
Galaxien im Computer nachbauen
Galaxien sind ungeheuer komplexe Systeme. Versucht man sie zu simulieren, kann man sich - mangels ausreichender Computerleistung - in der Regel nur auf Teilaspekte ihrer Entwicklung konzentrieren. Mit Hilfe von Supercomputern wollen Astrophysiker aus Wien dies nun ändern und schlagen dazu auch den Aufbau eines eigenen österreichischen Höchstleistungsrechenzentrums vor.
Das Universum ist in Bewegung: Nicht nur, dass es sich immer weiter ausdehnt, auch neue Strukturen wie Sterne und Galaxien entstehen dabei. Das Leben dieser Galaxien ist Gegenstand des Forschungsprojekts "Computational Astrophysics" des Astrophysikers Gerhard Hensler. Im Rahmen des Universitären Forschungsschwerpunkts "Rechnergestützte Wissenschaften" an der Universität Wien arbeitet das Team um Hensler dabei allerdings nicht mit Teleskopen, sondern mit Rechnerclustern, die über ganz Europa verteilt sind und deren Kapazität größer ist als die aller Rechner Österreichs zusammengenommen.
Die Dimensionen der Objekte - Sterne und Galaxien -, die der Vorstand des Instituts für Astronomie und Leiter des Projekts "Computational Astrophysics", Gerhard Hensler, erforscht, sind für das normale menschliche Vorstellungsvermögen schwer fassbar. Allein die Milchstraße, die "Heimatgalaxie" unseres Planetensystems, misst im Durchmesser rund 100.000 Lichtjahre und beherbergt 100 Milliarden Sterne und wahrscheinlich Millionen Planetensysteme wie das unsere. "Galaxien sind unvorstellbar große Gebilde, die einen permanenten Veränderungsprozess durchlaufen. Die einzige Möglichkeit, sie zu beschreiben, ist die Simulierung bzw. Modellierung am Computer. Und diese wollen wir im Zuge des Projekts optimieren", erklärt Hensler.
Als Ausgangspunkt dienen Objekte im All, die nur durch Teleskope betrachtet werden können. Und genau jene Beobachtungen werden am Computer "nachgebaut", um beides, Realität und Modell, miteinander zu vergleichen - aber auch, um Vergangenheit und Zukunft, sprich Geburt und Tod von Sternensystemen zu simulieren. "Das sind unglaublich komplexe und langwierige Vorgänge. Zuerst müssen wir die Galaxienbedingungen für den Computer vorbereiten. Dazu zerteilen wir sie in Millionen von Gebieten, dann geben wir die sie beeinflussenden inneren und äußeren Kräfte und Prozesse ein, wie etwa Gravitation, Abkühlung, Erwärmung oder Gaszusammensetzung. Nun wird jeder Bereich für einen begrenzten Zeitschritt an einem einzelnen Prozessor des Computers durchgerechnet und danach mit allen anderen verbunden. Dadurch werden die globalen Einflüsse der Bereiche ermittelt, bevor alles wieder parallel auf die Prozessoren verteilt wird. Der jeweilige Status des Modells ist während des Rechenvorgangs jederzeit abrufbar. Am Schluss steht das fertige Modell einer Galaxieentwicklung", so Hensler.
Bis dato gibt es allerdings kein einziges Programm, mit dem es möglich ist, Objekte im All in all seinen Facetten zu berechnen. "Es gibt viele Programme, die ganz unterschiedliche Gesichtspunkte behandeln. So kann etwa mit einem Programm Sternentstehung unter der Eigengravitation einer Gaswolke, mit einem anderen etwa die Gaszusammensetzung und mit einem weiteren die Dynamik der Galaxie berechnet werden. Diese Aufteilung kostet unglaublich viel Zeit, da wir zuerst alle Details einzeln untersuchen müssen, um sie am Ende zusammenzufügen", meint Hensler.
"Wir benötigen für unsere Forschungen unglaublich schnelle Computer mit enorm hohen Kapazitäten", so Gerhard Hensler. Die Hauptmodellierungen müssen an Hochleistungsrechenzentren - so genannten High-perfomance Computing (HPC)-Zentren - erfolgen. Hensler wünscht sich, dass der Forschungsstandort Österreich auch in diesem Bereich zukünftig eine größere Rolle spielt. Und dazu schwebt dem Astrophysiker schon ein Konzept vor. Für ihn wäre der Idealfall die Errichtung eines Österreich weiten Höchstleistungsrechenzentrums: "Daran könnten dann alle Fachrichtungen wie Physik, Mathematik, Chemie, Klimaforschung oder Biologie interdisziplinär teilhaben." [Quelle: Astronews]

Warum eine Matrix bauen?
Zweck der Matrix
Warum die Matrix? Warum haben es die Maschinen getan? (Das menschliche Gehirn kann vieles sein, eine leistungsfähige Batterie ist es jedoch ganz sicher nicht.) Wie ließe sich eine Welt rechtfertigen, deren Bewohner systematisch über ihre fundamentale Realität getäuscht werden, die gar nicht wissen, warum sie existieren, und die all den Grausamkeiten und Leiden ausgesetzt sind, die wir in der Welt um uns herum erleben? Kinder sterben an AIDS. Liebespaare werden durch Krieg und Armut getrennt. Krebspatienten werden von unerträglichen Schmerzen gequält. Opfer eines Schlaganfalls verlieren Sprache und Denkvermögen... Man möchte meinen, nur ein Sadist könnte die Phantasie besitzen und sich solche Gräuel ausdenken oder sogar den Wunsch haben, eine Welt zu schaffen, in der all das in solchem Übermaß vorkommt. Aber die Maschinen haben es getan. Zumindest wird es so erzählt.
Auch wenn die von ihnen geschaffene Welt der Matrix alles andere als perfekt ist, so ist sie doch - aber darüber kann man streiten - besser als gar keine Welt, die Austilgung aller Menschen. Allerdings hätten die Maschinen doch auch eine Welt schaffen können, in der es viel mehr Güte, Glück, Weisheit, persönliches Aufblühen, Liebe und Schönheit gibt, eine Welt ohne die meisten natürlichen und vom Menschen gemachten Übel, die unsere Welt prägen. Wie es heißt, haben sie es sogar versucht, aber angeblich hat es nicht funktioniert.
Agent Smith: "Wussten Sie, dass die erste Matrix als perfekte Welt geplant war, in der kein Mensch hätte leiden müssen? Ein rundum glückliches Leben. Es war ein Desaster. Die Menschen haben das Programm nicht angenommen. Es fielen ganze Ernten aus. Einige von uns glauben, wir hätten nicht die richtige Programmiersprache, Euch eine perfekte Welt zu schaffen, aber ich glaube, dass die Spezies Mensch ihre Wirklichkeit durch Kummer und Leid definiert. Die perfekte Welt war also nur ein Traum, aus dem Euer primitives Gehirn aufzuwachen versuchte. Die Matrix wurde neu designed, zu dem, was sie heute ist, der Höhepunkt Eurer Zivilisation."
Das Vorhandensein unnötigen Elends ist eines der schlagendsten Argumente gegen die Ansicht, dass die Welt von einem allmächtigen, allwissenden und gänzlich gütigen Gott erschaffen wurde. Über Jahrhunderte haben Theologen versucht, eine Antwort darauf zu finden - mit sehr fragwürdigem Erfolg. Aber das Problem des Elends ist nur dann ein Problem, wenn man annimmt, dass die Welt von einem allmächtigen und gänzlich gütigen Wesen erschaffen wurde. Geht man hingegen davon aus, dass der Schöpfer nicht gänzlich gütig und möglicherweise noch nicht einmal allmächtig war, wäre es weitaus einfacher, sich mit dem Gedanken anzufreunden, dass unsere Welt mit ihren scheinbar offensichtlichen ethischen Mängeln erschaffen worden ist.
Und was ist mit Ihnen? Sie sind nicht allmächtig, allwissend und gänzlich gütig. Doch was wäre, wenn Sie die Fähigkeit besäßen, diese Art von Matrix zu bauen? Würden Sie es tun? Selbst wenn Sie sich nicht dazu entschließen würden, eine Welt wie diese zu gestalten, so gibt es doch viele andere Menschen, die Ihre Skrupel nicht teilen. Wenn diese Menschen über die Fähigkeit verfügten, Matrices zu erschaffen, könnten einige ihrer Werke gut und gern jener Welt gleichen, in der wir uns befinden.
Warum könnten sie die Absicht haben, eine Matrix zu bauen, die unserer Realität entspricht? Da sind viele Gründe denkbar - wenn man den einfältigen Gedanken der Nutzung des menschlichen Gehirns als Batterie verwirft. Künftige Historiker würden vielleicht eine Matrix erschaffen, die die Geschichte ihrer eigenen Spezies nachahmt. Das könnten sie tun, um mehr über ihre Vergangenheit zu erfahren oder um kontrafaktische historische Szenarien zu untersuchen. In der Welt der "Architekten" mag Napoleon bei der Eroberung Europas siegreich gewesen sein, und unsere Welt könnte eine Matrix sein, die erschaffen wurde, um zu erforschen, was geschehen wäre, wenn Napoleon geschlagen worden wäre. Oder vielleicht wird es künftige Künstler geben, die Matrices als Kunstform erschaffen, so wie wir Filme und Opern produzieren. Oder vielleicht wird die Tourismusbranche interessante historische Epochen simulieren, sodass ihre Zeitgenossen auf Themenurlaub in vergangene Zeiten gehen können, indem sie in die Simulation eintreten und mit ihren Bewohnern interagieren. Der möglichen Motive gibt es viele, und wenn künftige Menschen irgendwie wie die heutigen Menschen sind und wenn sie die technische Macht und das Recht hätten, Matrices zu bauen, wäre damit zu rechnen, dass viele Matrices erschaffen würden, einschließlich solcher, die wie die Welt aussehen, die wir gerade erleben.
Das Simulationsargument
Wenn jede fortgeschrittene Zivilisation viele Matrices ihrer eigenen Geschichte erschaffen würde, würden viele Menschen wie wir, die in einem technisch primitiveren Zeitalter leben, innerhalb statt außerhalb der Matrices leben. Wenn dies der Fall wäre, wo würden Sie höchstwahrscheinlich sein?
Das so genannte Simulationsargument, das ich vor einigen Jahren eingeführt habe, macht diese Denkweise präziser und führt sie zu ihrem logischen Schluss, der da lautet, dass es drei Grundmöglichkeiten gibt, von denen mindestens eine wahr ist. Die erste Möglichkeit ist, dass die Menschheit fast sicher ausstirbt, bevor sie technische Reife erreicht. Die zweite Möglichkeit ist, dass fast keine technisch reife Zivilisation am Bau von Matrices interessiert ist. Die dritte Möglichkeit ist, dass wir fast sicher bereits in einer Matrix leben. Warum? Weil, wenn nicht die beiden ersten Möglichkeiten zutreffen, mehr "Menschen" in Matrices leben als in "realen Welten". Für Sie als "Person" ist es dann wahrscheinlich, dass Sie in einer Matrix leben statt in einer "realen Welt".
Das Simulationsargument sagt uns nicht, welche dieser drei Möglichkeiten sich durchsetzt, nur, dass es mindestens eine tun wird. Das Argument nutzt zwar etwas Mathematik und Wahrscheinlichkeitstheorie, aber der Grundgedanke ist auch ohne Rückgriff auf einen technischen Apparat zu verstehen.
Bauen einer Matrix
Die Erschaffung umfassender Matrices, die von einer nicht simulierten Welt nicht zu unterscheiden sind, geht natürlich weit über unsere derzeitigen technischen Möglichkeiten hinaus. Allerdings können wir immerhin die Computervoraussetzungen für die Schaffung solcher virtuellen Realitäten abschätzen.
Statt das Bauvorhaben auf die Bildung einer virtuellen Realitätssimulation zu beschränken, können wir ein noch ehrgeizigeres Projekt in Betracht ziehen, das auch die Schaffung der Bewohner der Matrix einschließt. Statt Schalen mit klebrigem rosa Schleim, in denen biologische Menschen schwimmen, die mit sensorischem Input von einer simulierten Realität gefüttert werden, wäre es wirksamer, das Gehirn durch Gehirnsimulationen zu ersetzen. Viele Philosophen und kognitive Wissenschaftler sind der Ansicht, dass solche Gehirnsimulationen Bewusstsein hätten, wenn die Simulation nur detailliert und genau genug war. Die Rechenleistung des menschlichen Gehirns wurde berechnet, und auch die Rechenleistung, die einer technisch reifen Zivilisation zur Verfügung stünde, kann berechnet werden. Obgleich diese Berechnungen lediglich starke Näherungswerte sind, zeigt sich doch, dass die Rechenmittel einer reifen Zivilisation selbst bei Zugestehen einer großen Fehlerspanne ausreichen würden, um sehr viele Matrices zu erschaffen. Schon mit einem einzigen planetengroßen Computer mit moderner molekularer Nanotechnik könnte die gesamte intellektuelle Geschichte der Menschheit simuliert werden, wozu nur eine Sekunde lang weniger als ein Millionstel seiner Rechenleistung genutzt zu werden braucht. Das setzt lediglich bereits bekannte Rechenmechanismen und technische Prinzipien voraus. Eine einzige Zivilisation kann letztendlich Millionen solcher Computer bauen. Wir können also den Schluss ziehen, dass eine technisch reife Zivilisation über genügend Rechenleistung verfügen würde, sodass es selbst, wenn sie nur einen winzigen Bruchteil davon für den Bau von Matrices einsetzen würde, bald mehr simulierte Menschen geben würde, als Menschen in der Originalgeschichte dieser Zivilisation gelebt haben.
Diese Simulationen brauchten nicht perfekt zu sein. Sie müssten nur gut genug sein, ihre Bewohner zu täuschen. Es wäre nicht notwendig, jedes Objekt bis auf den kleinsten Bestandteil der Atome zu simulieren (was definitiv auch gar nicht möglich wäre). Wenn das Buch, das Sie gerade in Händen halten, ein simuliertes Buch ist, brauchte die Simulation nur seine äußere Erscheinung, sein Gewicht und seine Struktur sowie einige andere makroskopische Eigenschaften zu umfassen, weil Sie nicht wissen können, was seine einzelnen Atome gerade tun. Wenn Sie das Buch genauer untersuchen sollten, beispielsweise unter einem leistungsfähigen Mikroskop, könnten nach Bedarf weitere Details der Simulation ergänzt werden. Gegenstände, die niemand wahrnimmt, könnten in noch komprimierterer Form dargestellt werden. Derartige Vereinfachungen senken den Rechenbedarf drastisch.
Drei Möglichkeiten
Geht man davon aus, dass die Architekten einer technisch reifen Zivilisation auch dann eine große Zahl Matrices schaffen könnten, wenn sie lediglich einen Bruchteil ihrer Mittel diesem Zweck widmeten, ergibt sich eine interessante Schlussfolgerung. Nehmen wir die Zivilisationen, die sich in ihrer technischen Entwicklung auf ähnlichem Niveau befinden wie unsere eigene Zivilisation. Gehen wir davon aus, dass sich ein nicht geringer Bruchteil dieser Zivilisationen schließlich zu technischer Reife weiterentwickelt. Gehen wir weiter davon aus, dass ein nicht unwesentlicher Teil dieser Zivilisationen einen nicht unbedeutenden Teil seiner Mittel auf den Bau von Matrices verwendet. Dann leben die meisten Menschen wie wir innerhalb statt außerhalb von Matrices. Es gibt somit drei Möglichkeiten: entweder stirbt fast jede Zivilisation wie die unsrige aus, bevor sie den Status technischer Reife erreicht hat, oder fast jede reife Zivilisation ist nicht am Bau von Matrices interessiert, oder fast alle Menschen mit unserer Art von Erfahrung leben in Matrices.
Denken wir etwas über diese drei Möglichkeiten nach. Wenn fast jede auf unserer Stufe befindliche Zivilisation ausstirbt, bevor sie technische Reife erlangt hat, sieht unsere Zukunft relativ öde aus. Denn wenn dieses vorzeitige Ende das Schicksal wäre, das die meisten Zivilisationen erwartet, müssten wir befürchten, dass dasselbe insbesondere auch für unsere Zivilisation gilt. Das liegt daran, dass wir keinen Grund dafür haben zu denken, dass unsere Zivilisation glücklicher sein wird als die meisten anderen Zivilisationen auf unserer Entwicklungsstufe.
Die zweite Möglichkeit ist weniger deprimierend. Es könnte sich herausstellen, dass fast alle technisch reifen Zivilisationen das Interesse am Bau von Matrices verlieren. Vielleicht haben die potenziellen Architekten der Zukunft keine der oben beschriebenen möglichen Motive für den Bau von Matrices. Vermutlich hätten die Architekten ihre moderne Technik genutzt, um ihre eigenen Fähigkeiten zu verbessern. Sie können also superintelligent sein und haben vollständige Kontrolle über ihren eigenen Geisteszustand. Statt sich zur Erholung in den Matrixbau zu flüchten, haben sie vielleicht eher Spaß daran, direkt die Lustzentren ihres Gehirns zu stimulieren. Ihre Wissenschaft kann so fortschrittlich sein, dass sie aus laufenden Simulationen ihrer historischen Vergangenheit kaum etwas lernen können. Außerdem könnten sie ethische Normen aufstellen, die die Schaffung von Matrices verbieten. Aus der Tatsache, dass viele aktuelle Menschen verleitet wären, Matrices zu bauen, können wir also nicht schließen, dass dasselbe für die supermodernen Leute gelten würde, die tatsächlich dazu in der Lage wären.
Die dritte Möglichkeit ist die spannendste. Wenn der größte Teil aller Menschen mit anderen Erfahrungen in Matrices leben, dann leben wir vermutlich in einer Matrix. Sofern wir keinen konkreten Hinweis auf das Gegenteil hätten, müssten wir deshalb den Schluss ziehen, dass die Welt, die wir um uns herum sehen, nur durch Simulation auf einem leistungsfähigen Computer, der von einem technisch hoch versierten Architekten gebaut worden ist, existiert. Nicht das alte Gehirn-im-Fass-Argument
Seit Jahrhunderten denken die Philosophen über die Frage nach, woher wir wissen können, dass die äußere Welt existiert. Descartes (1596-1650) stellte diese Frage in seinen "Meditationen" und betrachtete das Szenario, in dem uns ein hypothetischer böser Dämon zu irrigen Gedanken über äußere Objekte bringt. In der jüngsten Vergangenheit wurde dem von Descartes entworfenen skeptischen Szenario ein moderneres Ende gegeben. Anstelle eines Dämons soll man sich nun einen verrückten Wissenschaftler vorstellen, der sein Gehirn herausgeholt hat und es in einem Fass aufbewahrt, wo er es mit elektrischen Signalen stimuliert und dabei die Sinnesempfindungen kopiert, die das Gehirn gehabt hätte, wenn es mit einer ganz anderen Umgebung als jener in der realen Welt interagiert hätte. Das ist natürlich das Dilemma, das in dem Matrix-Film untersucht wurde. Wie kann man möglicherweise wissen, dass man kein solches Gehirn in einem Fass ist, fragt der skeptische Philosoph, wenn man davon ausgeht, dass alle Erscheinungen, die wir erleben, das Erleben eines im Fass eingelagerten Gehirns sein könnten.
Das oben beschriebene Argument bietet einen weitaus stärkeren Grund dafür, die Möglichkeit, dass wir in einer Matrix leben, ernst zu nehmen. Das traditionelle Argument der Skeptiker liefert keinen eindeutigen Grund dafür zu denken, dass wir in einer Matrix leben. Bestenfalls zeigt es, dass wir diese Möglichkeit nicht vollkommen ausschließen können, doch steht es uns frei, die Wahrscheinlichkeit für sehr gering oder vernachlässigbar zu halten. Wenn es keine verrückten Wissenschaftler gibt, die mit bewussten menschlichen Gehirnen in einem Fass experimentieren, dann befinden wir uns auch nicht in einem Fass. Selbst wenn es einige Gehirne im Fass gäbe, könnten sie im Vergleich zu den Gehirnen im Schädel, die normal mit der äußeren Welt interagieren, extrem selten sein. In diesem Fall wäre es äußerst unwahrscheinlich, dass wir zu jenen im Fass gehören würden.
Das Simulationsargument nimmt im Gegensatz dazu als Ausgangspunkt, dass die Dinge so sind, wie sie zu sein scheinen, und dass uns die Wissenschaft zuverlässige Informationen über die Welt gibt. Ein Teil dieser Informationen betrifft die technischen Fähigkeiten, die eine moderne Zivilisation entwickeln könnte. Dazu würde auch die Fähigkeit gehören, Matrices zu erschaffen. Entscheidend ist, dass es so aussieht, als könnten sie problemlos Matrices in astronomisch hoher Zahl erschaffen. Daraus können wir dann schließen, dass entweder technisch reife Zivilisationen, die an der Schaffung von Matrices interessiert sind, im Vergleich zu Zivilisationen auf unserer Entwicklungsstufe extrem selten sind, oder fast alle Menschen wie wir in Matrices leben. Daraus ergäbe sich die Unterteilung in die oben erwähnten drei Möglichkeiten. Das Simulationsargument selbst sagt uns nicht, welche dieser drei Möglichkeiten sich durchsetzt. Wir haben heute weder für noch gegen diese drei Möglichkeiten eindeutige Beweise. Deshalb sollten wir allen eine große Wahrscheinlichkeit zusprechen. Insbesondere sollten wir die Möglichkeit ernst nehmen, dass wir in einer Matrix leben. Wir könnten denken, dass die Wahrscheinlichkeit unter fünfzig Prozent liegt. Angesichts unserer derzeitigen Informationen wäre es angebracht, von etwa zwanzig Prozent auszugehen.
Wie könnte man wissen, ob man in einer Matrix lebt?
Nehmen wir das Dilemma von Neo und seinen Mitstreitern in der Trilogie. Sie wissen, dass es viele Matrices gibt. Sie führen einen Teil ihres Lebens in einer Matrix. Sie wissen, dass die meisten ihrer Mitbürger ihr ganzes Leben in einer Matrix verbringen. Sie dürften also kaum denken, dass sie ihrer Matrix entkommen sind. Was wie eine Flucht aussieht, könnte ohne Weiteres nur eine simulierte Flucht sein, d. h. dass sie eine Ebene der Matrix nur verlassen, um auf einer anderen Ebene wieder aufzutauchen. Die Brüder Wachowski können natürlich versprechen, dass dies nicht der Fall ist und dass die Helden wirklich die "reale" Realität erleben. Aber wenn Neo rational wäre, wäre er niemals in der Lage, überhaupt sicher zu sein, dass es das ist, was geschieht.
Wenn die Brüder Wachowski eine reale Matrix erschaffen hätten (statt lediglich einen Film über eine Matrix), dann müssten sie, wenn sie rational wären, den Schluss ziehen, dass sie sich selbst fast sicher in einer Matrix aufhalten. Denn wenn wir die Fähigkeit entwickeln, unsere eigenen Matrices zu erschaffen, und wenn wir uns entscheiden, diese Fähigkeit auch zu nutzen, würden wir einen sehr starken Beweis gegen die beiden ersten Möglichkeiten erhalten: dass es nicht der Fall ist, dass fast alle Zivilisationen auf unserer Entwicklungsstufe aussterben, bevor sie technische Reife erwerben, und dass es nicht der Fall ist, dass fast alle reifen Zivilisationen das Interesse am Bau von Matrices verlieren. Dann bliebe uns nur die dritte Möglichkeit, nämlich dass wir fast sicher in einer Matrix leben.
Aber in was für einer Situation befinden wir uns selbst tatsächlich? Lässt man das Simulationsargument einmal beiseite, wäre es möglich, direkte Zeichen dafür zu finden, dass man in einer Matrix lebt? Gibt es eine Art "Splitter im Gehirn", der darauf hinweisen würde, dass mit der Realität etwas nicht stimmt? Gewiss, wenn sich die Architekten einer Matrix selbst zu erkennen geben wollten, wäre es kein Problem für sie, dies zu tun. Beispielsweise könnten sie in unserem Gesichtsfeld ein Fenster aufgehen lassen mit dem Text "SIE LEBEN IN EINER MATRIX. FÜR WEITERE INFORMATIONEN HIER KLICKEN." Im Film sagt uns das Orakel, dass UFOs, Geister und andere seltsame Erscheinungen versteckte Manifestationen von Störungen in der Matrix sind.
Das Orakel: "Da, siehst du diese Vögel? Irgendwann wurde ein Programm geschrieben, um sie zu steuern. Ein Programm wurde geschrieben, um über die Bäume und den Wind zu wachen, Sonnenauf- und Sonnenuntergang. Hier laufen permanent irgendwelche Programme. Diejenigen, die korrekt laufen und ihren Job richtig machen, sind unsichtbar. Du weißt nicht, dass es sie gibt. Aber die anderen, naja, von denen hörst du andauernd was."
Neo: "Ich hab' noch nie von ihnen gehört." Das Orakel: "Natürlich hast du das. Jedes Mal, wenn du von jemandem gehört hast, er hätte einen Geist gesehen oder einen Engel. Jede Geschichte, die du jemals über Vampire, Werwölfe oder Aliens gehört hast. Da versucht das System irgendein Programm anzupassen, das etwas tut, wofür es eigentlich nicht vorgesehen war."
Déjà vu ist ein Zeichen einer Störung in der Matrix, die eine Szene erneut ablaufen lässt, um etwas zu erfassen, was sich verändert hat. Einige Menschen haben mir geschrieben, dass sie Zeichen dafür gefunden hätten, dass wir uns in einer Matrix befinden. Ein Mann hat mir beispielsweise erzählt, dass er beim Blick in den Badezimmerspiegel flackernde Punkte gesehen habe. Ein anderer Mann schrieb mir, dass er in seinem Kopf Stimmen hören konnte. Aber selbst wenn wir uns in einer Matrix befinden, ist es weitaus wahrscheinlicher, dass derartige Phänomene die Folge von Störungen in den betreffenden Personen statt in der Matrix selbst sind. Es gibt viele ganz normale Erklärungen dafür, warum einige Menschen von derartigen Erlebnissen berichten. Dazu zählen unter anderem Geisteskrankheiten, zu starke Phantasie, Einfältigkeit usw. Gehirne mit Funktionsstörungen könnten ebenso einfach simuliert werden wie gesunde Gehirne. Schließt man sie in die Simulation ein, könnte das den Wahrheitsgehalt in der Tat erhöhen.
Der Bau einer Matrix, die simulierte Gehirne mit Bewusstsein enthält, wäre außerordentlich schwierig. Jedes Wesen, das ein solches Kunstwerk vollbringen könnte, könnte fast sicher auch verhindern, dass Störungen in der Matrix von ihren Bewohnern bemerkt werden. Selbst wenn einige Menschen Unregelmäßigkeiten feststellen würden, könnte der Architekt die Simulation ein paar Sekunden zurückdrehen und so wieder abspielen, dass die Unregelmäßigkeit völlig ausgeschlossen wird, oder die Unregelmäßigkeit einfach aus dem Gedächtnis dessen streichen, der etwas Verdächtigtes bemerkt hat.
Wie man in einer Matrix lebt
Wenn wir die Beweggründe der Architekten für die Schaffung von Matrices kennen würden, könnte die Hypothese, dass wir in einer leben, größere praktische Konsequenzen haben. Tatsächlich wissen wir aber fast gar nichts darüber, was diese Beweggründe sein könnten. Aufgrund dieser Unwissenheit ist die beste Methode für den Umgang mit unserer Matrix (wenn wir uns in einer befinden), die Muster zu untersuchen, die wir in der Welt um uns herum finden. Wir würden Experimente durchführen, Regelmäßigkeiten entdecken, Modelle bauen und von Ereignissen der Vergangenheit ableiten. Mit anderen Worten würden wir die wissenschaftliche Methode und den gesunden Menschenverstand auf dieselbe Weise anwenden, als wenn wir wüssten, dass wir uns nicht in einer Matrix befinden. Als erste Annäherung wäre die Antwort auf die Frage, wie man leben sollte, wenn man in einer Matrix ist, dass man genauso leben sollte, als wenn man nicht in einer Matrix ist.
Das Simulationsargument hat jedoch einige feinere Auswirkungen, selbst wenn wir die beiden anderen Möglichkeiten, auf die es hinweist, beiseite lassen (die nicht besagen, dass wir uns in einer Matrix befinden). Einige Szenarien, die anderenfalls durch unser derzeitiges wissenschaftliches Verständnis ausgeschlossen worden zu sein scheinen, werden wieder reale Möglichkeiten, wenn wir eine Matrix bewohnen. Während die materielle Welt nicht plötzlich verschwinden kann, wäre dies bei einer simulierten Welt jederzeit möglich. Der Architekt brauchte nur den Stecker zu ziehen. Auch ein Leben nach dem Tod wäre eine reale Möglichkeit. Wenn eine Person in einer Simulation stirbt, könnte sie in einer anderen Simulation wieder zum Leben erweckt werden, oder der Architekt könnte den Verstorbenen auf seine eigene Realitätsstufe heben.
Vorstellbar ist auch, dass nur einige Menschen so detailliert simuliert werden, dass sie Bewusstsein bekommen, während andere in groberem Maße simuliert werden, sodass sie zwar im Großen und Ganzen wie reale Menschen auftreten und sich verhalten, aber keine subjektive Erfahrung haben. Das so genannte "Problem anderer Personen" - wie können wir wissen, ob andere Menschen wirklich Bewusstsein haben und sich nicht nur so verhalten, als hätten sie welches - ist eine andere alte Nuss der Philosophie. Es gibt jedoch keinerlei Konsens, dass solche "Zombies" auch nur prinzipiell möglich sind. Einige Menschen argumentieren, dass es unbedingt wahr ist, dass jeder, der genug wie ein normaler Mensch handelt, auch über bewusste Erfahrung verfügen muss. (Ob diese Ansicht einschließt, dass die Politiker, die Sie am wenigsten mögen, nicht Zombies sein können, ist eine Frage, die weiter untersucht werden muss.)
Eine andere Möglichkeit besteht darin, dass der Architekt beschließen könnte, seine simulierten Geschöpfe zu belohnen oder zu bestrafen, möglicherweise auf der Grundlage moralischer Kriterien. Wenn Sie in einer Matrix sein könnten, kann Ihnen diese Erwägung einen neuen, eigennützigen Grund für moralisches Verhalten bieten. Die Situation wäre analog zu dem Fall, da Gott Sie beobachtet und über Sie richtet, nur dass der letzte Richter kein übernatürliches Wesen wäre, sondern die natürlichen Personen, die die Matrix gebaut haben.
Es wäre irreführend zu sagen, dass, wenn wir uns in einer Matrix befinden, wir und die Welt um uns herum nicht wirklich existieren. Genauer wäre es zu sagen, dass die Realität dieser Dinge etwas anders aussähe, als wir zuvor gedacht hatten. Ihre Nase wäre weiterhin real, nur würde ihre Realität darin bestehen, dass sie auf einem leistungsfähigen Rechner simuliert ist. Der Computer und die elektrische Tätigkeit seiner Schaltungen wären physikalische Phänomene auf der fundamentaleren Ebene der Realität, in der der Architekt der Matrix lebt. Matrices wiederholt und gestapelt
Als Neo am Ende von "Reloaded" die Wächter mit der Kraft seiner Gedanken außerhalb der Matrix stoppte, begannen die Spekulationen. Gab es eine Matrix über der Matrix? Wie "Revolutions" gezeigt hat, gab es keine. Aber es hätte eine gegeben haben können. Eine reife Zivilisation hätte genügend Rechenleistung für astronomisch viele Matrices. Wenn wir uns in einer Matrix befinden, gibt es deshalb also vermutlich viele weitere Matrices, die in einigen Details oder in ihrer Gesamtgestaltung von der unsrigen abweichen. Diese anderen Matrices können nacheinander - wie in dem Film - oder gleichzeitig ablaufen, indem derselbe Prozessor gleichzeitig genutzt wird oder mehrere Computer zum Einsatz kommen. Vom Standpunkt der simulierten Bewohner macht es kaum einen Unterschied, wie die Matrices umgesetzt werden.
Eine Matrix kann eine Zivilisation enthalten, die heranreift und schließlich ihre eigenen Matrices in der Simulation baut. Es könnte somit viele Ebenen geben. Computer könnten in Computern simuliert werden, die selbst wieder simuliert werden usw. Wie viele Simulationsschichten es geben könnte, hängt von der Rechenleistung ab, die dem Architekten auf der untersten Ebene (der nicht simuliert ist) zur Verfügung steht. Da alle höheren Simulationsebenen letztendlich auf dem Rechner des Architekten umgesetzt würden, müsste er die Kosten aller Simulationen und aller simulierten Menschen tragen. Ist seine Rechenleistung begrenzt, kann es nur wenige Ebenen geben.
Wie weiter oben beschrieben, hätten alle Architekten starken Grund zu denken, dass sie sich selbst in einer Matrix befinden könnten. (Wenn die Architekten auf der Kellerebene dies glaubten, würden sie sich irren, allerdings nur aufgrund von erkenntnistheoretischem Pech und nicht aufgrund von Fehlern in ihrer Denkweise.) Wenn wir diese Erkenntnis mit der Spekulation verbinden, dass moralische Erwägungen bei der Wahl der Behandlung, die einige simulierte Menschen seitens ihrer Architekten erhalten, eine Rolle spielen können, kommen wir zu dem seltsamen Gedanken, dass jeder - nicht nur die simulierten Menschen - einen eigennützigen Grund für moralisches Verhalten haben kann. Wenn moralisches Verhalten einer Person gegenüber einschließt, sie nach moralischen Kriterien zu beurteilen und zu behandeln, könnte dies den Grund, den jeder für moralisches Verhalten hat, weiter stärken. Je stärker dieser Grund ist, umso mehr würden wir erwarten, dass die Menschen sich davon leiten ließen. Und je mehr Menschen motiviert sind, ihre simulierten Geschöpfe moralisch zu behandeln, umso zu stärker würde dieser Grund werden. Diese Denkweise kann unendlich in einem wahren "Tugendkreis" wiederholt werden, obgleich einem recht dürftigen, da sie sich nicht nur auf die Möglichkeit verlässt, dass wir uns in einer Simulation befinden, sondern auch auf dürftige Spekulationen über die Motive der Architekten.
Das Simulationsargument bietet zumindest viele aufregende Ansätze für philosophisches Denken. Aber wenn es fundiert ist - und bislang ist es nicht widerlegt worden - könnte es auch verschiedene Anregungen geben (zögernd und ungewiss), wie wir mit unserem Leben umgehen und was wir in Zukunft erwarten sollten. Wenn wir den logischen Schlussfolgerungen dessen, was wir zu wissen meinen, folgen, entdecken wir nur, wie viel wir noch nicht wissen. [Quelle: Telepolis]

Wir leben im Computer
Wir sind alle nur Teil einer gigantischen Simulation - wie in dem Film "Matrix" - und werden von intelligenten Spielern manipuliert. Das ist die These des Philosophen Nick Bostrom von der Yale University. Und erhat angeblich Beweise.
Das Thema kommt immer wieder in Sciencefiction-Erzählungen vor: - In dem Sciencefiction-Roman "Planet der Träumer" von John McDonald gibt sich die Bevölkerung eines ganzen Planeten pausenlos ihrer Lieblingsbeschäftigung hin: dem Träumen mittels besonderer Maschinen (heute wären es Spielkonsolen). Die Träumer können fiktive Menschen nach Belieben leiten, zur Liebe zwingen oder in Abgründe stürzen lassen. Wie entsetzt sind dann einige dieser Träumer, als sie feststellen müssen, dass ihre Träume keine Träume sind, sondern Wirklichkeit, und die Figuren real existieren in einer anderen Welt!
- In dem Roman "Welt am Draht" von Daniel F. Galouie (verfilmt von Rainer Werner Fassbinder) müssen die Menschen dieser Welt irgendwann erkennen, dass sie nur Simulationen in einem gigantischen Computerprogramm sind, sozusagen materialisierte Gedanken der Spieler. (Die moderne Film-Version der Erzählung lautet "Matrix").
- In dem viktorianischen Märchen "Alice hinter den Spiegeln" von Lewis Carroll sieht die kleine Alice einen schlafenden Schwarzen König aus einem Schachspiel. Von dem seltsamen Zwillingspaar Zwiddeldumm und Zwiddeldei wird Alice gewarnt: Sollte der König durch irgendein lautes Geräusch erwachen, wären alle Wesen nicht nur tot, sondern überhaupt nicht mehr da - denn der schwarze König träumt die ganze Welt.
Nun meint Bostrom: Die Wahrscheinlichkeit, dass wir noch in der "wahren" Welt leben, ist sehr gering. Denn: Unsere jetzige Entwicklung deutet darauf hin, dass wir es rein technisch schaffen, ganze Menschen im Computer nachzubilden. Dazu brauchen wir laut Aussage des Roboter-Experten Hans Moravec von der Carnegie Mellon Universität in Pittsburgh (USA) 10^14 Rechenoperationen pro Sekunde. Die besten Rechner schaffen heute 10^12 solcher Operationen - Tendenz kräftig steigend. Und was möglich ist, wird auch gemacht.
Zum Beispiel durch Nanotechnologie: Mit ihrer Hilfe könnten wir heute einen Computer der Größe eines Würfelzuckers bauen, der 10^21 Rechenoperationen pro Sekunde schafft. Also würde ein dazu passendes Äquivalent in der Größe eines Planeten zu 10^42 Rechenoperationen pro Sekunde fähig sein - mehr als ausreichend, die ganze Menschheit samt ihres ohnedies eher beschränkten Verhaltensrepertoirs elektronisch nachzubilden.
Wenn Sie nun eines Tages bemerken, dass Sie nur eine Sammlung von Datenbits in einem Computerspiel sind, was sollen Sie dann tun? Der Wirtschaftswissenschaftler Robin Hanson von der George Mason Universität in Fairfax, Virginia, gibt als obersten Ratschlag: Finden Sie heraus, wozu die Simulation da ist. Geht es um Unterhaltung, sollten Sie ein möglichst unterhaltsamer Mensch sein. Gehen Sie auf Partys und genießen Sie das Leben - Sie dürfen ruhig auffallen. Wenn aber der Spieler Gott spielen will, dann halten Sie sich lieber an seine Regeln und bleiben Sie unauffällig. Und erzählen Sie niemandem von Ihrer Entdeckung - sonst erfasst der DELETE-Befehl demnächst auch Sie! [Quelle: PM-Magazin]

Lebt die Menschheit in der Matrix?
Nur eine nahezu wundersame Verkettung von Zufällen scheint das Leben im Universum zu ermöglichen. Auf der Suche nach einer Erklärung sind Philosophen auf eine bizarre Idee verfallen: Sind wir nur künstliche Wesen in einer gigantischen Computersimulation? Durchaus möglich, glauben selbst renommierte Wissenschaftler.
An einen christlichen Gott mochte der "Vater des Urknalls" nie glauben. Doch Fred Hoyle, der den Begriff von der explosiven Geburt des Alls in die Welt gesetzt hat, hielt einen Zufall bei der Entstehung des Lebens für unmöglich. Wer die Fakten nüchtern betrachte, müsse feststellen: "Eine Super-Intelligenz hat Physik, Chemie und Biologie manipuliert", schrieb Hoyle 1954 im Fachblatt "Astrophysics Journal Supplement". Jemand habe die Gesetze der Kernphysik mit Absicht konstruiert, um bestimmte Vorgänge im Innern der Sterne herbeizuführen - insbesondere die Entstehung von Kohlenstoff, der das Leben in der uns bekannten Form erst ermöglicht.
Mit dieser Meinung stand der vor drei Jahren verstorbene Hoyle keineswegs allein. Auch andere renommierte Kosmologen und Astrophysiker mögen angesichts der Tatsache, dass die Naturgesetze und -konstanten nahezu ideal auf die Entstehung von Leben ausgerichtet zu sein scheinen, nicht an einen Zufall glauben. Das Problem: Wie erklärt man das Phänomen, ohne einen Schöpfergott ins Weltbild einzubauen?
Viele Universen, viele Intelligenzler
Eine Möglichkeit ist die Multiversum-Theorie, 1957 aufgestellt vom US-Physiker Hugh Everett. Demnach ist unser All ist nur eines von unendlich vielen, unter denen sich zwangsläufig auch ein so wohnlicher Weltraum wie der unsere befindet. So weit, so elegant - hätte die Multiversum-Theorie nicht eine bizarre Folge, die von einer zunehmenden Zahl seriöser Philosophen, Mathematiker und Astrophysiker ernsthaft in Betracht gezogen wird: Die Menschen könnten keine Wesen aus Fleisch und Blut, sondern nur Figuren in einer gigantischen Simulation sein.
Unter unendlich vielen Universen, so die Anhänger dieser Simulationstheorie, müsste es auch Welten geben, die von technisch hoch entwickelten Zivilisationen bevölkert sind. Und deren Computer verfügen über genügend Rechenpower, um ganze Universen inklusive intelligenter Bewohner zu simulieren. Der britische Mathematiker John Barrow etwa hält das bereits für ausgemacht: "Es ist längst anerkannt, dass technische Zivilisationen, die nur ein wenig weiter entwickelt sind als wir selbst, Universen simulieren könnten, in denen sich denkende Wesen entwickeln und miteinander kommunizieren", schrieb der Wissenschaftler der University of Cambridge in einem Essay.
Die Zahl der künstlichen Welten würde die der "realen" in einem solchen Szenario schnell übersteigen, glaubt Barrow. Paul Davies, Astrophysiker an der australischen Macquarie University, bestätigte das gegenüber SPIEGEL ONLINE: "Wenn ein Universum erst einmal eine zu solchen Simulationen fähige Intelligenz beherbergt, wäre die Zahl der simulierten Wesen praktisch grenzenlos." Davies, der 2002 mit dem renommierten Faraday-Preis ausgezeichnet wurde, zieht eine radikale Schlussfolgerung: Es sei "sehr wahrscheinlich", dass auch wir nur simulierte Wesen sind.
Idee mit 2000 Jahre alten Wurzeln
Die Idee, die ganze Welt könne nur eine Illusion sein, ist keinesfalls neu. Schon vor über 2000 Jahren grübelte der chinesische Philosoph und Taoismus-Begründer Lao-Tse darüber nach, ob das Leben nur ein Traum sein könne. René Descartes stellte im 17. Jahrhundert ähnliche Fragen, die in seinem berühmten Satz "Ich denke, also bin ich" gipfelten. Im vorigen Jahrhundert inspirierte der Mathematiker und Philosoph Bertrand Russel zeitgenössische Science-Fiction-Autoren mit dem Gedanken, die Menschen könnten nur Gehirne in Einmachgläsern sein.
Dass solche Szenarien zutreffen könnten, glauben unterdessen immer mehr prominente Naturwissenschaftler. "Es gibt nichts in der Quantenmechanik oder in der Relativitätstheorie, das eine solche Matrix ausschließen würde", sagte etwa Michio Kaku, Mitentwickler der Stringtheorie und einer der weltweit bedeutendsten Physiker.
Zu den Freunden der Simulationsthese gehört auch Martin Rees, der nicht nur Fred Hoyles Lehrstuhl an der University of Cambridge geerbt hat, sondern als königlicher Hofastronom auch einen Titel trägt, den schon Isaac Newton innehatte. In einem Multiversum, schrieb Rees im wissenschaftlich-philosophischen Internetforum Edge.org, müsse es Universen mit großem Potenzial für Komplexität geben. Da sei es nur eine "logische Konsequenz", dass in solchen Welten auch Teile von Universen simuliert werden können.
Der Mathematiker und Philosoph Nick Bostrom von der Oxford University hat dem Thema gleich eine ganze Internetseite gewidmet. Dass Menschen über sich selbst sinnieren können, liege nicht daran, dass das Gehirn eine feuchte graue Masse sei, argumentiert Bostrom. Notwendig sei vielmehr eine bestimmte Rechenstruktur - und die könne auch in einem Computer erzeugt werden. In seiner Simulationstheorie, erschienen im Fachblatt "Philosophical Quarterly", dampft Bostrom die Diskussion über das Computer-Universum auf drei Thesen ein. Zumindest eine von ihnen müsse als zutreffend akzeptiert werden:
Die Wahrscheinlichkeit, dass eine Zivilisation eine höhere Entwicklungsstufe erreicht als die heutige Menschheit, geht gegen Null - weil sie sich vorher selbst auslöscht; fast keine hoch entwickelte Zivilisation ist daran interessiert, Wesen wie den Menschen im Computer zu simulieren; oder wir leben mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit in einer Simulation.
Sollten die ersten beiden Annahmen falsch sein, so Bostrom, würde ein "bedeutsamer Teil" aller intelligenten Spezies höher hinaus kommen als die Menschheit und zumindest einen Teil ihrer Computerpower dazu benutzen, Wesen wie uns zu simulieren. Bostroms Schlussfolgerung: "Sollten Punkt eins und zwei nicht zutreffen, gäbe es eine astronomisch hohe Zahl von simulierten Wesen, die wie wir sind."
Das alles bedeute natürlich nicht zwangsläufig, dass die Menschen tatsächlich nur aus Nullen und Einsen bestehen. "Meine These soll nicht beweisen, dass wir in einer Simulation leben", betonte Bostrom gegenüber SPIEGEL ONLINE. Allerdings gebe es eine "bedeutende Wahrscheinlichkeit", dass die Menschheit tatsächlich nichts weiter sei als eine Figurensammlung in einer Computersimulation. "Ich schätze, dass sie bei etwa 20 Prozent liegt."
Möglicherweise könne die Menschheit selbst die Frage beantworten. Sollten die Erdlinge eines Tages in der Lage sein, ihrerseits Universen zu simulieren, wäre das laut Bostrom "ein starkes Indiz" dafür, dass wir alle nur im Computer existieren.
Bis simulierte Universen irdische Realität sind, wird die Suche nach Beweisen für die reale Existenz einer Art "Matrix" ziemlich knifflig. "Ich glaube nicht, dass es direkte Beweise geben wird", meint Bostrom. Cambridge-Mathematiker Barrow ist da optimistischer. Die Programmierer etwa wären bei aller Cleverness nicht allwissend oder unfehlbar. "Wenn in einem Disney-Film die Oberfläche eines Sees das Licht reflektiert, werden nicht die Gesetze der Quanten-Elektrodynamik und der Optik benutzt, um die Lichtstreuung zu berechnen", meint Barrow. "Das würde eine wahnwitzige Rechenkraft verschlingen."
Haben die Programmierer geschlampt?
Stattdessen werde "plausibel über den Daumen gepeilt", so dass am Ende immer noch ein realistisch aussehendes Ergebnis herauskomme - so lange niemand zu genau hinschaue. Die Komplexität der Simulation wäre dann allerdings beschränkt, was Raum für verräterische Probleme schaffe, mutmaßt Barrow. So könnten sich nach und nach kleine Fehler summieren.
Das Resultat wäre ein Crash, der selbst die Programmierer von Microsoft erblassen ließe: Nicht ein einzelner PC, auch nicht ein Firmennetzwerk, nein, das ganze Universum würde abstürzen. Unter anderem deshalb kann Simon White, Direktor am Max-Planck-Institut für Astrophysik in Garching, der Simulationsthese nichts abgewinnen: "Warum soll es nur kleine Fehler und keine Katastrophe geben?", fragte sich der Forscher im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE.
Weil die Programmierer hier und da kleine Korrekturen vornehmen, glaubt Barrow - oder eine automatische Selbstreparatur-Funktion eingebaut haben, wie sie auch im menschlichen Erbgut existiere. "Das würde zu mysteriösen Veränderungen führen, die anscheinend die Gesetze der Physik verletzen", schreibt Barrow - wie etwa kleine Verschiebungen in den Naturkonstanten. Der australische Astrophysiker Paul Davies glaubt, dass ein solcher "Schluckauf" in der kosmischen Simulation möglicherweise schon gefunden wurde.
Schöner leben in der "Matrix"
Ein Team um John Webb von der australischen University of New South Wales hat drei Jahre lang weit entfernte Quasare mit dem Keck-Teleskop auf Hawaii beobachtet. Das überraschende Ergebnis: Die Feinstruktur-Konstante, eine fundamentale Größe in der Physik, verändert sich offenbar mit der Zeit. Eine mögliche Erklärung, meinen sowohl Webb als auch Davies, wäre eine langsame Veränderung der Lichtgeschwindigkeit - was nach Einsteins Relativitätstheorie aber unmöglich ist.
Das aber muss noch gar nichts bedeuten, wendet der amerikanische Computerforscher Ray Kurzweil ein. "Wenn wir eine offensichtliche Abweichung wie die Veränderung der Lichtgeschwindigkeit finden, können wir nicht herausfinden, ob es sich um einen Simulationsfehler handelt", sagt Kurzweil im Interview mit SPIEGEL ONLINE. Wahrscheinlicher sei, dass es sich um eine experimentelle Entdeckung handelt, die schließlich ein besseres Modell der Physik nach sich zieht. So hätten etwa Abweichungen von den Newtonschen Gesetzen zu Einsteins Relativitätstheorie geführt.
Vielleicht sollten sich die Menschen auch gar nicht so viele Gedanken darüber machen, ob sie nun in einer Simulation leben oder nicht. Der US-Philosoph Hubert Dreyfus etwa sagte über den Actionfilm "The Matrix", dass es die Menschen in der Kino-Trilogie nicht schlecht hätten und so versklavt gar nicht seien. "Sie können leben, sterben, lieben, arbeiten, treffen Entscheidungen und tun alles, was sie wollen", sagte Dreyfus. Nur aus der Simulation fliehen könnten sie nicht - aber warum sollten sie auch? Nur, weil sie auf einer anderen Daseinsebene als Batterien benutzt werden? "Sie müssen sich nicht daran stören, weil sie es nicht einmal wissen", meint Dreyfus.
Nach der Simulation ist vor der Simulation
Robin Hanson, Wirtschaftsprofessor an der George Mason University im US-Staat Virginia, postulierte im "Journal of Evolution and Technology" gar Regeln, um den Schöpfern der Simulation zu gefallen. Sein erlösendes Rezept: Weniger auf andere achten, mehr für das Jetzt leben, sich stärker an wichtigen Entwicklungen beteiligen, unterhaltsamer sein - und die vielen berühmten Menschen um einen herum glücklich machen. Wer gut genug ist, glaubt Hanson, werde nach dem Ende seiner Computerexistenz vielleicht nicht gelöscht, sondern in eine andere Simulation oder gar in die reale Welt der Programmierer kopiert.
Astrophysiker Davies glaubt, solche Ratschläge solle sich die Menschheit zu Herzen nehmen. Denn zu viel des Nachbohrens führe womöglich zu einem bösen Ende. "Jetzt, da die Programmierer wissen, dass wir ihnen auf der Spur sind, ist das Spiel aus", argwöhnt der Forscher. "Sie könnten ihr Interesse verlieren und die 'Delete'-Taste drücken." [Quelle: Spiegel]
