nun Gore-Filme am Fließband, hier sind z.B. Ein Zombie hing am Glockenseil (Lucio Fulci, Italien, 1980), Woodoo - Schreckensinsel der Zombies (Fulci, Italien, 1979), Großangriff der Zombies (Umberto Lenzi, Italien/Spanien, 1980) oder In der Gewalt der Zombies (Joe D'Amato, Italien, 1981) zu nennen. Als Hommage an die große Zeit des italienischen Horrorfilms kann man schlussendlich Dellamorte Dellamore (Michele Soavi, Frankreich/Italien, 1993) sehen. War man in Italien in Sachen Gore schon nicht gerade zimperlich, so stand auch der ferne Osten dem in nichts nach: In Guinea Pig - Devil's Experiment (Hideshi Hino, Japan, 1985), einem der wohl kontroversesten Filme aller Zeiten (45 Minuten ist die Folterung einer wehrlosen Frau durch drei männliche Jugendliche zu sehen), sieht man als Höhepunkt des Gore, wie ein Auge mit einer Nadel durchstochen wird. In den Schatten gestellt wurde der erste Teil dann durch seinen noch brutaleren Nachfolger, Guinea Pig 2 - Flowers of Flesh and Blood (Hideshi Hino, Japan, 1985), in dem ein als Samurai verkleideter Psychopath langsam eine unter Drogen gesetzte gefesselte Frau zerstückelt. Guinea Pig 2 - Flowers of Flesh and Blood wurde von dem berühmten amerikanischen Schauspieler Charlie Sheen auf einer Party gesehen, woraufhin dieser - da er den Film für Snuff hielt - die MPAA einschaltete, welche wiederum das FBI kontaktierte, welches dann auch Ermittlungen anstellte und herausfand, dass es sich bei dem gezeigten Material nicht um eine reale Tötung handelte. Die Macher des Filmes brachten später ein Making-of heraus um zu beweisen, dass der Film kein Snuff ist. Sowohl Guinea Pig - Devil's Experiment als auch sein Nachfolger geben im Vorspann an, auf authentischen Filmdokumenten zu beruhen, die lediglich nachgedreht worden seien. Ob es aber - wie in den Vorspännen behauptet - wirklich diese Snuff-Filme gegeben hat, die dem Regisseur Hideshi Hino und der Polizei angeblich zugesandt wurden, oder ob es sich um eine ausgeklügelte Marketing-Strategie handelte, kann hier nicht beantwortet werden. Neben der Guinea Pig-Reihe ist noch der Historiengore Oxen Split Torturing (Yuji Makiguchi, Japan, 1976) zu erwähnen, der sich in äußerst brutalen Goreszenen (eine Frau wird von Ochsen zerrissen) ergeht. Eine Besonderheit des Gore in Anime oder Manga ist das sog. „Guro“ bzw. „Ero-Guro“ (von "Erotic Grotesque"). Hier hat die Gewalt einen sexuellen, oft Frauen unterdrückenden Aspekt.
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