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Edgar Allan Poe [* 19. Januar 1809 in Boston, Massachusetts, USA; † 7. Oktober 1849 in Baltimore, Maryland] war ein US-amerikanischer Schriftsteller. Er begründete das Genre der Kriminalliteratur, das Genre der Science Fiction und der Horrorstory. Seine Poesie wurde zum Fundament des Symbolismus und damit der modernen Dichtung.
Edgar Allan Poe wurde als Sohn der in England geborenen Schauspielerin Elizabeth Poe, geb. Arnold, verwitwete Hopkins, und des Schauspielers David Poe in Boston geboren. Der Vater, dem man Neid auf den Erfolg seiner Frau nachsagte, verließ die Familie bereits 1810 und blieb spurlos verschwunden. 1811 starb Poes Mutter in Richmond nach längerer Leidenszeit an Tuberkulose, den zweijährigen Jungen, seinen zwei Jahre älteren Bruder Henry und seine ein Jahr jüngere Schwester Rosalie mittellos zurücklassend. Das Schicksal der als Schauspielerin beliebten Elizabeth Poe erschütterte die Damen der besseren Richmonder Gesellschaft, unter ihnen Frances Allan, die Frau des aufstrebenden Tabakhändlers John Allan aus Schottland. Da sie selbst kinderlos war, bewog sie ihren widerstrebenden Mann [er hatte bereits, was sie nicht wusste, zwei uneheliche Kinder], den verwaisten Edgar Poe in die Familie aufzunehmen. John Allan gewann den Jungen lieb, vermittelte ihm das Gefühl, dass er ihn als seinen Sohn betrachte, adoptierte ihn jedoch nicht. Während der Kontinentalsperre Napoleons entwickelten sich die Geschäfte schlecht. Deshalb entschied sich John Allan 1815, als Napoleons Stern sank, mit Frau, Schwägerin und Ziehsohn in seine Heimat, nach Schottland zu reisen, um die geschäftlichen Beziehungen zu England neu zu ordnen. Die fünf Jahre, die Edgar Poe von seinem 6. bis zu seinem 11. Lebensjahr in Schottland und England verbrachte, gehören zu den glücklicheren Jahren seines Lebens. Ab Winter 1815 war Poe Zögling der Old Grammar School in Irvine, Schottland. Dort gefiel es ihm gar nicht, weshalb John Allan einwilligte, den Achtjährigen in ein Internat in der Nähe von London zu geben. Manor House in Stoke Newington stand unter der Leitung von Reverend Bransby, dem Poe in seiner Erzählung William Wilson ein Denkmal gesetzt hat. 1820 beendete John Allan erfolglos seinen Englandaufenthalt und kehrte mit der Familie nach Richmond zurück, wo er die nächsten Jahre bis zum Tod seines Onkels James Galt relativ bescheiden lebte. Dann starb dieser Onkel jedoch, und John Allan erbte eine Dreiviertelmillion Dollar, einen damals ungeheuren Betrag, und Edgar sonnte sich in der Aussicht, auf gleiche Weise einmal John Allan zu beerben. Er genoss weiterhin eine gute Erziehung und entwickelte sich zu einem hervorragenden Sportler, insbesondere Schwimmer. Ein Schulkamerad berichtet: Kein Junge hatte größeren Einfluss auf mich als er. Er war in der Tat der Anführer unter den Jungen. Meine Bewunderung für ihn kannte kaum Grenzen ... Er lehrte mich Schießen, Schwimmen und Schlittschuhlaufen. Er rettete mich sogar einmal vor dem Ertrinken – allerdings hatte er mich kopfüber hineingestoßen ... In der schönen Mutter eines Freundes, Jane Craig Stanard, fand er sein erstes weibliches Idol, an das er sein erstes Gedicht richtete: To Helen. Die Angedichtete starb bald darauf in geistiger Umnachtung. Poe tröstete sich mit seiner zweiten Liebe, Sarah Elmira Royster. Angesichts seiner ausgezeichneten Zukunftsperspektiven waren die Eltern mit seinem Werben sehr einverstanden.
Mitte der 1820er Jahre muss Frances Allan hinter das Geheimnis ihres Mannes gekommen sein, was sie heftig kränkte. Poe schlug sich auf die Seite seiner zärtlich geliebten Ziehmutter, was ihn die Sympathie John Allans kostete. Mit 17 Jahren immatrikulierte sich Poe an der kurz zuvor von Thomas Jefferson gegründeten Universität von Virginia in Charlottesville, Virginia. John Allan hatte seinen Ziehsohn, der ihm lästig geworden war, mit so geringen Geldmitteln ausgestattet, dass dieser, um halbwegs standesgemäß leben zu können, Schulden machen musste. In der Hoffnung, sie durch Gewinne zu begleichen, spielte er, machte noch mehr Schulden und begann zu trinken. In der Erzählung William Wilson hat auch diese Zeit mit ihrem wüsten Studentenleben autobiografische Spuren hinterlassen. Nach Richmond zurückkehrend, musste Poe feststellen, dass Sarah Elmira Royster, der er regelmäßig geschrieben hatte, keinen seiner Briefe bekommen hatte und mit einem anderen Mann verheiratet worden war. Was aber noch schlimmer war: Poe traf auf einen verständnislosen und völlig verhärteten John Allan, der sich weigerte, seine Schulden zu bezahlen, und ihn auch noch mit demütigenden Vorwürfen aus dem Haus ekelte. Dies war der entscheidende Schicksalsschlag in Poes Leben. Er hat das nie völlig verwunden und sich immer wieder in die Rolle des reichen Erben oder des enterbten Rächers hineingeträumt. Um sich vor Gläubigern und Gerichtsvollziehern zu verstecken, nahm Poe den Namen Henri le Rennêt an, als er sich nach Boston einschiffte, wo er von dem wenigen Geld, das Frances Allan ihm vielleicht gegeben hatte, seinen ersten Gedichtband: „Tamerlane und andere Gedichte“ im Selbstverlag herausbrachte. Als Autor gab er nur an: „Von einem Bostoner“ [by a Bostonian]. Dann suchte er Zuflucht bei der einzigen Organisation, die sich ihm anbot: Er schrieb sich unter dem Namen Edgar A. Perry als einfacher Soldat bei der US Army ein. Er wurde zum Sergeant Major befördert. Seine Einheit wurde nach Charleston verlegt, wo er im Fort Moultrie Dienst tat; das Fort lag auf der vorgelagerten Insel Sullivan’s Island, auf der Poe Jahre später eine seiner berühmtesten Erzählungen, Der Goldkäfer, ansiedelte. Er wurde ehrenhaft entlassen und kehrte in der Hoffnung, John Allan damit beeindrucken zu können, nach Richmond zurück, wo er erfahren musste, dass Frances Allan gestorben und einen Tag zuvor beigesetzt worden war. John Allan ließ sich herbei, Poe die Trauerkleidung zu finanzieren; Poe äußerte den Wunsch, in die US Military Academy von West Point einzutreten; diesen Wunsch unterstützte John Allan wahrscheinlich in der Hoffnung, Poe auf diese Weise endgültig loszuwerden. Bis zur Aufnahme in West Point verfloss jedoch noch rund ein Jahr. Poe reiste nach Baltimore, wo er Verwandte hatte, auf die er als reicher Erbe wohl kaum zurückgegriffen hätte. Jedoch fand er in Maria Clemm, geborener Poe, einer Schwester seines Vaters, nicht nur eine treue, fürsorgliche und aufopfernde Begleiterin durch Jahre des Elends, die vor ihm lagen und die er ohne sie nie durchgestanden hätte, er fand in ihrer Tochter, seiner Cousine Virginia, auch seine zukünftige Frau. Zunächst brachte er in Baltimore seine Gedichte in erweiterter Zweitauflage heraus: „Al Aaraf, Tamerlane und kleinere Gedichte“. Diesmal gab er seinen vollen Autorennamen an, in dem er den Namensbestandteil „Allan“ trotz allem beibehielt. Der in West Point herrschende Drill behagte ihm nicht. Schon nach einem halben Jahr war er so oft aufgefallen, dass er 1831 wegen Ungehorsams entlassen wurde. Er kehrte zu „Muddy“ [so nannte er seine Tante Maria Clemm] zurück, half Virginia bei den Schulaufgaben – und konnte, mittellos, wie er war, froh sein, dass seine gelähmte Großmutter, die Witwe seines Großvaters „General“ Poe, mit ihrer ansehnlichen Rente noch im Hause lebte.
Die Jahre von 1831 bis 1835 in Baltimore sind gezeichnet von weiteren Schicksalsschlägen, von tiefer Armut und Demütigung. Die große Choleraepidemie von 1831 suchte auch Baltimore heim; sie sollte bleibende Spuren in Poes Werk hinterlassen [König Pest, Die Maske des Roten Todes]. Vergeblich schrieb Poe flehentliche Briefe an John Allan. Der geizige Tabakkaufmann hatte ihn aus seinem Herzen verstoßen. Poes älterer Bruder Henry, mit dem zusammen er eine Dachkammer bei Maria Clemm bewohnte, starb an Tuberkulose. Bald darauf starb auch die Großmutter, deren Rente bisher die Familie erhalten hatte. Poe nahm seine Zuflucht zum Alkohol, aber auch – wie der von ihm hochgeschätzte Samuel Taylor Coleridge – zum Opium, das damals zu der von Paracelsus erfundenen Tinktur Laudanum verarbeitet wurde, die in jeder Apotheke käuflich war. Er sah sich völlig zurückgeworfen auf das Einzige, was er konnte: Schreiben. Da mit Gedichten, wie er nun wusste, nichts zu verdienen war, wandte er sich der Novelle zu, der er bereits in seinen ersten Texten eine neue Form gab: Mit Metzengerstein erblickte im Philadelphia Saturday Courier die erste Shortstory das Licht der Welt. Bei einem Preisausschreiben des Baltimore Saturday Visitor 1833 gewann Poe mit Das Manuskript in der Flasche die ausgelobten 50 Dollar. In der Einleitung der Aufsehen erregenden Story schreibt Poe in kunstvoller Vermischung von Dichtung und Wahrheit: Von meiner Heimat und meiner Familie kann ich nur wenig sagen. Schlechte Behandlung und der Lauf der Zeit haben mich sowohl der einen wie der anderen entfremdet. Mein ererbter Reichtum ermöglichte mir ungewöhnlich ausgedehnte Studien... Die Einladung eines der Preisrichter, ihn zum Essen zu besuchen, musste Poe unter Hinweis auf den „traurigen Zustand meiner Kleidung“ ablehnen. Vergeblich bewarb er sich um eine Anstellung als Lehrer. Da wurde der Verleger des Southern Literary Messenger in seiner Heimatstadt Richmond auf ihn aufmerksam und bot ihm Mitarbeit an. 1835 zog Poe mit Maria Clemm und Virginia nach Richmond, wo John Allan vor einem Jahr gestorben war, ohne seinem Ziehsohn auch nur einen Cent zu hinterlassen. Trotz der großen Verbesserung seiner Verhältnisse begann Poes Aufenthalt in seiner Heimatstadt mit einer schweren Depression. Ein Verwandter versuchte in bester Absicht nach dem Tod der Großmutter Poes die Erziehung der noch minderjährigen Virginia Clemm zu übernehmen, an der Poe mit ganzem Herzen hing. Poe gelang es, Maria Clemm zu bewegen, mit Virginia zu ihm nach Richmond zu ziehen. Hier heiratete er im Alter von 26 Jahren die noch nicht 14-jährige Cousine. Seine spätere Aussage, geeignetstes Thema der Poesie sei der Tod eines jungen Mädchens, erfüllte sich in dieser Beziehung und beruhte auf ihr. Poes Schriften sind von auffallender Keuschheit, von einer Schwangerschaft Virginias ist nie die Rede, weshalb vermutet werden kann, dass es sich um eine Art von Geschwisterehe handelte, die Poe aber den familiären Halt und die wärmende Lebensmitte gab, auf die er angewiesen war. In Richmond entstand die scharfsinnige Untersuchung Maelzels Schachspieler, in der Poe die detektivische Technik Dupins, des ersten Detektivs der Weltliteratur, vorbereitete. Als der Southern Literary Messenger, dessen Abonnentenzahl sich durch Poes Mitarbeit versiebenfacht hatte, in wirtschaftliche Schwierigkeiten geriet, zog Poe mit seiner kleinen Familie zum ersten Mal nach New York, wo er Chancen hatte, in die Redaktion von The New York Review aufgenommen zu werden.
Aber der große Bankkrach vom 6. April 1837, in den auch diese Zeitschrift hineingezogen wurde, vereitelte diese Hoffnung. Maria Clemm machte eine kleine Pension auf und hielt so die Familie über Wasser. Poe arbeitete mit Feuereifer an seinem umfangreichsten Werk: Die Abenteuer Gordon Pyms, das ihm den literarischen Durchbruch, von dem er träumte, freilich auch nicht brachte. Heute wird es als Vorläufer der Science Fiction Literatur angesehen und gefeiert. Poe verließ das wirtschaftlich angeschlagene New York und zog mit Maria Clemm und Virginia im Sommer 1838 nach Philadelphia. Poe wollte in Philadelphia eigentlich eine eigene Zeitschrift gründen, die The Penn heißen sollte, später wurde das Projekt in The Stylus umbenannt. Es gelang Poe jedoch nie, das nötige Startkapital dafür aufzubringen. Von seinen Erzählungen allein konnte er nicht leben – die Veröffentlichung von Ligeia z. B., die er selbst für seine beste hielt, brachte ihm gerade mal 10 Dollar. Also gab er seinen bereits nicht mehr unbekannten Namen her für ein Schulbuch über Muscheln und Schnecken, zu dem er Vorwort und Einführung schrieb und das sein einziger kommerzieller Erfolg wurde, wenngleich man ihm Plagiat vorwerfen konnte. Nach einem Jahr trat er als Redakteur und Mitherausgeber ins Gentlemen’s Magazine von William E. Burton ein. Hier übernahm er praktisch alle anfallenden Arbeiten und steuerte nicht nur größere Texte, sondern auch Meldungen über Ballonfahrten, Fortschritte in der Daguerreotypie u. a. bei, und er veröffentlichte hier die Erzählung Der Untergang des Hauses Usher. Die Zeitschrift ging in Graham's Magazine auf, für das Poe die Story Der Doppelmord in der Rue Morgue schrieb, in der er den Pariser Detektiv Dupin kreierte, den er noch zwei weitere Male benutzen sollte [in Das Geheimnis der Marie Rogêt und in Der entwendete Brief]. Er verließ Graham’s Magazine wegen seines weichlichen [„namby-pamby“] Charakters, obgleich er dort gut bezahlt worden war, und bewarb sich um eine Stelle als Regierungsangestellter. Trotz guter Beziehungen bekam er den Posten nicht, aber immerhin gewann er mit der Erzählung Der Goldkäfer den vom Dollar Newspaper in Philadelphia ausgesetzten Preis von 100 Dollar. Die Erzählung wurde auf die Bühne gebracht. Charles Dickens bezeugte Poe seinen Respekt, als er auf seiner Amerika-Reise nach Philadelphia kam, versprach seine Unterstützung bei englischen Verlagen, doch daraus wurde nichts. Virginias Gesundheitszustand verschlechterte sich zusehends; 1842 erlitt sie, während sie ein Lied sang, den ersten Blutsturz. Poe glaubte erneut, in New York bei der Sunday Times oder dem Evening Mirror bessere Chancen zu finden, und zog im April 1844 mit Frau und Schwiegermutter nach sechs überaus fruchtbaren Jahren in Philadelphia dorthin.
Poe hatte seinen Ruf in Philadelphia durch Alkoholexzesse gründlich ruiniert. Deshalb bedeutete New York für ihn auch in dieser Hinsicht einen Neuanfang. Er fuhr mit Virginia vor, während Muddy noch Bücher und Hausrat verkaufte, und mietete sich in einem Farmhaus 12 km vom Zentrum entfernt ein, es ist heute längst vom Häusermeer New Yorks überflutet. Maria Clemm mit der Katze Catharina [die auf Virginias Brust zu liegen pflegte, um sie zu wärmen] folgte, und nun schien Poes Glück wieder vollständig. Er schrieb die dritte seiner Dupin-Storys Der entwendete Brief und vollendete The Raven, sein viel übersetztes und unübersetzbares lyrisches Meisterwerk. Er trat in die Redaktion des Evening Mirror von Nathaniel Parker Willis ein und zog nach Fordham [heute in der Bronx] in ein winziges Cottage, das zu seiner letzten dauerhaften Bleibe werden sollte. The Raven wurde im Evening Mirror erstveröffentlicht. Die Resonanz war überwältigend, und Poe wurde zum gefragten Rezitator. Aus der Beantwortung von Fragen nach der Entstehung des Raven [gleichsam als faq] verfasste er Die Philosophie der Komposition, ein Schlüsselwerk für das Selbstverständnis moderner Dichtung, die primär als rationales Konstrukt beschrieben wird. Poe war weiterhin gefährdet, aber Willis schrieb über ihn: Er wohnte mit Frau und Mutter in Fordham, einige Meilen außerhalb der Stadt, aber er war ab 9 Uhr morgens an seinem Pult im Büro, bis die Zeitung abends in Druck ging... Er war immer pünktlich und fleißig. Poe-Cottage in Fordham, heute Bronx, Poes letzte WohnungIn Fordham verschlechterte sich Virginias Gesundheitszustand, und zu Poes Entsetzen erhielt sie anonyme Briefe, in denen er eines Verhältnisses zu der Dichterin Frances Sargent Osgood bezichtigt wurde. Poe wechselte zum Broadway Journal und verstrickte sich in Plagiatsvorwürfe gegenüber Henry Wadsworth Longfellow. Seine erlesenen virginischen Manieren [Walter Lennig] kamen ihm unter dem Druck von Armut und Krankheit langsam abhanden. Er rechnete mit den New Yorker Literaten auf eine Art und Weise ab, die sie ihm seiner Zeit nicht verziehen. 1847 starb Virginia im Alter von 24 Jahren. Poe brachte seine Trauer in dem Gedicht Annabel Lee zum Ausdruck, das erst im Nachlass gefunden wurde. Zugleich aber versank er in Depression und Alkohol. Er reiste durchs Land als Rezitator des Raven und hielt Vorträge über Dichtung und den Kosmos. Seine kosmologischen Überlegungen fanden Eingang in Eureka, Poes rätselhaftestes, jedoch von der modernen Physik nicht ohne Respekt betrachtetes Werk. Seine späten Kurzgeschichten haben einen ätzenden, ungewohnt gesellschaftskritischen Ton, so Das Fass Amontillado und Hopp-Frosch. Er verliebte sich in Annie Richmond [„Annie“], verlobte sich aber mit Sarah Helen Whitman [„Helen“], die die Verlobung wegen eines Alkoholrückfalls jedoch wieder löste. Poe nahm in Boston, seiner Geburtsstadt, eine Überdosis Laudanum zu sich, erwachte aber wieder. Der Versuch, die Beziehung zu seiner jetzt verwitweten Jugendfreundin Sarah Elmira Royster in Richmond aufzuwärmen, schlug fehl.
Am 7. Oktober 1849 starb Poe, von einer Vortragsreise nach Richmond kommend und auf dem Heimweg nach Fordham/New York, im Washington College Hospital in Baltimore, nachdem er in hilflosem und verwahrlostem Zustand aufgefunden worden war. Es gibt verschiedene Theorien über die Ursache seines Todes, von denen mangels besserer Quellen keine beweisbar ist: Poe könnte das Opfer so genannter Wahlschlepper geworden sein. Diese brachten anlässlich politischer Wahlen Menschen auf der Straße in ihre Gewalt, füllten sie mit Alkohol ab und zwangen sie unter Drohungen, für einen bestimmten Kandidaten zu stimmen. Poe geriet bei seiner Ankunft in Baltimore direkt in einen Wahlkampf. Poe, notorischer Quartalssäufer, könnte sich auch ohne äußeren Zwang ins Delirium getrunken haben. Gegen beide Theorien spricht, dass im Bericht des behandelnden Arztes an Maria Clemm mit keinem Wort von Alkohol die Rede ist und dass dieser Arzt später ausdrücklich bestritten hat, an Poe Spuren von Alkoholmissbrauch bemerkt zu haben. Poe war Katzenliebhaber und könnte sich durch einen Katzenbiss mit Tollwut infiziert haben. Hierfür sprechen die vom behandelnden Arzt beschriebenen Zustände von Angst, Verwirrung und delirierender Raserei, bei denen zwei Krankenwärter kaum ausreichten, um Poe zu bändigen. Eben diese Anfälle sprechen gegen die auch vertretene Theorie, Poe sei an Cholera gestorben. Der Choleratod, verbunden mit den typischen Reiswasserstühlen, ist ein Tod durch Entkräftung und hätte sicherlich völlig andere Spuren im ärztlichen Bericht hinterlassen. Poe wurde in Baltimore auf dem Friedhof der ehemaligen presbyterianischen Westminster Kirche [heute: Westminster Hall and Burying Ground] begraben. Virginia und Muddy, die 1871 im selben Hospital wie Poe starb, wurden nach einer Umbettung neben ihm beigesetzt. Dass Poe in den USA so nachhaltig verdammt und als zügellos und alkoholabhängig hingestellt wurde, liegt auch an seiner Verfeindung mit den führenden Literaten und Verlagen seiner Zeit, die er immer wieder in bissigen und harten Satiren angegriffen hatte. Sein von ihm selbst bestellter Nachlassverwalter, Rufus Wilmot Griswold, ein konservativer Christ, sorgte dafür, dass sich das Bild Poes als eines trunksüchtigen Sünders in den USA verfestigte. Durch die Franzosen Charles Baudelaire und Stéphane Mallarmé, die zahlreiche Werke Poes übersetzten, wurde Poe jedoch in Europa berühmt – und auf diesem Umweg auch in den USA als bedeutender Autor anerkannt. Baudelaire schreibt: In der Literatur jedes Landes gibt es Männer, in deren Stirnfalten ... das Wort „Pech“ geschrieben steht. ...Doch wenn man ihr Leben aufmerksam prüft, findet man Talente in ihnen, Tugenden, Begnadung. Die Gesellschaft bricht über sie den Stab und schließt auf charakterliche Laster, die nur aus der Verfolgung durch die Gesellschaft entstanden sind. [...] haben in mir die Überzeugung reifen lassen, dass die Vereinigten Staaten für Poe einen großen Käfig bildeten und dass er sein ganzes Leben über die heftigsten Anstrengungen machte, dem Einfluss dieser Atmosphäre zu entfliehen.
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